Kemetischer “Starter Guide”

(Original von Devo “Kemetic Starter Guide – The Twistes Rope”)

Eine der häufigsten Fragen, die ich gestellt bekommen ist: “Wie fange ich an?” oder “Wo fange ich an?”. Vielen Leuten scheint zwar der Kemetismus zu gefallen, doch wissen sie nicht wirklich, wie sie von diesem Punkt aus weitergehen sollen. Hier nun ein paar Hinweise und Ideen, die Euch den Einstieg erleichtern sollen. Diese sind natürlich nicht als verbindliche Anleitung gedacht, sie sollen lediglich einen Wegbereiter bilden. Wie immer gilt, wenn Ihr irgendwelche Fragen habt, zögert nicht sie zu stellen!


Erste Schritte

Es gibt ein paar Dinge, die ich für einen Start in den Kemetismus empfehlen möchte. Kurz zusammengefasst, sind dies:

  • Kommuniziert mit den Göttern!
  • Kommuniziert mit anderen Kemeten!
  • Lest, recherchiert, lernt!

Ich werde diese Punkte nun der Reihe nach durchgehen und erläutern warum sie für eine kemetische Praxis so wichtig sind.


Kommunikation mit den Göttern

Ich denke, dass dies eine der besten Möglichkeiten ist, um den kemetischen Weg zu beginnen. Während viele Menschen mit einem Gott oder Gottheiten im Hinterkopf zum Kemetismus kommen, glaube ich nicht, dass es so wichtig ist, dass Ihr anfangs gleich bestimmte Gottheiten habt. Mein Gefühl ist vielmehr, dass die Verbindungen mit den Göttern vor allem dadurch zu Stande kommt, dass man “erntet, was man gesät hat”. Wenn Ihr also mehr über die Götter wissen wollt, dann wendet Euch ihnen einfach zu. Setzt Euch zu ihnen, bietet ihnen Opferungen an, zündet Ihnen zu Ehren eine Kerze an, tut irgendetwas in ihrem Namen. Und es muss auch kein bestimmter Gott sein. Schon der Versuch eine Verbindung herzustellen zählt. Auch Euer Altar oder Schrein muss keineswegs schick und kompliziert sein. Als ich anfing, war mein Schrein sehr einfach. Ich war damals in einer Übergangsphase und zudem arbeitslos, so nahm ich ein paar Kisten, legte sie mit einem Kissen aus und stellte alle meine Götterstatuen darauf. Ich sagte mir: Es muss nicht schick aussehen, es ist die Geste die zählt.

Ägyptische Statue aus Kunststein, wie man sie heute vielerorts beziehen kann

Für den Anfang empfehle ich fast jedem Menschen einen ruhigen Ort zu finden. Das kann drinnen oder draußen sein, bei Tag oder bei Nacht. Spielt keine Rolle. Überall dort, wo man mit sich selbst für eine Weile in Ruhe sein kann. Sobald ihr diesen Ort gefunden habt, stellt Euch den Göttern vor. Lasst sie wissen, dass Ihr an ihnen interessiert seid. Erzählt ihnen etwas über Euch, was Euch hierher gebracht hat, wie Ihr gedenkt eine Verbindung zu ihnen aufzubauen usw. Sprecht einfach mit Ihnen. Wenn Ihr die Möglichkeit habt, macht ein paar Opferungen, entzündet Räucherstäbchen, usw. Und dann wiederholt Ihr das an einem anderen Tag. Und dann wieder und wieder …

diverse Statuen

diverse Statuen

Indem Ihr immer wieder nach ihnen ruft, werdet ihr immer öfter feststellen, dass die “Fingerabdrücke” der Götter stärker spürbar werden. Ihr werdet bemerken, wie sie immer mehr Teil Eures Lebens werden und Ihr werdet immer besser in der Lage sein eine sichere Verbindung zu ihnen aufzubauen. Ich persönlich habe das Gefühl, dass mich die tägliche Hinwendung zu den Göttern zur Ruhe kommen lässt und erdet. Ich fühle mich dann einfach “ganzer”. Ich bin der Ansicht, dass tägliche (oder fast tägliche) Rituale in vielerlei Hinsicht von Bedeutung sind und das angehende Kemeten bereits hier feststellen können, ob dieser Weg das richtige für sie ist.


Kommunikation mit anderen Kemeten*

Ihr habt also Eure Verbindung. Ihr arbeitet mit den Göttern, Ihr arbeitet an Eurer Verbindung mit Ihnen und tut was Ihr könnt um sie Teil Eures Lebens werden zu lassen. Was jetzt?

Das nächste, was ich Neu-Kemeten empfehle, ist Teil der kemetischen Community zu werden. Macht Euch auf die Suche nach Menschen, die auf demselben Weg sind. Vielleicht ein Forum. Eine lokale Gruppe (falls vorhanden). Oder auch eine Facebook-Gruppe. Kontakt mit anderen Kemeten ist eine ausgezeichnete Quelle für Informationen (sowohl für fachliche als auch für persönliche) und ermöglicht den Austausch von Erfahrungen und Ideen. Es wird natürlich immer Höhen und Tiefen in Gruppen geben. Bestimmte Konstellationen von Menschen funktionieren vielleicht besser als andere, aber Ihr werdet es nicht herausfinden, wenn Ihr es nicht versucht. Aus diesem Grund empfehle ich auch mehr als nur eine Gruppe oder ein Forum auszuprobieren. Die kemetische Welt ist ziemlich klein, aber es gibt verschiedene Menschen in verschiedenen Plattformen, die es ermöglichen, sich zu verschiedenen Themen, Blickwinkel und Ideen auf den neuesten Stand zu bringen. Wenn Ihr Euch nur in einer Ecke des kemetischen Community aufhaltet, verpasst Ihr eine Menge!

Kemet FB Kopie

Ich habe die interreligiöse Arbeit als äußerst erfüllend und erhellend erlebt. Ich habe viele interessante Leute gefunden, die meinen Geist für neue Ideen und Konzepte geöffnet habe, die ich im Alleingang wohl nie gefunden hätte. […]


Lesen, recherchieren und lernen

Wissen ist in dieser Form der religiösen Praxis wichtig. Leider ist die Zivilisation des alten Ägyptens (und ihre religiösen Praktiken) nicht mehr gegenwärtig. Wir können also nicht einfach mal jemanden frage gehen, wie die das praktizieren, denn es ist ja niemand mehr da. Hier ist Recherche der Schlüssel. Obwohl es auch möglich ist, die kemetische Religion zu praktizieren, wenn man kein Bücherwurm und kein Ägyptologe ist, ist es doch sehr hilfreich, zumindest einen Grundstock an Wissen über die altägyptischen Kultur und ihre Geschichte zu haben. Es macht es einfacher, die Standpunkte und Ideen anderer Kemeten zu verstehen und ist hilfreich um eigene Ideen und Erkenntnisse, die sich dabei entwickeln zu untermauern. Es wird auch dazu beitragen neue Wege des Verstehens der Götter Kemets zu finden.

Normalerweise empfehle ich Anfängern das Buch “Temple of the Cosmos” von Jeremy Naydler. Es bietet einen großen Überblick über die ägyptische Mentalität und erklärt die Grundlagen der Religion recht gut. Obwohl das Buch nicht im Hinblick auf den modernen Kemetismus geschrieben wurde, es ist wirklich ein guter Ausgangspunkt.

Für die Grundlagen der Kultur, empfehle ich gern “Red Land, Black Land” von Barbara Mertz. Der Schreibstil ist einfach zu lesen und das Info-Material ist sehr interessant und auch  leicht zu verstehen. Und sie bietet auch einige Besonderheiten und Zusatzinfos, die man anderenorts nicht so leicht bekommt.

Wenn Ihr ein Buch über Rituale sucht, dass Euch in der Praxis unterstüzt, dann empfehle ich “Eternal Egypt” von Richard Reidy. Dieses Buch ist eine großartige Quelle für diejenigen, die Rituale suchen, wie sie fester Bestandteil der altägyptischen Geschichte waren (im Gegensatz zu den moderne Kreationen). Die Rituale sind eingehend geschrieben und gut erklärt. Alle Informationen belegbar. Es ist eine großartige Ressource, und es ist das Buch meiner Sammlung, das ich wahrscheinlich am meisten benutze. Beachtet beim Lesen dieses Buches, dass es ursprünglich zwei Bücher sind. Für diejenigen, die gerade erst anfangen, könnte es besser sein, ab Teil 2  zu beginnen und diesen zuerst zu lesen. Dann geht zurück an den Anfang des Buches, wo sich die komplizierteren Rituale befinden.

Ein rundum großartiger Autor ist Richard Wilkinson. Alle seine Bücher, die ich gelesen habe, sind voll von nützlichen Informationen. Ich habe derzeit nur eines seiner Bücher, aber ich greife ständig darauf zurück. Die drei besten Bücher, die ich von ihm empfehlen würde wären “The Complete Gods and Goddesses of Ancient Egypt”, “Reading Egyptian Art” und “Symbol & Magic in Egyptian Art”. […]

Wenn Ihr knapp bei Kasse seid oder nicht sicher seid, wo Ihr diese Bücher herbekommt, könnt Ihr es auch in einer Bibliothek oder bei der Fernleihe versuchen.

Sati shrine 3


Nun bin ich soweit gekommen – was jetzt?

Sobald Ihr die Grundschritte umgesetzt habt, ist der nächste Schritt dabei zu bleiben🙂 Neue Wege zu finden, um Euch mit Euren Götter zu verbinden oder sie in Euer Leben zu bringen ist ein erhebende und bereichernde Erfahrung. Kemetismus hat mit dem Leben selbst zu tun und damit das Leben auf eine bestimmte Weise zu leben. Diese Seite des Kemetismus zu erforschen ist sehr wichtig und wenn Ihr einmal Euren Rhythmus gefunden habt, ist es gut sich einmal damit zu beschäftigen. Kemetismus in Euer tägliches Leben zu integrieren hilft die Ma’at zu erhalten und die Götter im Herzen zu behalten wie auch in Eurem Bewusstsein.

Ich würde auch raten, nichts zu überstürzen. Viele Menschen kommen zum Kemetism mit dem Gedanken im Hinterkopf ein Priester oder eine Priesterin zu werden, aber diese Dinge kosten eine Menge Zeit. Allerdings ist Geduld auch Teil des Prozesses. Der Aufbau einer stabilen und ausgewogenen religiösen Praxis/Lebensstiles braucht Zeit, und es kann eine Weile dauern, bis Ihr Euch gänzlich auf darauf eingestellt habt. Es könnte passieren, dass die Götter mit denen Ihr begonnen habt nicht die sind mit denen Ihr am Ende dasteht. Auch rituelle Handlungen und Zeitpläne können sich ändern, genauso wie Prioritäten und Bedürfnisse (Eure, aber auch die der Götter). Während Ihr und Eure Praxis sich entwickeln, vergesst nicht, dass das Leben immer in ständigem Wandel ist – und es ist in Ordnung, wenn das auch mit Eurer religiösen Praxis geschieht. Sogar wenn Eure “Gott-Antenne” plötzlich nicht mehr funktioniert, oder ihr für einige Tage keine Rituale durchführen könnt, ist das okay. Leben ist etwas das “passiert” und die Götter verstehen das. Arbeitet in einem Tempo, das gut für euch ist, und tut Euer Bestes, um es zu halten.

Wie findet Ihr dieses Handbuch? Möchtet Ihr noch etwas anderes darin sehen? Habt Ihr Vorschläge, Feedback, Ideen? Bitte kontaktiert mich und teilt Eure Gedanken mit mir!

Devo – The Twisted Rope
(Bitte auf das Bild klicken
für mehr Infos über Devo)

*Noch einige Anmerkungen
zum Kemetismus in Deutschland:

Hier sieht es natürlich mit den Kontaktmöglichkeiten weitaus schlechter aus als auf internationaler Ebene. Man ist also klar im Vorteil, wenn man Englisch spricht und sich der internationalen Szene anschließt. Einige deutschsprachige Heidenforem bieten meist schlecht besuchte Unterkategorien für den Kemetismus, der zudem selten als “single path” betrieben wird, sondern eher als Ergänzung zur persönlichen Patchwork-Spiritualität, was ja auch völlig in Ordnung ist nur dem Recon-Kemetismus kaum Rechnung trägt. Hinzu kommt noch, dass vieles, was zunächst altägyptisch anmutet, eher in die Esoterik-Sparte oder die UFO-Ecke gehört und mit dem traditionellen Kemetismus wenig bis gar nichts zu tun hat. Wer also etwas dieser Art erwartet, wird definitiv enttäuscht sein.

Ich persönlich hoffe sehr, dass sich das in Zukunft ändern wird und unter anderen deshalb unterhalte ich diesen Blog und bin meinen Mit-Kemeten aus aller Welt sehr dankbar für das Teilen ihrer hochqualitativen Artikel und wertvollen Erfahrungen im Kemetismus. Ich hoffe sehr, dies wird auch kemetisch Interessierten in Deutschland eine Inspiration sein und vielleicht ein Anstoß sich für diesen wunderbaren spirituellen Weg zu entscheiden und mit uns allen diese uralte Tradition weiterzuführen.

Em hotep, Sat-Ma’at

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