Mondritual – Eine moderne Interpretation altägyptischer Mondriten

Kaum eine Kultur wird so sehr mit dem Sonnenkult verbunden wie die Altägyptische. Der Mond spielt nur eine untergeordnete Rolle, doch so ganz ohne Bedeutung war er nicht. Immerhin war er im Volkskalender noch lange der Taktgeber, als der Staatskalender vom Mondjahr bereits auf das Sonnenjahr umgestellt worden war.

Animation der Mondphasen, Wikipedia

Einen eigenen Mondkult gab es nicht, so soll dieses Ritualkonzept lediglich einen Vorschlag für ein kemetisch inspiriertes Mondritual bieten und beansprucht keineswegs historisch belegt zu sein.

Dennoch markierten die Mondphasen  wichtige kultische Zeitpunkte oder waren Inspiration für verschiedene mythische Motive. So sind die 14 Stücke in die Osiris Leichnam zerlegt und verstreut wurde, dem halben Mondzyklus zuzuschreiben, der Neumond wurde natürlich als Neubeginn und Phase der Geburt verstanden.

Mondgötter

Der Mondgott Iah, Wikimedia Commons

Es gibt eine Reihe von Gottheiten die dem Mond zugeordnet werden. Die meisten von ihnen sind männlich. Dazu gehören Thoth, Osiris, Chons, Min und am ehesten noch mit der Mondscheibe selbst zu identifizieren Iah, welcher auch letztlich der Namensgeber für den Mond ist. Nur sehr wenig weibliche Gottheiten werden in Ägypten im Zusammenhang mit dem Mond genannt, davon ein namenloses weibliches Pendant zu Thoth und später im Neuen Reich die Göttin Isis, die dem Osiris als der Sonne zugehörig eine Entsprechung bildet.

Symbol der Verjüngung und Erneuerung

Den Mond selbst verstand man als ein kleineres Gegenstück zur Sonne, eine Art Nachtsonne. So ist es auch nachvollziehbar, dass sich ähnliche Attribute wie bei der Sonne auch um den Mond finden. So wie die Sonne die allabendliche Verjüngungsreise durch die Unterwelt antritt um am nächsten Morgen gestärkt am östlichen Himmel hervorzugehen, sah man auch in den Zyklen des Mondes den Prozess wiederkehrender Erneuerung.

Der Mondkraft sagte man nach ein “brünstiger Stier zu sein, der die Frauen schwängert”. Der Mond galt als der Fruchtbarkeit besonders günstig, wenn die volle Scheibe am Himmel stand. Überhaupt wurde der Vollmond mit dem Stier assoziiert, denn zum Vollmond wurde auch regelmäßig das “Fest zur Vereinigung der beiden Stiere” (Sensen kawi) gefeiert. Die Bezeichnung “Stier des Himmels” für den Mond, ist als bildhafter Ausdruck für “Herrscher” oder “Gebieter” und als Ausdruck seiner großen Kraft zu verstehen. Die Vereinigung der beiden Stiere ergibt sich aus dem Umstand, dass zum Vollmond die Sonnenscheibe und der Mond häufig gleichzeitig zu sehen waren.

Horusauge, ca. 600-400 v. Chr., Louvre/Paris, Foto: Marie-Lan Nguyen, Wikimedia Commons

Heilung des Mondauges

Das wichtigste mythologische Ereignis ist die Heilung des Mondauges. Sowohl Sonne als auch Mond wurden jeweils als Himmelsaugen verstanden, die Sonne als das rechte und der Mond als das linke. Die damit verbundene Gottheit ist in erster Linie Horus, aber auch Re, so dass die Sonne auch als Auge des Re und der Mond als Horusauge gesehen wird. Der abnehmende Mond wird als das langsame Vergehen des Horusauges betrachtet, das sich in der zunehmenden Phase regeneriert.

Hinzu kommt noch der volkstümliche Mythos vom Kampf zwischen Seth und Horus, in welchem Seth Horus das Auge ausschlägt, dies aber wieder erneuert wird. Der Mond wird dabei zum Symbol des immerwährenden Kampfes zwischen Licht und Finsternis, Horus als Verkörperung des Lichtes und Seth als Symbol der Finsternis. Geheilt wird das Mondauge von Thoth. Das heile Auge wird als Udjatauge bezeichnet, das daher auch zu einem allgemeinen Symbol der Heilung wird.

Das Ritual

Das o.g. Vollmondfest Sensen-kawi wird auch “Tage der Reinigung” genannt. Zusammen mit dem Verjüngungs- Heilungs- und Erneuerungsaspekt, soll dies nun als mythologische Vorlage für dieses moderne kemetische Mondritual dienen. Da zu diesem Fest ähnlich dem Lampenfest zahlreiche Lichter entzündet wurden, eignen sich natürlich auch hier Kerzen und Lichter aller Art. Da der Mond mit der Farbe Weiß und Silber assoziiert wurde, passen hier natürlich silberne und weiße Ritualgegenstände am besten z.B. Altardeckchen, Kerzenhalter, Kerzen oder sogar Mondsymbole. Man kann entweder einen vorübergehenden Altar einrichten, den man hinterher einfach wieder abbaut oder einen dauerhaften. In etwas späterer Zeit opferte man zum Fest der Vereinigung der beiden Stiere auch zwei Spiegel um damit die beiden Himmelslichter Sonne und Mond zu symbolisieren, d.h. es wäre also sehr passend zwei Spiegel in seine Altardekoration zu integrieren.

Natürlich kann man hier auch den mit dem Mond assoziierten Gottheiten, die weiter oben genannt wurden, besondere Aufmerksamkeit schenken und Opferungen darbringen. In diesem Ritualbeispiel soll jedoch auch besonderes Augenmerk auf der Reinigung und Heilung des eigenen Körpers und der eigenen Seele liegen.

Das Ritual beginnt daher am besten mit einer umfassenden Reinigung. Diese erfolgt ganz traditionell mit einer Waschung durch Natronwasser. Eine Anleitung zur Herstellung von Natron findet sich hier. Normales Speisesalz oder/und Küchennatron sind aber ebenso geeignet. Wichtig ist es bei der Waschung wirklich alle Körperteile mit der Wassermischung zu übergießen und vor allem die Körperöffnungen zu reinigen. Anschließend erfolgt eine Räucherung die man über den ganzen Körper aufsteigen lässt. Besonders geeignet ist hier natürlich das traditionelle Kyphi, doch man kann natürlich auch reinigende Kräuter wie Lavandel, Salbei o.ä. einsetzen. Wenn man über weiße Ritualkleidung verfügt kann man diese natürlich ebenfalls anlegen.

Nun entzündet man die Kerzen um auch die Kraft des Mondes zu wecken und ggf. weiteres Räucherwerk am dafür errichteten Mond-Altar. Sofern möglich, kann man diesen so einrichten, dass man dabei das Mondlicht sehen kann. Man kann nun ganz nach Belieben eine kurze Andacht halten, den Aspekten des Mondes nachsinnen oder das Ganze zu einer größeren Meditation ausweiten, sich auf die verjüngende Kraft des Vollmondes fokussieren und sich dabei von ihr durchströmen lassen. Dem Mythos nach hat Thoth das Mondauge geheilt indem er mit seinen Fingern darüber strich. So kann man gleichermaßen bestimmte Körperbereiche, die magischer Heilung bedürfen durch einfaches Darüberstreichen mit der Mondkraft in Verbindung bringen. Oder man legt, sofern vorhanden, kleine Udjat-Amulette auf eben diese Stellen. Dies kann man entweder bei sich selbst oder im Falle eines gemeinschaftlichen Rituals gegenseitig vollziehen.

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5 Responses to Mondritual – Eine moderne Interpretation altägyptischer Mondriten

  1. sigillum says:

    spannend finde ich, daß mond und sonne als augen gesehen werden…und die männlichen bzw. weiblichen aspekte dazu. “nachtsonne”…das ist ein schöner begriff.
    danke für den artikel.🙂

  2. mikhaeleast says:

    Hi Sandra Google translate won’t work with this post and it looks SO interesting. Is there an English version coming up? Best, Setken Mikhael EastPersonal TrainerWellness CoachBodybuilding training specialistISSN (International Society of Sports Nutrition) certifiedEvent Host and Fitness SeminarsMulti format Group Fitness InstructorMeditation coachMr. Fitness Australia Champion http://mikhaeleas7.wix.com/wingedphysique

  3. veledalantia says:

    schön geschrieben ♡

  4. Merit-Djehuti says:

    Hallo Sati,

    Ich halte deine Idee mit dem Mondritual für sehr intressant. Vielleicht werde ich das heute Abend, da ist ja passender weise Vollmond, mal ausprobieren.
    Das einzige was ich persönlich vielleicht anders mache ist der Teil mit der Reinigung, da ich noch nicht die Gelegenheit und irgendwelche passenden Ideen hatte, wie ich mir Natron herstelle. Ersatzweise denke ich kann man sich durchaus auch mit Lavendelseife waschen, Lavendel hat ja wie du bereits in deiner Beschreibung erwähnst eine reinigende Wirkung. Das ist dann zwar etwas improvisiert aber ich denke das dürfte auch gehen.
    Und passend ist das Mondritual alle mal, ist doch mein Schutzpatron Toth ein Mondgott. Wusstest du übrigens das eines von Toth’s Epitheta: “Stier unter den Sternen” lautet. Worauf sich das wohl bezieht, kann man sich nach dem Lesen deines Textes wohl denken😉 .

    Liebe Grüße
    Merit – Djehuti

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