Jahresendritual

Wie immer beginnt mein Ritual mit einer Reinigung. Dazu gehört das übergießen mit Wasser, dem vorher Natron zugesetzt wurde. Danach habe ich Ritualkleidung und -schmuck angelegt und erstmal meine Opferungsrunde gemacht, wie ich sie jeden Morgen mache. Wasser und Speisen für alle Götter.

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dsc_0006Nach dem Entzünden einiger Kerzen und des Räucherwerks habe ich den Opferungsaltar vor dem Hauptschrein errichtet und dekoriert. Nun ist der Zeitpunkt für die Öffnungszeremonie des Hauptschreins und das Darbringen der besonderen Opferungen für den heutigen Anlass gekommen. Auch einen kleinen pyramidenförmigen Bergkristall plazierte ich auf dem Altar, er soll später in einen Fluß verbracht werden und mit den Botschaften aufgeladen seine Wirkung entfalten.

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dsc_0010Um mich auf den Anlass nochmal gebührend einzustimmen, meditierte ich um nach den Vorbereitungen erstmal wieder zur Ruhe zu kommen. Bei der Meditation spürte ich wie eine Last auf meinen Schultern, ich war plötzlich traurig, besorgt und mir liefen ein paar Tränen aus den geschlossenen Augen. Ich hatte das Gefühl die bleierne Schwere aller Sorgen jener zu spüren, die mich um Hilfe gebeten haben. Eine verborgene Schwere von der nicht jeder immer das ganze Ausmaß erzählen mag. Es fühlte sich an, also ob gerade sehr viele Menschen Angst hatten, eine Angst, die sich auf größere Dinge bezog als nur die alltäglichen Probleme und Hürden des Lebens.

Was wird auf uns zu kommen? Uns alle?

dsc_0011Die Meditation war anstrengend, obwohl ich darin geübt bin. Ich versuchte immer wieder meinen Fokus auf Ma’at zu richten, was nicht so leicht war. Ja, Ma’at, das Prinzip kosmischer Ordnung, mit Weisheit und Weitblick, verkörpert von einer geflügelten Göttin. Ma’at, Weret Hekau, “die an Zaubern reiche” das konnten wir jetzt sicher alle gut brauchen. Ich eingeschlossen. Ein bisschen mehr füreinander da sein, ein bisschen weniger aggressives Abgegrenze, darin zueinander finden, dass das Leben für niemanden allein einfach ist. Dass es nicht darum geht, wessen Not die größte ist. Dass so viele Dinge mit denen wir uns so glühend identifizieren uns auch nicht helfen werden, wenn wir wirklich in Not sind; wohl aber der nächste Mensch, dessen Meinung wir vielleicht nicht mal mögen, aber der mit anpackt, wenn es Not-wendig ist. Was ist WIRKLICH wichtig, wenn wir in Not sind und wissen, dass wir es nur gemeinsam schaffen?

dsc_0008Ich beendete die Meditation und begrüßte die Götter mit dem traditionellen Henu, das Heben der Arme mit offenen Handflächen. Ich verkündete mein Anliegen, erklärte, dass ich für Menschen vorspreche würde, die die Unterstützung der Götter brauchen. Einzeln verlas ich im Namen jender, die mich angeschrieben hatten, die Bitten und schloß mit einer Bitte auch den Menschen beizustehen, die nicht den Mut gehabt haben sich persönlich an mich zu wenden, aber dennoch der Hilfe bedürfen.

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Die Kerzen werden noch eine Weile brennen und ich schreibe gerade diesen Bericht und bereite die Bilder vor.

Mögen die Götter jedem im neuen Jahr, Lebendigkeit, Wohlstand und Gesundheit schenken.

Ankh, Udja, Seneb!

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6 Responses to Jahresendritual

  1. sigillum says:

    Großartig. Tolles Ritual. Sehr einfühlsam. Mit Hingabe. Wow. Danke, daß Du das gemacht hast.

  2. Curtis Nike says:

    Möge das kommende Jahr Frieden bringen ❤

  3. mondfeuer says:

    Danke ❤
    Auch wenn ich zu denen gehörte die sich nicht getraut haben, dachte, dass es mir nicht zusteht….blablabla….du hast da etwas wundervolles gemacht.

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