Vergeltung für die Luchse – ein Ritual

Eurasischer Luchs, Wikimedia Commons, Foto: Berhard Landgraf

Süddeutsche Zeitung 21. Mai 2015, 20:32 Uhr
Wilderer – Bis zu vier Luchse getötet
Wilderer haben nahe Cham im Bayerischen Wald bis zu vier streng geschützte Luchse getötet. Wie ein Sprecher des Vogelschutzbundes LBV erklärte, waren bereits am vergangenen Freitag in einem Waldstück vier abgetrennte Vorderläufe von Luchsen entdeckt worden. Der Fund bedeutet, dass mindestens zwei, womöglich sogar vier Tiere illegal getötet wurden. Die Kadaverteile waren so abgelegt worden, dass sie entdeckt werden mussten. Insider sagen, dass die Tat möglicherweise in Zusammenhang mit dem Einsatz des LBV für ein Luchsschutzgebiet am Kaitersberg steht. Hier wurde ein 37 Hektar großes Areal, das die Raubtiere zur Jungenaufzucht und als Rückzugsraum nutzen, als Schutzzone ausgewiesen. Das Projekt wird seit Wochen scharf angegriffen. Der LBV und weitere Naturschutzverbände haben Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt.

 

Jahrzehntelang war der Eurasische Luchs starker Verfolgung ausgesetzt bis er durch systematische Ausrottungsmaßnahmen schließlich völlig aus Westeuropa verschwunden war. Glücklicherweise erholen sich heute die Bestände langsam, so dass  unter anderem die Alpen, der Jura, die Vogesen, der Harz, das Fichtelgebirge, der Bayerische Wald, der Böhmerwald und der Spessart wieder von Luchsen besiedelt ist. Der Luchs ist ein sehr spezialisierter Jäger, was seine Rückkehr in die deutschen Wälder nicht gerade leichter macht.

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Umso mehr hat uns diese Nachricht der Süddeutschen Zeitung erschüttert. Als Verehrer der Katzengestaltigen und Löwengottheiten, war klar, auch wir müssen und wollen handeln und zwar auf unsere Weise – auf kemetisch. Dabei lagen uns zwei Dinge am Herzen:

  • Die Täter müssen gefasst werden um für Ihre Tat der gerechten Strafe zugeführt zu werden
  • Die toten Luchse sollen es im Jenseits gut haben und dort wohlbehalten und sicher ankommen.


Isfet – Die Täter festnageln

Wir wählten zwei Wachsfiguren als Vertreter für die Täter (deren Zahl uns natürlich nicht bekannt war). Diese wurden zunächst für mehrere Tage vor einem Heka-Schrein “aufgebahrt” um überhaupt erst einmal die Aufmerksamkeit der Götter für diesen Fall zu erregen.

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Wachspuppen-Magie

 

Am Tag des eigentlichen Rituals suchten wir dann unseren Ritualplatz an einem fließenden Gewässer auf. Fließende Gewässer eignen sich besonders gut, für Verwünschungsmagie, da die Energien mit dem fließenden Wasser zuverlässig davon getragen werden statt an den Ort gebunden zu bleiben.

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Der Ritualort

Die Puppen wurden erstmal auf ein Stück Holz genagelt, symbolisch für das “festnageln” der Täter und natürlich auch um sie für ihre Tat zu bestrafen. Für den weiteren Verlauf wählten wir das traditionelle Ritual der roten Töpfe, wie es zum Niederschlagen der Feinde der Ma’at üblich ist.

Außerdem unternahmen wir eine schamanische Reise, nicht wie sonst mit einer Trommel, sondern mit Hilfe zweier kleiner Sistren, dem traditionellen instrument der Sachmet und Bastet. Zweck der Reise war nicht die Täter selbst zu schädigen, aber sie zu “markieren”, also den Göttern mitzuteilen, wer sie sind und was sie getan haben auf das diese schlußendlich entscheiden, was mit ihnen geschehen soll.

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Festgenagelt!

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Die Flammen der Rache

 

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Das Zerschlagen der Töpfe

Anschließend vergruben wir die Tonscherben mit den Wachsresten der verbrannten Puppen, so tief wie möglich im Kies, damit wir den Ort so hinterließen, wie wir ihn vorgefunden hatten.

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danach…

Den gesamten Vorgang führten wir vor den Augen der Luchse durch bzw. vor zwei Katzenfiguren die wir als Stellvertreter für die toten Luchse gewählt haben, sowie einer katzengestaltigen Gottheit.

DSC_0130Ma’at – Heilung und Totenritus

Nun war der zweite Teil des Rituals zu vollziehen, die Heilung der Luchse und das Geleit in die Duat. Zu diesem Zwecke bemalten wir die Figuren mit magischen Zeichen der Heilung um sowohl ihre Würde, wie auch ihre Unversehrheit für das Jenseits zu gewährleisten.

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Bis zum nächsten Morgen durften die Luchsfiguren noch im Hauptschrein bei Bastet und Sachmet verweilen, während wir die Totenwache übernahmen. Dann traten sie ihre letzte Reise an um würdevoll in der Erde der bayrischen Wälder vergraben und bestattet zu werden.

Möge Ihnen Gerechtigkeit widerfahren und die Ma’at für sie wieder hergestellt sein!

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Bastet, die lieblich-gnädige Göttin, und Sachmet, die furchtbar zornige,
Inbegriff des zweifachen Aspektes der Macht,
die den Loyalen schützt und den Übertreter vernichtet. *

Dua Netjeru,
Heil sei den Katzen- und Löwengöttinnen und -göttern!

 

*aus “Ägyptische Hymnen und Gebete” von Jan Assmann
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5 Responses to Vergeltung für die Luchse – ein Ritual

  1. silver surfer says:

    Danke, dass ihr das gemacht habt!!!

  2. Mandy says:

    Von mir auch DANKE!

  3. Sólveig says:

    Das ist toll. Finde ich gut.

  4. Sati says:

    Eine Anmerkung, weil es immer wieder “Beschwerden” gibt, dass so ein Ritual ja nicht funktionieren könne, wenn es nicht geheim gehalten wird:

    “Das Ritual der roten Töpfe […] repräsentiert eine Adaption von königlichen Riten für private Grabeigentümer, so ist es nicht verwunderlich, dass ähnliche Riten in Inschriften und Reliefs an privaten Denkmälern dargestellt sind. Auf einem Sarg der 5. Dynastie von Deshasheh ist es Bestandteil der Standardriten des Grabkultes zusammen mit den grundlegenden Riten des “Ausgießens von kaltem Wasser” und “Verbrennen von Weihrauch”.
    (The Mechanics of Ancient Egyptian Magical Practise, Robert K. Ritner, Oriental Institute of Chigago)

    Eine Geheimhaltung dieser Art des Rituals ist lediglich für den köngiglichen Kult von Bedeutung, wie auch für die meisten Rituale des Tempel- und Königskultes in Ägypten. Während die Priesterschaften sich gerne hinter den Mauern ihrer Tempel verschanzt haben, hat man im Volkskult ohne jegliche Geheimniskrämerei seine Rituale und Gebräche betrieben, die natürlich häufig aus dem Staatskult abgekupfert waren.

    Schließlich waren die meisten Tempelpriester nur Teilzeitpriester und vor allem saisonal am Tempelkult beteiligt und hatten daneben ein ganz normales bürgerliches Leben mit Familie und Bekanntenkreis. Da sind natürlich inoffiziell kultische Informationen in den Alltag des normalen Altägypters geflossen. Das gilt gleichermaßen auch für andere Rituale, was ebenfalls gut belegt ist. Hinzuzufügen ist noch, dass sehr viele auch königliche Rituale im großen Rahmen, öffentlich z.B. als Prozessionen (also durchs Land ziehen) stattfanden. Die Öffentlichkeit ist also durchaus Bestandteil des Ritus.

    Das beschriebene Ritual dieses Artikels beschreibt keinen geheimen Tempelkultakt (das ist in der Tat eher typisch ritualmagisch), sondern ist an die altägyptische Volksmagie angelehnt, die u.a. auch starke schamanische/animistische Züge aufweist. Bitte nicht Kemetismus und Ritualmagie verwechseln, das sind zwei voneinander völlig unabhängige Herangehensweisen.

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