Der Stoff aus dem die Schöpfung ist

Eines muss man vorweg sagen, natürlich gibt es im Alten Ägypten kein “Elemente-Konzept”. Die europäische Vier- Elemente-Lehre (“Wasser, Feuer, Erde, Luft”) ist ein Konzept aus der Alchemie, die ihre Wurzeln in der griechischen Antike hat und das Fünf-Elemente-Konzept kommt aus der chinesischen Kultur. Aufgrund der ägyptophilen Elemente in der Ritualmagie hat sich die irrtümliche Annahme etabliert, es gäbe ein solches Elemente-System auch für das Alte Ägypten. Das ist jedoch nicht der Fall.

Dennoch gibt es aber auch in der altägyptischen Kultur, so wie in fast jeder Kultur eine antike Form der Wissenschaftlichkeit, die mit der Religion zwar eng verbunden ist, deren Streben aber dennoch der Forschung dient und zwar die Forschung wie Schöpfung letztlich funktioniert und aus was sie gemacht ist. Dieser Wissenschaftsgeist ist dem Menschen des Altertums ebenso zu eigen, wie dem modernen Menschen und gerade die Alten Ägypter waren in dieser Hinsicht sehr ambitioniert und sahen Wissenschaftlichkeit in keiner Weise als Gegensatz zur Religiosität. Im Gegenteil, man kann sagen sie ist sogar Teil davon.

Auch in der Ägyptischen Ritualistik lassen sich einige bedeutsame Substanzen herausgreifen aus welchen die Schöpfung “gemacht” ist und die als solche auch in der Magie Anwendung finden, wie auch weitere Stoffe, die einen eigene magische Bedeutung haben.

  • Wasser

Wasser ist mit Abstand das wichtigste Element in der altägyptischen Religion. Die gesammt Mythologie dreht sich um den Zyklus des Wassers, dass mit der alljährlichen Nilflut das fruchtbare Naß über die nach der Trockenzeit ausgedörrten Felder in Ägypten brachte. Die Einteilung der Jahreszeiten erfolgte nach den Rhythmen des Wassers in eine Zeit der Flut (Akhet), des Sprießens (Peret) und der Trockenheit (Schemu). Mit der Flut sind viele Gottheiten assoziiert wie z.B. Anuket, Sopdet oder Hapi, wobei Hapi die Flut selbst ist, während die weiblichen Gottheiten wie Anuket oder Sopdet sie vor allem herbeiführen.

Nilflut bei Gizeh, Wikipedia

Selbst der Mythos von Osiris’ Ermordnung durch seinen Bruder Seth wird häufig als Allegorie auf den Zyklus von Wachstum und Dürre interpretiert, den Seth ist der Herr der Wüste und Osiris gilt als Vegetationsgott.

Doch auch in den Tränen der Isis, die ihren zerstückelten und mummifizierten Gatten Osiris beweint und mit ihren Tränen durchtränkt um ihn so seine Glieder wieder zu verbinden, ihm Lebenskrafrt einzuhauchen und so für den gemeinsamen Sohn Horus zeugungsfähig zu machen, spiegelt die lebensspendende Kraft des Wassers wieder.

Atlantischer Ozean, Wikimedia Commons

Dennoch ist Wasser nicht durchweg positiv und wunderbar, es ist auch unergründlich und bedrohlich, das sprichwörtliche Urchaos also, wie es sich Urmeer Nun verkörpert aus dem sich der Urhügel mit Atum erhebt und die Schöpfung intiiert. Schöpfung ist daher mitunter auch ein gewaltsamer Prozess, ähnlich wie eine Geburt, die unter Wehen erfolgt. Die Schöpfung im Sinne der Altägypter entsteht nicht aus einem präexistenten Nichts, sondern aus einem unordentlichen Etwas, verkörpert vom Urmeer, dass zu einem geordneten Etwas wird, der Schöpfung. Und in den Wassern der Unterwelt, der Duat treibt nicht zu letzt auch die dämonische alles vernichtende Schlange Apophis die den Sonnengott zu verschlingen droht.

  • Feuer

Ähnlich ambivalent ist auch das Feuer. Es ist besonders in der ägyptischen Heka-Magie das ultimative Mittel der Zerstörung. Es verzehrt, doch gleichzeitig erhellt es auch und stellt damit einen wirksamen Schutz gegen böse Geister dar, die in der Finsternis lauern. Wohnhäuser, wie Tempel wurden nachts mit Fackeln erleuchtet um sie zu schützen, das entzünden des Feuers war bereits ein ritueller Akt. Zum Lichterfest zu Sais z.B. wurde vor jedes Haus eine Lampe gestellt.

DSC_0217Schlangen wie der Uräusschlange sagt man den “Feueratem” nach, was Feindabwehr symbolisiert und sicher dem Schlangengift zuzuordnen ist, das Schlangen auch weit ausspeien können und ds brennende Wunden auf der Haut hinterlässt. So sieht man sie auch häufig die Sonnenscheibe umschlingend als Kopfschmuck von Gottheiten, die das “Flammenauge”, also das Auge des Re, verkörpern wie z.B. Sachmet. Aber auch Seth wird das Feuer zugeordnet.

Im Jenseits drohen die allesvernichtenden Feuerseen den Verstorbenen für immer zu vernichten, wenn er sich zu Lebzeiten gegen die Ma’at aufgelehnt hat, die Verwandtschaft zur christlichen Hölle ist schwerlich zu übersehen.

“Fire02” by Fir0002 – Own work. Licensed under GFDL 1.2 via Wikimedia Commons

Feinde wurden verwünscht indem man kleine Wachsfiguren von ihnen fertigte und in einem Feuer verbrannte.

  • Licht

Licht ist recht eindeutig positiv besetzt. Eigentlich lässt sich Licht im altägyptichen Kontext kaum von der Sonne und ihrer Hitze und damit auch dem Feuer trennen, doch hat es dennoch auch eine eigene Bedeutung, die vor allem im Totenkult zu Tage tritt. Wird ein verstorbener dem Totenkult unterzogen und seine Ba-Seele damit “verklärt” wird er zum “Ach”. Ach steht einerseits für die Ahnen an sich, aber bedeutet gleichzeitig auch “Lichtglanz”. Das heisst Ach ist auch gleichermaßen ein Zustand der Ba-Seele mit Wesensheitscharakter. Gemeint ist hier Licht, dass den Ahnengeist der Göttersphäre zugehörig macht, er wird tatsächlich also zum Gott unter Göttern.

„Aten“ von User:AtonX – Image:Aten.JPG. Lizenziert unter CC BY 2.5 über Wikimedia Commons

Weiters gibt es auch Gottheiten, deren Persönlichkeiten eher dem Licht als dem Solaren zugeordnet sind. So steht Aton etwa für die Sonnenscheibe selbst und wird mit mit einer von Strahlen umgebenden Sonnenscheibe dargestellt, die den Lichtaspekt hervorheben. Doch auch der Luftgott Schu steht für das Licht, denn für den Ägypter gab es einen Raum der Erde und Firmament voneinander trennte, welcher mit Licht und Luft gefüllt war. Luft ist daher nicht identisch mit dem Himmel, denn man muss in der ägyptischen Mythologie natürlich ein geozentrisches Weltbild voranstellen. Der Himmel war das, was sich irgendwo in der Höhe über die Erde spannte.

Und nicht zuletzt war Licht natürlich auch die Abwesenheit von Finsternis, welche per se bedrohlich war und von bösartigen Geistern bewohnt sein konnte. Aus diesem Grund hoffte man, dass Re allabendlich seine Unterweltsreise antreten würde um die Welt der Toten, die Duat, zu erhellen.

  • Leere

Wie schon erwähnt, handelt es sich bei der ägyptischen Vorstellung des Kosmos um ein geozentrisches Weltbild, dass schöpfungsmythologisch aus dem festen Boden des Urhügels besteht, dass sich aus den Urwassern erhebt und vom Himmel überspannt ist. Tatsächlich droht der Himmel permanent auf die Erde zu fallen, was dem Ende der Schöpfung gleichkommt, so muss der Himmel ständig nach oben gehalten werde. Mythologisch stellt sich dies in Form des Erdgottes Geb dar über den gebeugt die Himmelsgöttin Nut schwebt, gehalten vom Luftgott Schuh. Schuh ist also nicht nur Luft, er ist der Raum selbst, der mit Licht und Luft gefüllt ist.

Der Luftgott Schu (“Leere”) hält die Himmelsgöttin Nut über dem Erdgott Geb. Zwei Widdergottheiten helfen ihm dabei.

  • Luft

Doch auch dem Atem, also der geatmeten Luft kommt eine hohe Bedeutung zu, denn die Lebenskraft Ka wird “an die Nase” gegeben, ist also der sprichwörtliche Lebenshauch, der von den Göttern verliehen wird, sehr häufig mit einem Ankh dargestellt, dass dem Empfänger dieser Lebenskraft an Mund und Nase gehalten wir.

Die Luft als Sturm ist dem Gott Seth zugeordnet und stellt die Luft in ihrer brutalen Kraft dar.

  • Metalle

Die Alten Ägypter kannten verschiedene Metalle, die zu unterschiedliche Zwecken eingesetzt wurden.

Ägyptischer Wesech-Kragen aus Gold und Edelsteinen, 19. Dynastie, Bubastis, Foto: ddenisen (D. Denisenkov), Wikimedia Commons

 

– GOLD

Kaum ein Metall wird so sehr mit dem Alten Ägypten assoziiert wie Gold. Bereits 5000 v. Chr. lassen sich die ersten Goldfunde nachweisen. Schmuck, Statuen, Amulette, Götterbilder, Ritualgegenstände und vieles mehr war oft aus purem Gold gemacht. Man ging geradezu verschwenderisch damit um, denn der magisch-religiöse Wert des Goldes stand im Vordergrund. Ägypten bezog das Gold aus Nubien (“Nub”=Gold, Goldland), dem heutigen Sudan. Das “Goldland” Punt auch “Ta netjer” also Land der Götter genannt, das heute nicht mehr eindeutig lokalisiert werden kann, befand sich vermutlich südöstlich von Nubien. Auch von dort bezogen die Ägypter Gold, wie auch Ebenholz und Weihrauch. Gold ist von solarer Qualität und aufgrund seiner Beständigkeit mit Dauerrhaftigkeit und Ewigkeit assoziiert.

– SILBER

Silber, “hedj” genannt, ist von lunarer Qualität wobei man hier berücksichtigen muss, dass der Mond keinen Gegenspieler zur Sonne bildet, sondern eher das kleinere Äquivalent zu ihr. Der Mond ist die Sonne der Nacht und als solcher immer noch von, wenn auch milderer solarer Qualität. Erstaunlicherweise war Silber den Ägyptern viel wertvoller als das Gold. Es wurde ungefähr 3 mal so viel Gold wie Silber verwendet, Silber war weitaus seltener und wurde meist von Westasien importiert.

– EISEN

Eisen wurde mit Seth assoziiert und zwar im Besonderen mit seinem Kampf gegen die allesverschlingende Schlange Apophis. Sein Speer, den er gegen Apophis einsetzte um den Sonnengott vor der Vernichtug zu schützen, ist aus Eisen, Auch die Knochen des Seth bestehen aus Eisen. Damit kommt Eisen die Eigenschaft besonderes hoher Widerstandsfähigkeit zu, die im Kampf gegen Isfet, das antagonistische Prinzip zur kosmischen Ordnung Ma’at eingesetzt werden kann. In Form von Messern, Nägeln oder Nadeln fand Eisen als kultisches Werkzeug Verwendung. Bilder oder Figuren von Apophis wurden mehrmals mit diesen Werkzeugen “erstochen”. In der Spätzeit, als Seth selbst dämonisiert und sogar mit Apophis gleichgesetzt wurde, machte man paradoxerweise das gleiche mit Bildnissen von ihm. Die Erze waren dem Totengott Sokar zugeordnet.

– KUPFER

Kupfer oder Kupferlegierungen (Bronze) war ein vielverwendetes Metall in Ägypten. Haushaltsgegenstände, Schmuck, Figuren, Werkzeuge und Waffen wurden aus Kupfer und dessen Legierungen hergestellt. Bereits aus der Prä- und Frühdynastik lassen sich entsprechende Funde nachweisen. Aus Sand, Kalk, Soda und Kupferoxyd stellt man die typisch blauen Glasur für die altägyptischen Fayencen her. In der magischen Bedeutung ist Kupfer und Bronze dem Eisen recht ähnlich. Es war vor allem ein Metall für magische Waffen aufgrund seiner Beständigkeit und Widerstandsfähigkeit.

  • Sand

Obwohl man Sand mit Trockenheit und Leblosigkeit assoziieren müsste, steht er in Ägypten für das Auftauchen des Urhügels aus den Urwassern. Damit ist Sand ein initiales Element für Schöpfungsprozesse. Statuen und Tempeleinrichtungen wurden auf Sand gestellt und Sand wurde auch bei Prozessionen verstreut, wurde im privaten wie im offiziellen Kult geopfert und war häufig Baumaterial von Kultfiguren und Ritualgegenständen insbesondere für Sockel. Damit hat Sand vor allem die Bedeutung eines Fundments für schöpferische Prozesse. Jedoch ist Sand auch mit der Wüste assoziiert und damit auch mit Göttern wie Seth und auch Sokar. Sand lässt die Feinde erblinden. Dies ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass der allgegenwärtige Sand für häufige Augenentzündungen bei den Ägyptern sorgte. Als Schutz dagegen verwendete man den schwarzen Kajal, der aus Fetten hergestellt wurde und das Auge schützen sollten.

  • Steine

Verschiedene Steine wurden in Ägypten zur Herstellung von Amuletten, Schmuckstücken und zur Verzierung von heiligen Gegenständen eingesetzt. Die Steine waren wertvoll und man schrieb ihnen durchaus magische Wirkung zu, jedoch war diese weitgehend unspezifisch. Meist ergab sich die Wirkung aus dem Amulett in dem es eingesetzt wurde. Zu Pulver zerrieben wurde es als Augenschminke verwendet, was zum Teil äußerst gesundheitschädlich war.

– LAPISLAZULI

Lapislazuli war der wertvollste Stein, den die Ägypter besaßen. In Liebesgedichten wurden Körperpartien mit Lapislazuli gleichgesetzt um der Angebeteten zu schmeicheln, in einem Mythos heisst es die Knochen des Re seien aus Silber, sein Fleisch aus Gold und seine Haare aus Lapislazuli. Lapislazuli findet sich häufig in Königsschmuck und -insignien, vor allem auch in der Grabbeigabe. Da Lapislazuli so teuer war wurde es durch die berühmte blaue altägyptische Fayence imitiert. Er galt als heilig und wurde zu medizinischen Zwecken eingesetzt. Häufig zierte er Horusaugen-Amulette, die zum Schutz und zur Heilung dienten.

Lapislazuli, Foto: Ra’ike, Wikimedia Commons

– TÜRKIS

Ähnlich begehrt wie der Lapislazuli war auch der Türkis, der als Stein der Hathor galt, der Göttin, des Tanzes, des Festes, der Ekstase und der Sexualität. Der Abbau ist bereits aus prädynastischer Zeit belegt. Auch dieser findet sich häufig an königlichem Schmuck. Skarabäen wurde häufig aus Türkisen geschnitzt.

Nilpferd aus blauer Fayence, Mittleres Reich 2033-1710 v. Chr. Foto: SiefkinDR, Wikimedia Commons

 

– JASPIS, KARNEOL

Steine wie der rote Jaspis oder der Karneol waren ebenfalls sehr beliebt in Ägypten. Es wurde bevorzugt für das sog. Tit Amulett verwendet, auch “Isisknoten” oder “Isisblut” genannt, dass aber in enger Verbindung mit Isis wie auch Hathor steht. Es sieht aus wie ein Ankh mit nach unten geklappten “Armen”. Knoten- und Bindemagie war eine häufige Methode in Ägypten. Das Tit-Amulett, fand vor allem als Schutz für Schwangere und Gebärende Anwendung, schmückte Sarkophage um die Zauberkraft der Isis zu verleihen und damit die Fähigkeit zur Wiederbelebung.

Tit Amulett, roter Jaspis

– MALACHIT

Aus Malachit wurden Skarabäen gefertigt und zermörsert dient er als farbintensiver Lidschatten, der außerdem das Auge schützen und natürlich die Attraktivität steigern sollte.

  • Exkremente

Exkremente eignen sich als Bestandteil von Verwünschungsmagie, denn alles was mit dem Tod assoziiert wurde, war ideal um jemandem auf magischen Wege Schaden zuzufügen. Man nahm in den schlimmsten Visionen vom Jenseits an, dass die nicht-gerechtfertigten Toten auf dem Kopf stehend durch das Totenreich wandeln und Kot essen mussten. Damit stellen Exkremente die Umkehr vom Lebensprinzip schlechthin dar.

Viele Räucherstäbchen stammen heute aus Indien und enthalten Kuhdung, der  in Indien heilig ist, aber für den altägyptischen Ritus unter Umständen als kultisch unrein anzusehen ist. Betreibt man explizit Schadensmagie, kann man jedoch durchaus zu getrocknetem Kuhmist greifen.

Allerdings fand Dung auch im Alten Ägypten ungewöhnliche Anwendung, z.B. Krokodildung vermischt mit Honig als Verhütungsmittel. Dabei wurde es tatsächlich in die Vagina eingeführt um eine ungewollte Schwangerschaft zu vermeiden. Und nicht zuletzt galt der Mistkäfer der aus Dung seine Kugeln formte als Sonnen- und damit Lebenssymbol schlechthin, man wusste also durchaus um die wachstumsfördernden Eigenschaften von Mist. Im Rollen der Mistkugeln durch den Skarabäus sah man ein Gleichnis der über den Himmel ziehenden Sonnenscheibe.

Skarabäus mit Sonnenscheibe aus dem Grab des Tutenchamun, Foto: Jon Bodsworth, Wikipedia

  • Natron

DSC_0037Das Reinigungsmittel schlechthin war Natron und zwar gleichzeitig zu weltlichen wie auch zu magischen Zwecken. Es wurde gekaut, in Wasser aufgelöst und zu Waschungen benutzt und nicht zuletzt wurde es bei der Mummifizierung verwendet um die Mumien “von allem Weltlichen zu reinigen” und sie zu dehydrieren um sie anschließend mit Ölen und Harzen zu tränken und für die Ewigkeit haltbar zu machen. Priester vollzogen z.B. mehrmals am Tag und mehrmals nachts Waschungen mit Natronlösung, Mischungen mit Natron, Zitrone und Ölen wurde als Deodorant benutzt.

DSC_0040Gewonnen wurde Natron aus den ägyptischen Natronseen aus der Sketischen Wüste Wadi-an-Natrun auch Sechet-hemat (“Salzfeld”) genannt, die ca. 100 km südöstlich von Alexandria und südwestlich des Nildeltas liegt.

Reines Natron ist natürlich stark ätzend und nicht zu verwenden, jedoch hat sich im modernen Kemetismus die Anwendung eines Küchennatron-Salz-Gemisches etabliert, dass dem echten Natron von der chemischen Zusammensetzung am Nächsten kommt. Es wird mit Wasser aufgekocht und anschließend so lange getrocknet, bis es auskristallisiert. Man kann es als wässrige Lösung für die Körperpflege verwenden, um Amulette, Ritualgegenstände, Schreine oder Statuen zu reinigen oder in die Luft gesprüht sogar zur Raumreinigung benutzen.

Natronsee in Tansania, Lengai from Natron“ von Clem23 – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons

 

  • Kräuter, Pflanzen und Früchte

Die Alten Ägypter besaßen eine umfangreiche Pflanzenmedizin, die hier in wenigen Sätzen zu erfassen schier unmöglich ist. Viele Kräuter, Pflanzen und Früchte gibt es heute noch, wie Myrrhe, Koriander, Zimt, Kardamom, Galgant, Zitrone, Fenchel, Kümmel, Zwiebeln, Feigen, Datteln, Granatapfel, Papyrus, Lattich, Lotus uvm. Bei einigen Pflanzen lässt sich aber nicht mehr rekonstruieren um welches Gewächs es sich handelt. Berauschende Pflanzen fanden ebenso Anwendung wie zahlreiche Küchengewürze zusammen mit Ölen und Harzen. Sie wurden verräuchert, gegessen, in Öl eingelegt zur Einreibung verwendet, als Schutzamulett getragen usw. Die Ägypter waren eine Agrarkultur, so dass viele der genutzten Gewächse im großen Stil angebaut wurden. Manche Pflanzen wurden auch bestimmten Gottheiten zugeordnet sowie der Lattich, der mit Seth und Min assoziiert wurde. Der Papyrus war die Pflanze Unterägyptens und der Lotos eines der Symbole für Oberägypten. Insbesondere der Lotos galt neben dem Skarabäus auch als Symbol der Wiederauferstehenung, was auf die Eigenschaft der Blüten zurückzuführen ist beim Sonnenaufgang die Kelche zu öffnen.

„Nymphaea lotus (1)“ von Ben Yanis from Wilmington, DE, USA – [1]Uploaded by Epibase. Lizenziert unter CC BY 2.0 über Wikimedia Commons

  • Schlußwort

Natürlich ließe sich noch endlos über magische Substanzen referieren. Dies soll lediglich einen kleinen Einblick in das hochkomplexe System altägyptischer Magie gewähren und hoffentlich die eine oder andere Inspiration zur Gestaltung von Ritualen und rituellen Utensilien bieten.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die magische Stoffkunde der Altägypter sehr eng mit der Mythologie verknüpft ist und von dort ihre spezifische Bedeutung erhält.

 Quellen und Literatur
Wirtschaftsgeschichte des Alten Ägypten im dritten und zweiten Jahrtausend, Wolfgang Helck
The Mechanic of Ancient Egyptian Magical Practise, Robert K. Ritner
An Ancient Egyptian Herbal, Lisa Manniche

 

This entry was posted in Deutsch, Kemeticism • Kemetismus, Practice • Praxis and tagged , , , , , , , , , , , . Bookmark the permalink.

1 Response to Der Stoff aus dem die Schöpfung ist

  1. mondfeuer says:

    Toller Beitrag, vielen vielen Dank für die Arbeit die du dir damit gemacht hast.
    Es war mir eine Freude dies lesen zu dürfen.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s