Der Stoff aus dem die Schöpfung ist

Eines muss man vorweg sagen, natürlich gibt es im Alten Ägypten kein “Elemente-Konzept”. Die europäische Vier- Elemente-Lehre (“Wasser, Feuer, Erde, Luft”) ist ein Konzept aus der Alchemie, die ihre Wurzeln in der griechischen Antike hat und das Fünf-Elemente-Konzept kommt aus der chinesischen Kultur. Aufgrund der ägyptophilen Elemente in der Ritualmagie hat sich die irrtümliche Annahme etabliert, es gäbe ein solches Elemente-System auch für das Alte Ägypten. Das ist jedoch nicht der Fall.

Dennoch gibt es aber auch in der altägyptischen Kultur, so wie in fast jeder Kultur eine antike Form der Wissenschaftlichkeit, die mit der Religion zwar eng verbunden ist, deren Streben aber dennoch der Forschung dient und zwar die Forschung wie Schöpfung letztlich funktioniert und aus was sie gemacht ist. Dieser Wissenschaftsgeist ist dem Menschen des Altertums ebenso zu eigen, wie dem modernen Menschen und gerade die Alten Ägypter waren in dieser Hinsicht sehr ambitioniert und sahen Wissenschaftlichkeit in keiner Weise als Gegensatz zur Religiosität. Im Gegenteil, man kann sagen sie ist sogar Teil davon.

Auch in der Ägyptischen Ritualistik lassen sich einige bedeutsame Substanzen herausgreifen aus welchen die Schöpfung “gemacht” ist und die als solche auch in der Magie Anwendung finden, wie auch weitere Stoffe, die einen eigene magische Bedeutung haben.

  • Wasser

Wasser ist mit Abstand das wichtigste Element in der altägyptischen Religion. Die gesammt Mythologie dreht sich um den Zyklus des Wassers, dass mit der alljährlichen Nilflut das fruchtbare Naß über die nach der Trockenzeit ausgedörrten Felder in Ägypten brachte. Die Einteilung der Jahreszeiten erfolgte nach den Rhythmen des Wassers in eine Zeit der Flut (Akhet), des Sprießens (Peret) und der Trockenheit (Schemu). Mit der Flut sind viele Gottheiten assoziiert wie z.B. Anuket, Sopdet oder Hapi, wobei Hapi die Flut selbst ist, während die weiblichen Gottheiten wie Anuket oder Sopdet sie vor allem herbeiführen.

Nilflut bei Gizeh, Wikipedia

Selbst der Mythos von Osiris’ Ermordnung durch seinen Bruder Seth wird häufig als Allegorie auf den Zyklus von Wachstum und Dürre interpretiert, den Seth ist der Herr der Wüste und Osiris gilt als Vegetationsgott.

Doch auch in den Tränen der Isis, die ihren zerstückelten und mummifizierten Gatten Osiris beweint und mit ihren Tränen durchtränkt um ihn so seine Glieder wieder zu verbinden, ihm Lebenskrafrt einzuhauchen und so für den gemeinsamen Sohn Horus zeugungsfähig zu machen, spiegelt die lebensspendende Kraft des Wassers wieder.

Atlantischer Ozean, Wikimedia Commons

Dennoch ist Wasser nicht durchweg positiv und wunderbar, es ist auch unergründlich und bedrohlich, das sprichwörtliche Urchaos also, wie es sich Urmeer Nun verkörpert aus dem sich der Urhügel mit Atum erhebt und die Schöpfung intiiert. Schöpfung ist daher mitunter auch ein gewaltsamer Prozess, ähnlich wie eine Geburt, die unter Wehen erfolgt. Die Schöpfung im Sinne der Altägypter entsteht nicht aus einem präexistenten Nichts, sondern aus einem unordentlichen Etwas, verkörpert vom Urmeer, dass zu einem geordneten Etwas wird, der Schöpfung. Und in den Wassern der Unterwelt, der Duat treibt nicht zu letzt auch die dämonische alles vernichtende Schlange Apophis die den Sonnengott zu verschlingen droht.

  • Feuer

Ähnlich ambivalent ist auch das Feuer. Es ist besonders in der ägyptischen Heka-Magie das ultimative Mittel der Zerstörung. Es verzehrt, doch gleichzeitig erhellt es auch und stellt damit einen wirksamen Schutz gegen böse Geister dar, die in der Finsternis lauern. Wohnhäuser, wie Tempel wurden nachts mit Fackeln erleuchtet um sie zu schützen, das entzünden des Feuers war bereits ein ritueller Akt. Zum Lichterfest zu Sais z.B. wurde vor jedes Haus eine Lampe gestellt.

DSC_0217Schlangen wie der Uräusschlange sagt man den “Feueratem” nach, was Feindabwehr symbolisiert und sicher dem Schlangengift zuzuordnen ist, das Schlangen auch weit ausspeien können und ds brennende Wunden auf der Haut hinterlässt. So sieht man sie auch häufig die Sonnenscheibe umschlingend als Kopfschmuck von Gottheiten, die das “Flammenauge”, also das Auge des Re, verkörpern wie z.B. Sachmet. Aber auch Seth wird das Feuer zugeordnet.

Im Jenseits drohen die allesvernichtenden Feuerseen den Verstorbenen für immer zu vernichten, wenn er sich zu Lebzeiten gegen die Ma’at aufgelehnt hat, die Verwandtschaft zur christlichen Hölle ist schwerlich zu übersehen.

“Fire02″ by Fir0002 – Own work. Licensed under GFDL 1.2 via Wikimedia Commons

Feinde wurden verwünscht indem man kleine Wachsfiguren von ihnen fertigte und in einem Feuer verbrannte.

  • Licht

Licht ist recht eindeutig positiv besetzt. Eigentlich lässt sich Licht im altägyptichen Kontext kaum von der Sonne und ihrer Hitze und damit auch dem Feuer trennen, doch hat es dennoch auch eine eigene Bedeutung, die vor allem im Totenkult zu Tage tritt. Wird ein verstorbener dem Totenkult unterzogen und seine Ba-Seele damit “verklärt” wird er zum “Ach”. Ach steht einerseits für die Ahnen an sich, aber bedeutet gleichzeitig auch “Lichtglanz”. Das heisst Ach ist auch gleichermaßen ein Zustand der Ba-Seele mit Wesensheitscharakter. Gemeint ist hier Licht, dass den Ahnengeist der Göttersphäre zugehörig macht, er wird tatsächlich also zum Gott unter Göttern.

„Aten“ von User:AtonX – Image:Aten.JPG. Lizenziert unter CC BY 2.5 über Wikimedia Commons

Weiters gibt es auch Gottheiten, deren Persönlichkeiten eher dem Licht als dem Solaren zugeordnet sind. So steht Aton etwa für die Sonnenscheibe selbst und wird mit mit einer von Strahlen umgebenden Sonnenscheibe dargestellt, die den Lichtaspekt hervorheben. Doch auch der Luftgott Schu steht für das Licht, denn für den Ägypter gab es einen Raum der Erde und Firmament voneinander trennte, welcher mit Licht und Luft gefüllt war. Luft ist daher nicht identisch mit dem Himmel, denn man muss in der ägyptischen Mythologie natürlich ein geozentrisches Weltbild voranstellen. Der Himmel war das, was sich irgendwo in der Höhe über die Erde spannte.

Und nicht zuletzt war Licht natürlich auch die Abwesenheit von Finsternis, welche per se bedrohlich war und von bösartigen Geistern bewohnt sein konnte. Aus diesem Grund hoffte man, dass Re allabendlich seine Unterweltsreise antreten würde um die Welt der Toten, die Duat, zu erhellen.

  • Leere

Wie schon erwähnt, handelt es sich bei der ägyptischen Vorstellung des Kosmos um ein geozentrisches Weltbild, dass schöpfungsmythologisch aus dem festen Boden des Urhügels besteht, dass sich aus den Urwassern erhebt und vom Himmel überspannt ist. Tatsächlich droht der Himmel permanent auf die Erde zu fallen, was dem Ende der Schöpfung gleichkommt, so muss der Himmel ständig nach oben gehalten werde. Mythologisch stellt sich dies in Form des Erdgottes Geb dar über den gebeugt die Himmelsgöttin Nut schwebt, gehalten vom Luftgott Schuh. Schuh ist also nicht nur Luft, er ist der Raum selbst, der mit Licht und Luft gefüllt ist.

Der Luftgott Schu (“Leere”) hält die Himmelsgöttin Nut über dem Erdgott Geb. Zwei Widdergottheiten helfen ihm dabei.

  • Luft

Doch auch dem Atem, also der geatmeten Luft kommt eine hohe Bedeutung zu, denn die Lebenskraft Ka wird “an die Nase” gegeben, ist also der sprichwörtliche Lebenshauch, der von den Göttern verliehen wird, sehr häufig mit einem Ankh dargestellt, dass dem Empfänger dieser Lebenskraft an Mund und Nase gehalten wir.

Die Luft als Sturm ist dem Gott Seth zugeordnet und stellt die Luft in ihrer brutalen Kraft dar.

  • Metalle

Die Alten Ägypter kannten verschiedene Metalle, die zu unterschiedliche Zwecken eingesetzt wurden.

Ägyptischer Wesech-Kragen aus Gold und Edelsteinen, 19. Dynastie, Bubastis, Foto: ddenisen (D. Denisenkov), Wikimedia Commons

 

– GOLD

Kaum ein Metall wird so sehr mit dem Alten Ägypten assoziiert wie Gold. Bereits 5000 v. Chr. lassen sich die ersten Goldfunde nachweisen. Schmuck, Statuen, Amulette, Götterbilder, Ritualgegenstände und vieles mehr war oft aus purem Gold gemacht. Man ging geradezu verschwenderisch damit um, denn der magisch-religiöse Wert des Goldes stand im Vordergrund. Ägypten bezog das Gold aus Nubien (“Nub”=Gold, Goldland), dem heutigen Sudan. Das “Goldland” Punt auch “Ta netjer” also Land der Götter genannt, das heute nicht mehr eindeutig lokalisiert werden kann, befand sich vermutlich südöstlich von Nubien. Auch von dort bezogen die Ägypter Gold, wie auch Ebenholz und Weihrauch. Gold ist von solarer Qualität und aufgrund seiner Beständigkeit mit Dauerrhaftigkeit und Ewigkeit assoziiert.

– SILBER

Silber, “hedj” genannt, ist von lunarer Qualität wobei man hier berücksichtigen muss, dass der Mond keinen Gegenspieler zur Sonne bildet, sondern eher das kleinere Äquivalent zu ihr. Der Mond ist die Sonne der Nacht und als solcher immer noch von, wenn auch milderer solarer Qualität. Erstaunlicherweise war Silber den Ägyptern viel wertvoller als das Gold. Es wurde ungefähr 3 mal so viel Gold wie Silber verwendet, Silber war weitaus seltener und wurde meist von Westasien importiert.

– EISEN

Eisen wurde mit Seth assoziiert und zwar im Besonderen mit seinem Kampf gegen die allesverschlingende Schlange Apophis. Sein Speer, den er gegen Apophis einsetzte um den Sonnengott vor der Vernichtug zu schützen, ist aus Eisen, Auch die Knochen des Seth bestehen aus Eisen. Damit kommt Eisen die Eigenschaft besonderes hoher Widerstandsfähigkeit zu, die im Kampf gegen Isfet, das antagonistische Prinzip zur kosmischen Ordnung Ma’at eingesetzt werden kann. In Form von Messern, Nägeln oder Nadeln fand Eisen als kultisches Werkzeug Verwendung. Bilder oder Figuren von Apophis wurden mehrmals mit diesen Werkzeugen “erstochen”. In der Spätzeit, als Seth selbst dämonisiert und sogar mit Apophis gleichgesetzt wurde, machte man paradoxerweise das gleiche mit Bildnissen von ihm. Die Erze waren dem Totengott Sokar zugeordnet.

– KUPFER

Kupfer oder Kupferlegierungen (Bronze) war ein vielverwendetes Metall in Ägypten. Haushaltsgegenstände, Schmuck, Figuren, Werkzeuge und Waffen wurden aus Kupfer und dessen Legierungen hergestellt. Bereits aus der Prä- und Frühdynastik lassen sich entsprechende Funde nachweisen. Aus Sand, Kalk, Soda und Kupferoxyd stellt man die typisch blauen Glasur für die altägyptischen Fayencen her. In der magischen Bedeutung ist Kupfer und Bronze dem Eisen recht ähnlich. Es war vor allem ein Metall für magische Waffen aufgrund seiner Beständigkeit und Widerstandsfähigkeit.

  • Sand

Obwohl man Sand mit Trockenheit und Leblosigkeit assoziieren müsste, steht er in Ägypten für das Auftauchen des Urhügels aus den Urwassern. Damit ist Sand ein initiales Element für Schöpfungsprozesse. Statuen und Tempeleinrichtungen wurden auf Sand gestellt und Sand wurde auch bei Prozessionen verstreut, wurde im privaten wie im offiziellen Kult geopfert und war häufig Baumaterial von Kultfiguren und Ritualgegenständen insbesondere für Sockel. Damit hat Sand vor allem die Bedeutung eines Fundments für schöpferische Prozesse. Jedoch ist Sand auch mit der Wüste assoziiert und damit auch mit Göttern wie Seth und auch Sokar. Sand lässt die Feinde erblinden. Dies ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass der allgegenwärtige Sand für häufige Augenentzündungen bei den Ägyptern sorgte. Als Schutz dagegen verwendete man den schwarzen Kajal, der aus Fetten hergestellt wurde und das Auge schützen sollten.

  • Steine

Verschiedene Steine wurden in Ägypten zur Herstellung von Amuletten, Schmuckstücken und zur Verzierung von heiligen Gegenständen eingesetzt. Die Steine waren wertvoll und man schrieb ihnen durchaus magische Wirkung zu, jedoch war diese weitgehend unspezifisch. Meist ergab sich die Wirkung aus dem Amulett in dem es eingesetzt wurde. Zu Pulver zerrieben wurde es als Augenschminke verwendet, was zum Teil äußerst gesundheitschädlich war.

– LAPISLAZULI

Lapislazuli war der wertvollste Stein, den die Ägypter besaßen. In Liebesgedichten wurden Körperpartien mit Lapislazuli gleichgesetzt um der Angebeteten zu schmeicheln, in einem Mythos heisst es die Knochen des Re seien aus Silber, sein Fleisch aus Gold und seine Haare aus Lapislazuli. Lapislazuli findet sich häufig in Königsschmuck und -insignien, vor allem auch in der Grabbeigabe. Da Lapislazuli so teuer war wurde es durch die berühmte blaue altägyptische Fayence imitiert. Er galt als heilig und wurde zu medizinischen Zwecken eingesetzt. Häufig zierte er Horusaugen-Amulette, die zum Schutz und zur Heilung dienten.

Lapislazuli, Foto: Ra’ike, Wikimedia Commons

– TÜRKIS

Ähnlich begehrt wie der Lapislazuli war auch der Türkis, der als Stein der Hathor galt, der Göttin, des Tanzes, des Festes, der Ekstase und der Sexualität. Der Abbau ist bereits aus prädynastischer Zeit belegt. Auch dieser findet sich häufig an königlichem Schmuck. Skarabäen wurde häufig aus Türkisen geschnitzt.

Nilpferd aus blauer Fayence, Mittleres Reich 2033-1710 v. Chr. Foto: SiefkinDR, Wikimedia Commons

 

– JASPIS, KARNEOL

Steine wie der rote Jaspis oder der Karneol waren ebenfalls sehr beliebt in Ägypten. Es wurde bevorzugt für das sog. Tit Amulett verwendet, auch “Isisknoten” oder “Isisblut” genannt, dass aber in enger Verbindung mit Isis wie auch Hathor steht. Es sieht aus wie ein Ankh mit nach unten geklappten “Armen”. Knoten- und Bindemagie war eine häufige Methode in Ägypten. Das Tit-Amulett, fand vor allem als Schutz für Schwangere und Gebärende Anwendung, schmückte Sarkophage um die Zauberkraft der Isis zu verleihen und damit die Fähigkeit zur Wiederbelebung.

Tit Amulett, roter Jaspis

– MALACHIT

Aus Malachit wurden Skarabäen gefertigt und zermörsert dient er als farbintensiver Lidschatten, der außerdem das Auge schützen und natürlich die Attraktivität steigern sollte.

  • Exkremente

Exkremente eignen sich als Bestandteil von Verwünschungsmagie, denn alles was mit dem Tod assoziiert wurde, war ideal um jemandem auf magischen Wege Schaden zuzufügen. Man nahm in den schlimmsten Visionen vom Jenseits an, dass die nicht-gerechtfertigten Toten auf dem Kopf stehend durch das Totenreich wandeln und Kot essen mussten. Damit stellen Exkremente die Umkehr vom Lebensprinzip schlechthin dar.

Viele Räucherstäbchen stammen heute aus Indien und enthalten Kuhdung, der  in Indien heilig ist, aber für den altägyptischen Ritus unter Umständen als kultisch unrein anzusehen ist. Betreibt man explizit Schadensmagie, kann man jedoch durchaus zu getrocknetem Kuhmist greifen.

Allerdings fand Dung auch im Alten Ägypten ungewöhnliche Anwendung, z.B. Krokodildung vermischt mit Honig als Verhütungsmittel. Dabei wurde es tatsächlich in die Vagina eingeführt um eine ungewollte Schwangerschaft zu vermeiden. Und nicht zuletzt galt der Mistkäfer der aus Dung seine Kugeln formte als Sonnen- und damit Lebenssymbol schlechthin, man wusste also durchaus um die wachstumsfördernden Eigenschaften von Mist. Im Rollen der Mistkugeln durch den Skarabäus sah man ein Gleichnis der über den Himmel ziehenden Sonnenscheibe.

Skarabäus mit Sonnenscheibe aus dem Grab des Tutenchamun, Foto: Jon Bodsworth, Wikipedia

  • Natron

DSC_0037Das Reinigungsmittel schlechthin war Natron und zwar gleichzeitig zu weltlichen wie auch zu magischen Zwecken. Es wurde gekaut, in Wasser aufgelöst und zu Waschungen benutzt und nicht zuletzt wurde es bei der Mummifizierung verwendet um die Mumien “von allem Weltlichen zu reinigen” und sie zu dehydrieren um sie anschließend mit Ölen und Harzen zu tränken und für die Ewigkeit haltbar zu machen. Priester vollzogen z.B. mehrmals am Tag und mehrmals nachts Waschungen mit Natronlösung, Mischungen mit Natron, Zitrone und Ölen wurde als Deodorant benutzt.

DSC_0040Gewonnen wurde Natron aus den ägyptischen Natronseen aus der Sketischen Wüste Wadi-an-Natrun auch Sechet-hemat (“Salzfeld”) genannt, die ca. 100 km südöstlich von Alexandria und südwestlich des Nildeltas liegt.

Reines Natron ist natürlich stark ätzend und nicht zu verwenden, jedoch hat sich im modernen Kemetismus die Anwendung eines Küchennatron-Salz-Gemisches etabliert, dass dem echten Natron von der chemischen Zusammensetzung am Nächsten kommt. Es wird mit Wasser aufgekocht und anschließend so lange getrocknet, bis es auskristallisiert. Man kann es als wässrige Lösung für die Körperpflege verwenden, um Amulette, Ritualgegenstände, Schreine oder Statuen zu reinigen oder in die Luft gesprüht sogar zur Raumreinigung benutzen.

Natronsee in Tansania, Lengai from Natron“ von Clem23 – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons

 

  • Kräuter, Pflanzen und Früchte

Die Alten Ägypter besaßen eine umfangreiche Pflanzenmedizin, die hier in wenigen Sätzen zu erfassen schier unmöglich ist. Viele Kräuter, Pflanzen und Früchte gibt es heute noch, wie Myrrhe, Koriander, Zimt, Kardamom, Galgant, Zitrone, Fenchel, Kümmel, Zwiebeln, Feigen, Datteln, Granatapfel, Papyrus, Lattich, Lotus uvm. Bei einigen Pflanzen lässt sich aber nicht mehr rekonstruieren um welches Gewächs es sich handelt. Berauschende Pflanzen fanden ebenso Anwendung wie zahlreiche Küchengewürze zusammen mit Ölen und Harzen. Sie wurden verräuchert, gegessen, in Öl eingelegt zur Einreibung verwendet, als Schutzamulett getragen usw. Die Ägypter waren eine Agrarkultur, so dass viele der genutzten Gewächse im großen Stil angebaut wurden. Manche Pflanzen wurden auch bestimmten Gottheiten zugeordnet sowie der Lattich, der mit Seth und Min assoziiert wurde. Der Papyrus war die Pflanze Unterägyptens und der Lotos eines der Symbole für Oberägypten. Insbesondere der Lotos galt neben dem Skarabäus auch als Symbol der Wiederauferstehenung, was auf die Eigenschaft der Blüten zurückzuführen ist beim Sonnenaufgang die Kelche zu öffnen.

„Nymphaea lotus (1)“ von Ben Yanis from Wilmington, DE, USA – [1]Uploaded by Epibase. Lizenziert unter CC BY 2.0 über Wikimedia Commons

  • Schlußwort

Natürlich ließe sich noch endlos über magische Substanzen referieren. Dies soll lediglich einen kleinen Einblick in das hochkomplexe System altägyptischer Magie gewähren und hoffentlich die eine oder andere Inspiration zur Gestaltung von Ritualen und rituellen Utensilien bieten.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die magische Stoffkunde der Altägypter sehr eng mit der Mythologie verknüpft ist und von dort ihre spezifische Bedeutung erhält.

 Quellen und Literatur
Wirtschaftsgeschichte des Alten Ägypten im dritten und zweiten Jahrtausend, Wolfgang Helck
The Mechanic of Ancient Egyptian Magical Practise, Robert K. Ritner
An Ancient Egyptian Herbal, Lisa Manniche

 

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Hathor – eine unterschätzte Göttin

 

Wenn man sich umhört, was Leute mit “Hathor” assoziieren und ein bisschen im Internet surft, dann erhält man das Bild einer zügellosen, frivolen, verführerischen Liebesgöttin, den Inbegriff von “Wein, Weib und Gesang” und – versiebenfacht als “Hathoren” – sogar noch einer außerirdischen Channelbotschafterin. Hathor, so scheint es, stand Pate für das verbreitete Klischee der ägyptischen Priesterin, nämlich einer in durchsichtige Schleier gehüllten, großbusigen, sich anmutig im Tanz wiegenden ewig jungen Dame, die der erotischen Ausgelassenheit nicht abgeneigt ist. Die späte griechische Gleichsetzung der Hathor mit Aphrodite zeigt hier deutliche Spuren.

Büste von Hathor – Luxor-Museum, Luxor, Ägypten – Fotografie von Agon S. Buchholz, Wikimedia Commons

 

Dass aber Hathors “Geburt” einem Mythos entspringt, der davon handelt die gesamte Menschheit im Blutrausch auszurotten, scheint hier völlig verdrängt zu werden. Man erhält den Eindruck, dass die Menschen bei ihrer Betrachtung in eine Art berauschten Tunnelblick verfallen und Hathors dunkle gefährliche Seiten einfach ausblenden. Das könnte typischer nicht sein für Hathor, denn die Göttin des Rausches ist sie definitiv.

Hathor, eine der ältesten Göttinnen des ägyptischen Pantheons, die schon seit dem Alten Reich belegt ist, gehört wie auch Sekhmet, Tefnut oder Wadjet zu den “Auge des Re”-Göttinnen, die in erster Linie göttliche Vollstreckerinnen des Sonnegottes darstellen und als solche alles andere als zimperlich zu Werke gehen. Sie sind starke Schützerinnen der Schöpfung, das aktive kämpferische Prinzip wird typischerweise an der Seite von Re weiblichen Gottheiten zugeschrieben.

Hauptkultort von Hathor war seit dem Alten Reich, das etwa 50 km nördlich von Luxor am linken Ufer des Nil gelegene Dendera, das heute noch der Standort des berühmten Hathor Tempels ist. Der Hathor-Tempel, dessen Grundstein in der 6. Dynastie gelegt wurde, ist vor allem berühmt für seine atemberaubend reichhaltigen Reliefs, die äußerst gut erhalten sind. Es ranken sich auch einige abstruse Alien-Theorien um diesen Tempel, wie etwa die Theorie der “Glühbirne von Denderra”, welche den Ägyptern unterstellt, elektrisches Licht gekannt zu haben, das von Außerirdischen vermittelt wurde. Auch dem berühmten Deckenrelief von Denderra wird irrtümlicherweise angedichtet es handele sich dabei um einen uralten ägyptischen Tierkreis mit astrologischer Bedeutung, dabei stammt das Deckenrelief gerade mal aus dem Jahre 51 v.Chr. und hat mit der Kultur der Alten Ägypten nicht mehr viel zu tun. Die heutige Gestalt des Tempels stammt in erster Linie von den Römern und den Ptolemäern. Die Ägypter selbst waren in erster Linie an der Bewegung der Gestirne und Himmelskörper und damit an Astro-nomie interessiert.

Hathor Tempel in Denderra, Wikimedia Commons

Hathor-Säule im Dendera-Tempel. Foto: Karen Green, Wikimedia Commons

Der wohl wichtigste Mythos von Hathor erzählt von einer Zeit als die Götter auf Erden lebten, zusammen mit den Menschen. Die Menschen aber, die mit der Fürsorge für die Götter beauftragt waren, lehnten sich gegen sie auf, besonders gegen Re, verweigerten ihm Opfergaben und planten sogar ihn zu töten. Re, verzweifelt über diesen Sinneswandel, beruft einen Götterrat ein und kommt zu dem Schluß, dass es besser ist die Menschheit auszurotten. Für diese Aufgabe wählt er die aggressive, löwengestaltige Sekhmet, “die Herren des Zitterns”, die Göttin über Seuchen und Epidemien, “die Mächtige”. Sekhmet begibt sich auf ihre blutige Mission und gerät dabei in einen Blutrausch. Re, wird plötzlich von Reue ergriffen, doch Sekhmet ist nicht mehr aufzuhalten. Er bittet Thot um Hilfe und gemeinsam ersinnen sie eine List. Sie färben Bier mit rotem Ocker und schütten es auf die Erde. Sekhmet merkt in ihrem Blutrausch nicht, dass es sich um Bier handelt und trinkt gierig, bis sie betrunken einschläft. Als sie wieder erwacht verwandelt sie sich in die sanftmütige Hathor.

Löwin nach der Jagd, Wikimedia Commons

Der Mythos sagt viel über das altägyptische Frauenbild aus. Frauen werden – entgegen aller heutigen political correctness – als janusgesichtig, gefährlich und unberechenbar und doch verführerisch, erotisch und schlau gesehen. Schon der weise Ptahhotep riet den Männern:

“Wenn Du wohlhabend bist, einen Hausstand gegründet hast und Deine Frau recht liebst, dann fülle ihren Leib und kleide ihren Rücken – Salböl ist das Heilmittel für ihre Glieder. Erfreue ihr Herz, solange Du lebst, (denn) ein fruchtbarer Acker ist sie für ihren Mann. Streite nicht mit ihr vor Gericht und halte sie fern davon, Macht zu haben. Ihr Auge ist ihr Sturmwind, wenn sie blickt, so ist sie beständig in deinem Hauststand.”

Frauen, wie weibliche Gottheiten bedurften der Besänftigung und genau darauf zielt auch der Kult um Hathor ab. Beim Hathor-Fest, dem sog. “Fest der Trunkenheit” wurde rituell in großen Mengen Alkohol getrunken. Bier, Liköre, Wein und Schnaps waren dabei das bevorzugte Kultgetränk. Der heilige Rausch war Hathor geweiht und es galt als verwerflich nicht daran teilzunehmen. War auch das Fest ausgelassen, fröhlich und frivol, so wusste man doch dass der Anlass ein ernster war, nämlich dass der Mensch gerade mal so der völligen Vernichtung entgangen war. Es wurde getanzt, gesungen und musiziert. Tanz und Musik galten als “Herzensnahrung” für Hathor. Während im Alten Reich der strenge minimalistische Schreittanz vorherrschte, ging man im Mittleren Reich allmählich zum akrobatisch-ekstatischen Einzeltanz über, der fast ausschließlich von jungen spärlich oder gar nicht bekleideten Frauen ausgeführt wurde. Hathor wird also weder bezwungen noch beherrscht, sondern besänftigt, man schmeichelt ihr, erfreut sie und verlockt sie, was nicht zwangsläufig bedeutet, dass Hathor so ist. Im Gegenteil, man weiß um ihre dunkle Seite und sucht diese mit allen Mitteln zu verhindern. Vielleicht ein wenig wie ein Kind, dass der Mutter schmeichelt, wenn es etwas angestellt hat und die Strafe fürchtet.

Hathor reicht Nefertari das Ankh (=Leben), Wiki9media Commons

Denn tatsächlich wird Hathor selbst sehr viel mehr mit mütterlichen Aspekten in Verbindung gebracht. Ihr Name Hat-Hor bedeutet “Haus des Horus”, was ihre mütterliche und schützende Beziehung zu Horus ausdrückt. In einigen Mythen taucht nämlich nicht Isis sondern Hathor als Mutter des Horus auf, was sicherlich einer der Gründe für die spätere Verschmelzung von Isis und Hathor ist. Im Neuen Reich ist Hathor von Isis praktisch nicht mehr zu unterscheiden. Auch die Kuhgestalt von Hathor bzw. ihre Attribute wie Kuhhörner incl. Sonnenscheibe weisen auf die mütterlichen, nährenden Aspekte der Göttin hin, die bis in das Jenseits reichen um dort als Baumgöttin die Toten zu ernähren. Hathor ist nämlich auch Totengöttin und mit der Fürsorge für die Verstorbenen betraut. Sogar als Mutter des Re taucht sie in Sargtexten auf, obwohl sie als “Auge des Re” Gottheit zu den Töchtern des Re gehört. Als “Heilige Kuh” ist sie auch Himmelsgöttin und damit “Trägerin” der Sonne. Die enge Verwandtschaft mit der Himmelsgöttin Nut ist hier schwerlich zu übersehen.

Hathor, Herrin des Westens, Wikimedia Commons

Die Verwandtschaftsverhältnisse unter den Göttern sind nicht ausschließlich als Abstammungslinien zu verstehen, sondern beschreiben vor allem Art und Inhalt der Verbindung zwischen Gottheiten. Hathor hat gegenüber Re auch eine nährende, stärkende Funktion, welche beim Göttergericht anlässlich des Seth-Horus-Konfliktes nochmal deutlicher zum Ausdruck kommt. Re, dessen Kraft und Kompetenz beim Göttergericht in Frage gestellt wird, nachdem er Seth gegen alle anderen Götter in Schutz nimmt, zieht sich vom Gremium ermüdet zurück. Hathor holt darauf seine Lebensgeister zurück indem sie ihm ihre Scham zeigt. Auf diese Weise weckt sie sexuelle Lust in ihm und damit jene schöpferischen Kräfte, die ihm abhanden gekommen waren. Darin zeigt sich auch die ägyptische Haltung zur Sexualität. Sie dient keineswegs nur der Lust und der Zerstreuung, sondern ist reine Schöpfungskraft und damit belebend und verjüngend.

Die Sieben Hathoren, müssen von der eigentlichen Hathor unterschieden werden. Vielmehr handelt es sich dabei um untergeordnete weibliche Gottheiten, die für Hathor musizieren und singen um sie zu verehren. Sie haben damit eher die Aufgabe von nicht-menschlichen Priesterinnen. Sie tragen durchaus gewisse Charakterzüge der Hathor nämlich u.a. die sexuelle Verführungskraft was als wichtiger Faktor für die Integrität des Körpers über den Tod hinaus verstanden wurde. Damit kommen der Sexualität der sieben Hathoren durchaus auch heilerische Aspekt zu. Die Sieben Hathoren werden auch mit sieben Hauptkultorten der Hathor assoziiert.

Statue der Hathor. Luxor Museum, Wikimedia Commons

Wer in Hathor eine reine Liebes- und Festgöttin sieht, verkennt ihre Macht in hohem Maße und möglicherweise auch die Macht die Sexualität, Rausch und Ekstase an sich haben. Moderne romantisch-verklärende Liebesideale und die (Sehn)Sucht nach Zerstreuung auf eine mehr als 5000 Jahre alte wichtige Göttin zu projizieren muss zwangsläufig scheitern.

Doch wer sich auf Hathor so wie sie ist einlässt, erhält eine Chance, die ihr eigene Ursprünglichkeit und Unverfälschtheit kennenzulernen. Hathor ist von allen Göttinnen sicherlich die stärkste Verkörperung des altägyptischen Weiblichkeitsbegriffes und damit einer wichtigen schöpferischen Urkraft.

 

 

 

 

 

 

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Literatur und weiterführende Links:

Emma-Brunner-Traut, Altägyptische Märchen
Hans Bonnet, Lexikon der Ägyptischen Religionsgeschichte
Jan Assmann, Tod und Jenseits im Alten Ägypten
http://henadology.wordpress.com

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Buch-Tipp: “Shamanic Wisdom in the Pyramid Texts: The Mystical Tradition of Ancient Egypt”

naydlerDr. Naydler zeigt eindrucksvoll, dass die momentane akademische Sichtweise auf die altägyptische Kultur in einigen wichtigen Bereichen überholt ist und dass es klare und überzeugende Beweise in den Pyramidentexten dafür gibt, dass der Totenkult auch initiatorische mystische Riten darstellt, denen sich der Pharao stellvertretend für das ägyptische Volk zu unterziehen hatte. “The king was brought to the threshold of death in order to travel into the spirit world.” sagt Naydler, so stellt das Amt des Pharaos die institutationalisierte Position des Schamanen aus der nomadischen Prädynastik dar. Damit argumentiert Naydler auch schlüssig gegen das in akademischen Kreisen geltende Paradigma des “kulturellen Fortschritts”, welches die Abwendung von mystischer Tradition als kulturelle Evolution versteht.

Naydler beschreibt anhand von Pyramidentexten und Darstellungen, wie der Pharao sich unter der Aufsicht einer Priesterschaft einem ausführlichen Verjüngungs- und Wiedergeburtsritus unterzog (das sog. “Sed-Fest”), welches auch die Fusion von Diesseits und Jenseitskompetenz in der Person des Pharaos beinhaltet.

Weiters zeigt er, dass in der Sprache der PT typisch schamanische Motive wie Zerstücklung, Wiedergeburt, veränderte Bewusstseinszustände und tierische Gestaltwandlungen zu finden sind.

Das Buch wurde ursprünglich als Dissertation geschrieben und enthält daher sehr viele Quellenauswertungen und -interpretationen, wie auch zahlreiche Illustrationen, die aber dem Lesespaß keinerlei Abbruch tun. Trotzdem ist es kein Buch das man schnell liest, die Informationsdichte ist sehr hoch. Der Titel ist ein bisschen unglücklich gewählt und gibt kaum die hohe akademische Qualität dieses Werks wieder.

Jeremy Naydler PhD, ist ein Philosoph der sich auf die Religion des Altertums spezialisiert hat. Er lebt in Oxford, England. Ursprünglich war er Gärtner und hat in Theologie und Religionswissenschaften promoviert. Außerdem war er in der Erwachsenenbilsdung tätig und hat an den Universitäten Oxford, Reading und Southampton zur Geschichte der Philosohie und des Alten Ägyptens doziert.

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Kemetic rituals – Impressions

Deutsche Version

How does a kemetic ritual work? We have documented one of our ceremonies to give you a little insight into our temple activities. Of course we  do not have an actual brick built temple (so far) but we never hesitated to turn our own homes into a temple room and welcome the gods. So far they have followed every inviatione and showed up to support us with what we do.


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Purification

Purifaction is an important part of kemetic rituals. It has practical reasons, but not only, it also marks the moment of entering a sphere of divinity and holyness. A partly or whole body bath with a mixture of natron or salt and water works perfectly and has been in use in Ancient Egypt, too. Also incense is common. For example Kyphi is a traditional incense  mixture for cleanthening.

Opening of the shrine

Opening the shrine is a ritual act in itself. The ancient Egyptian name for shrine “reput” is the term for a palanquin and names a portable shrine that has been used to protect the deity statues during processions.

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A short moment of devotion…

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… to welcome the gods.

To consecrate small statues or amulets the traditional mouth opening ceremony is a good pattern for a possibly ritual choreography. The statue is hereby being awoken into life to serve its magical purpose. The statues will be given to friends afterwards or to the people who have ordered such an object.

. DSC_0306 cut DSC_0351 cut DSC_0347By touching the lips of the statue with the little finger life force is being applied. This was one of the main tasks of the sem priest, the ancient Egyptian funerary priest, who traditionally wore the leopard cloak for this ritual. Later in the Middle Kingdom and New Kingdom this gesture was done with the typical mouth opening tools. The gesture is assumed to be inspired by the action delivery nurses performed to clean the mouth of the new born babies in order to make them breath. So this act may be considered a ritual birth.

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mouth openeing ceremony

Shamanic techniques can of course also be used to establish a close and intense contact to deities and spirits. Ritual clothing as well as ritual items are an inherent part of these actions.

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shamanic drum session

Ritual items and tools need the same consecrating ceremony to be dedicated to their magical function.

DSC_0358 DSC_0360Sometimes we receive petitions to certain deities, which are being placed at them during the ceremony. Some Kemetic practitioners have a very good connection to one certain deity and occasionally offer to serve as a mediator for fellow kemetics in the community. Others who are well experienced in heka practice also offer their magical skills to help other kemetics if necessary. Very often the petitions contain requests about health problems, wishes for support or other life hurdles which require divine help.

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petition and offering

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hieroglyphes are effective helpers in heka magic


Rituals can be exhausting. After closing the ceremony it is time for relaxation and recovery, to eat and drink and occasionally further non-formal offerings to the gods. Personal ritual impressions and experiences are being shared, reflected and discussed and sometimes even a new ritual is being planned since it is impossible to cover up everything in one ceremony and new inspirations have been gained.

We hope you enjoyed this little insight into our cultic practice!

Em Hotep! :)

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Kemetische Rituale – Impressionen

English Version

Wie läuft so ein kemetisches Ritual eigentlich ab? Wir haben eine unserer Zeremonien hier fotographisch dokumentiert um einen kleinen Einblick in unseren Tempelbetrieb zu gewähren. Natürlich haben wir (noch) keinen richtigen Tempel, also ein eigens zu diesem Zweck vorgesehenes Gebäude, jedoch haben wir den Aufwand noch nie gescheut unsere Wohnräume mit einigen Handgriffen zu einem Ort der Feierlichkeiten umzugestalten und die Götter willkommen zu heißen. Bis jetzt haben sie noch keine Einladung ausgeschlagen und sind gern erschienen um uns bei unserem Tun zu unterstützen.


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Reinigung

Reinigung ist ein fester Bestandteil kemetischer Rituale. Der Reinigunsvorgang hat nicht nur praktische Gründe, sondern markiert auch die Vorbereitung für den Übertritt in eine Sphäre des Heiligen. DSC_0040Dazu eignet sich eine Teil- oder Ganzkörperwaschung mit Wasser dem man Salz oder Natron zugesetzt hat, was im Alten Ägypten ähnlich gehandhabt wurde. Auch die Verwendung von Räucherwerk ist üblich. Eine typisch ägyptische Räuchermischung, die reinigend wirkt, ist z.B. Kyphi.

Öffnung des Schreins

Die Öffnung des Schreins ist bereits für sich ein ritueller Akt und feierlicher Moment. Die altägyptische Bezeichung für Schrein “Reput” heisst übersetzt “Sänfte” und bezeichnet einen tragbaren Schrein. Er dient als Schutz für die Götterbilder und -statuen.

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Ein kurzer Moment der Andacht…

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… um die Götter zu begrüßen.

Um kleine magische Amulette oder Statuetten zu weihen eignet sich das traditionelle Mundöffnungsritual als Orientierung für einen Ritualablauf. Damit wird die Statue “zum Leben erweckt” und damit zu ihrer magischen Funktion geführt. Derartige Statuen werden dann entweder verschenkt oder an die Auftraggeber eines solchen Objektes übergeben. DSC_0306 cut DSC_0351 cut  DSC_0347Indem die Lippen der Statue mit dem kleinen Finger berührt werden, erhält sie ihre Lebenskraft. Dies war eine der Hauptaufgaben des Sem-Priesters, dem ägyptischen Totenpriester, der dazu traditionell das Pantherfell trug. Später im Mittleren und Neuen Reich wurde dieser Akt auch mittels der typischen Mundöffnungswerkzeuge durchgeführt. Die Geste mit dem kleinen Finger stammt möglicherweise von der Handbewegung der Hebammen ab, die so den Mund des Neugeborenen mit dem kleinen Finger reinigten. Der Akt stellt also eine rituelle Geburt dar.

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Mundöffnungsritual

Auch schamanische Techniken sind durchaus nutzbar um intensive Kontakte mit Gottheiten und Geistwesen herzustellen. Rituelle Kleidung, wie auch rituelle Instrumente sind fester Bestandteil dieser Handlungen.

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Schamanische Trommelsession

Rituelle Gegenstände und Werkzeuge bedürfen ebenso einer magischenEinweihungszeremonie, damit sie anschließend ihren vorherbestimmten Zweck erfüllen können.

DSC_0358DSC_0360Manchmal liegen konkrete Bittgesuche an einzelne Gottheiten vor, die dann an die jeweilige Gottheit weitergegeben werden. Manche Kemetics, die zu einer Gottheit einen besonderen Draht haben stellen sich auch dauerhaft als Sprachrohr für die Community zur Verfügung, andere die besonders erfahren in magischer Praxis sind, bieten ihre Heka skills an um anderen Mitkemeten zu helfen, wo es nötig ist. Oft handelt es sich bei diesen Bittgesuchen um Unterstützungswünsche in schwierigen Lebenssituationen, gesundheitliche Probleme und andere Lebenswidrigkeiten, die göttlichen Beistand erfordern.

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Jedes Gesuch wird natürlich mit einer Opferung verbunden. Die Unterstützung durch die Götter wird nicht als Selbstverständlichkeit betrachtet, so großzügig sie auch sein mögen.

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Hieroglyphische Schriftzeichen und Heka-Magie sind wirksame Mittel um magische Dinge zu bewegen.


Rituale sind natürlich anstrengend. Nachdem die Zeremonie feierlich zum Abschluss gebracht wurde, ist Zeit um sich zu stärken, zu essen und zu trinken und für die eine oder andere weitere Opferung an die Gottheiten, die dann im lockeren Rahmen stattfinden. Persönliche Ritualeindrücke werden geteilt,  besprochen und reflektiert und manchmal bereits ein neues Ritual geplant, da man ja nie alles schaffen konnte, was man sich vorgenommen hat und neue Inspirationen gefunden wurden.

Wir hoffen Euch hat dieser kleine Einblick in unsere Kultpraxis gefallen!

Em hotep! :)

Artikel auf “Zaunkönig Schamanismus” lesen

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Schamanismus im Alten Ägypten

Es ist nicht leicht schamanische Aspekte in der altägyptischen Kultur zu entdecken, unter anderen weil der Begriff Schamane oder Schamanismus ebenfalls in seiner Auslegung variiert, je nachdem welche Autoren man heranzieht. Und noch schwerer ist es die schamanischen Elemente so stichhaltig zu belegen, dass man den aktuell anerkannten Stand der Geschichtswissenschaften überstimmen könnte. Dieser ist nämlich, dass es im Alten Ägypten keinerlei veränderte Bewusstseinszustande im Kult gegeben haben soll. Damit wäre einer der wichtigsten Aspekte der schamanischen Arbeit, die Trance, der Seelenflug oder die Ekstase bereits von vorn herein ausgeschlossen.

 

Elliott Rivera, Sangoma der Afro-kubanischen Santeria, Wikimedia Commons

 

Animismus, Totemismus, Götter

Schamanismus ist jedoch oft in einen animistischen Kontext eingebettet und dieser lässt sich durchaus in der altägyptischen Theologie finden. Die Annahme des Alles-Beseelten zeigt sich in mannigfaltigen Vergöttlichungen verschiedenster Erscheinungen der Wirklichkeit. Sogar so abstrakte Begriffe wie “Lebensdauer” oder “Einsicht” fanden die Form einer eigenständigen Gottheit. Hier muss man jedoch auch einräumen, dass der Begriff “netjer” (= altägyptisch Gott) nicht mit dem heutigen, meist monotheistisch geprägten Verständnis von Gott vergleichbar ist. Vielmehr bezeichnet “netjer/netjeri/netjeru” eine ganze Sphäre von Heiligkeit, die geistartiger Qualität ist und vor allem durch ihr Wirken in Erscheinung tritt. So ist z.B. die Hieroglyphe für “netjer” ein Fähnchen. Wie der Wind das Fähnchen “belebt” treten auch die Götter in der Natur in Erscheinung. Auch ist der Mensch durchaus nicht die Krone der Schöpfung. Tiere wurden zum Teil als lebende Avatare der Gottheiten betrachtet und entsprechend behandelt und später fürstlich bestattet. In Darstellungen des Alten Reiches finden sich grafische Deifizierungen menschlicher Wesen in Form von tierischen Attributen, wie Flügel, Tierkörper, Tierköpfe etc.

 Schamanismus vs. Tempelkult

Schamanische Arbeit im offiziellen Tempelkult zu suchen – der mit Abstand am besten belegt ist – dürfte ein schwieriges Unterfangen sein, denn es kennzeichnet Schamanen meist im Besonderen, dass er seine andersweltliche Arbeit überwiegend im Kreis überschaubarer sozialer Gruppen durchführte. Die Grenzen zwischen Diesseits und Jenseits für eine Gruppe von Menschen aufzuheben erfordert geradezu einen intimeren Kreis insbesondere, wenn dabei Bewusstseinsmodifikationen herangezogen werden, deren oft schwer kontrollierbare Eigendynamik Zugewandheit und Vertrautheit erfordert. Dies zu gewährleisten ist aber wiederrum unter anderem die Aufgabe von Ritualen und ritualisierten Handlungen. Rituale bieten eine Möglichkeit Wahrnehmung, Verhalten und in der Folge Empfindung auf mehreren Ebenen für viele Teilnehmer zu synchronisieren. Menschen, die schon einmal auf einem Rockkonzert waren, werden diese Massendynamik, synchronisiert durch die Musik, sicher bereits schon einmal gespürt haben. Die Tatsache, dass man im Verlauf der ägyptischen Geschichte großen Wert auf die korrekte und konsistente Durchführung vom Kultritus legte, hat weniger mit Dogmatismus zu tun sondern mit dem Wunsch die Wirkung dieser Handlungen dauerhaft zu erhalten. Und eine der Hauptwirkungen war selbstverständlich der Kontakt mit den Göttern und Wesen der nicht-diesseitigen Welt. Die Grenzen zwischen dem Diesseits und dem Jenseits aufzuheben, war ein Produkt einer ständig wiederkehrenden kultischen Interaktion. Götter waren weder omnipräsent noch omnipotent und ihr Wirken bedurfte der Unterstützung durch den Menschen.

 Zwei-Klassen-Mystik

Die altägyptische Gesellschaft entstand aus schamanisch geprägten Nomadenvölkern der Sahara, die zunehmend am Nil seßhaft wurden als die Sahara immer mehr zur unbewohnbaren Wüste wurde. So entstand ein konzentrierter multikultureller Staat aus vielen einzelnen Kulturkeimzellen, die einander anerkannten. Hier liegt auch nicht zuletzt der so unüberschaubar große und vielschichtige ägyptische Polytheismus begründet, denn kaum eine Gottheit musste der anderen weichen. Die ägyptische Kultur verfolgte stets eine Mentalität der Einbeziehung und Erweiterung, statt der Zwangsfusion und Exklusion. Dennoch gab es natürlich im Zuge politischer Schachzüge auch immer wieder Synkretisierungen und Verschmelzungen, doch geschah dies häufig auf staatspolitischer Ebene – und blieb im Großen und Ganzen auch dort. Selbst zur Amarnazeit, als Amenophis IV – besser bekannt als Echnaton – den Sonnengott Aton zum einzigen Gott Ägyptens ausrief, beeindruckte das den normalen ägyptischen Bürger recht wenig, der nach wie vor seine ihm vertrauten Hausgottheiten verehrte. Von den Auseinandersetzungen zwischen Königshaus und Priesterschaft blieb er weitestgehend unbeeindruckt, was nicht zuletzt auch ein infrastrukturelle Gründen haben mag. Auch hier liegt eine nicht zu unterschätzende Grundlage des schier unerschütterlichen Polytheismus.

Diese spirituelle Eigenständigkeit des ägyptischen Volkes legt auch die Vermutung nahe, dass sich in puncto Magie und andersweltlichem Handeln wohl ebenso unabhängig vom großen Staatskult verhalten haben mag. Magische Praktik war dem einfachen Ägypter ja keineswegs untersagt, im Gegenteil, jeder bediente sich gleichermaßen dieser Mittel, wie auch die Priester in den Tempeln. So wäre es fast naiv anzunehmen, dass es im ägyptischen Volk nicht auch Personen gegeben hat, die ihre übersinnlichen Fähigkeiten zum Wohle der engeren Gemeinschaft einsetzten. Für das Gesundheitswesen ist dies z.B. gut belegt. Die Überlieferungen der Arbeiterstadt Set-Ma’at zeigen recht deutlich, dass die altägyptischen Arbeiter trotz organisierter medizinischer Versorgung und Infrastruktur, die Pflege in medizinischen Belangen meist selbst und innerhalb der Familie übernahmen. Da Erkrankungen stets als andersweltliches, magisches Wirken interpretiert wurden, darf man also ruhig davon ausgehen, dass die Versorgung unter Einbeziehung dieser Dimension erfolgte.

Die ägyptische Gesellschaft war entgegen aller idealisierten überlieferten Darstellungen eine Zweiklassengesellschaft und nicht jedem war die Teilnahme am Staatskult mit all seinen Ausprägungen möglich. Dies zeigt sich am deutlichsten an den Begräbnisgepflogenheiten, deren Standesunterschiede größer nicht sein könnten. Dabei ist die Mumifizierung bereits aus der Prädynastik belegt, selbst wenn die Verstorbenen hier auch mal notdürftig in Tierhäute geschlagen wurden. Gerade deshalb finden sich aber unzählige Spuren, die auf eine rege Anwendung von einfachster Magie im Volkskult schließen lassen. Fetische, Amulette, Hausschreine und einiges mehr gehörte zur andersweltlichen Ausrüstung des ägyptischen Bürgers. Im Allgemeinen geht man davon aus, dass der Staatskult den Volkskult inspiriert hat und der durchschnittliche Ägypter versucht den “Großen” des Staates nachzueifern. Für die Frühzeit ist jedoch zumindest auch die Frage berechtigt, ob dies nicht sogar genau umgekehrt gewesen sein mag und der Volkskult Pate für den Staatskult gestanden hat.

Sem-Priester

Sem Priester mit Pantherfell der eine Wasservase hoch hält, Ausschnitt aus einer Totenstele ca. 1400 - 1350 v. Chr., Walters Arts Museum, Wikimedia Commons

Sem Priester mit Pantherfell der eine Wasservase hoch hält, Ausschnitt aus einer Totenstele ca. 1400 – 1350 v. Chr., Walters Arts Museum, Wikimedia Commons

Für einen Priester gilt das im besonderen, nämlich den Sem, ein altägyptischer Totenpriester, der aus der Prädynastik belegt ist und als einziger Priester mit einem Trance- oder Meditationsartigen Zustand arbeitet, der sog. Schlaf des Sem. Seine Rolle zieht sich nahezu unverändert bis in die Spätzeit hinein, was die Wichtigkeit seiner Funktion deutlich macht. In ihm konzentriert sich der Schnittpunkt zwischen Diesseits und Jenseits.

Die häufigste Interpretation dieses Kultaktes ist, dass der Sem symbolisch die Rolle des Sohnes des Verstorbenen übernimmt und dessen Bild in einen Stein projeziert um dann Bildhauern genaue Anweisungen zur Herstellung einer Statue zu geben. Dazu benutzt er eine Art Netz, der man i.d.R. rein handwerkliche Funktionen zuschrieb, doch einige Historiker legen den Verdacht nahe, dass es sich dabei auch um ein kultisches Werkzeug gehandelt haben könnte, welches ähnlich einem Fischernetz Einsatz fand um die Seele des Verstorbenen sicher aus der Duat zu “fischen”. Denn es bestand die Sorge, dass die Toten in der Duat, die von einem Fluß durchzogen war, verloren gingen und so der Rechtfertigung nicht unterzogen werden konnten, die nötig war um im Reich das “Westens” als gerechtfertigter Ahnengeist, als Ach, das ewige Leben zu verbringen. Es gibt fast keinen Gegenstand im ägyptischen Kult, der nicht auch magisch-mystische Bedeutung hat. Oftmals ist diese nachträglich neu hinzugefügt oder modifiziert worden, doch man darf mit Recht annehmen, dass nichts nur rein weltliche, praktische Bedeutung hatte, was in den Riten Anwendung fand.

Kultische Spurensuche

Hinsichtlich des prädynastischen Usus Leichname in Tierhäute einzuhüllen, kann man sich ebenfalls erfolgreich auf Spurensuche nach schamanischen Elementen begeben. Das Einhüllen in Tierhäute wird in einem weiteren Ritus vermutet, nämlich das Fest zur Verjüngung des Königs, das sog. Sed Fest, dessen Ursprünge weit vor die Zeit der Frühdynastik zurückreichen. Das Netjeret oder Ba-Abi, das Pantherfell, gehörte zum festen Ornat des Königs und stellte den Geist des Himmelspanthers dar, der Duatgöttin Mafdet, die die Toten schützte aber auch richten konnte. Außerdem trug der Pharao einen Stierschwanz an seinem Ritualgewand von dem angenommen wird, dass es ein Überbleibsel einer kompletten Tierhaut ist.

Eine Verjüngung findet auch regelmäßig für den Sonnengott Re statt, der nachts die Unterwelt mit seiner Barke durchfährt um am nächsten Morgen wieder im Osten seine Himmelsfahrt anzutreten und Re war im Alten Reich das Vorbild aller Verstorbener, die hofften an seinen Verjüngungsfahrten teilnehmen zu dürfen. Hier lässt sich also bereits eine Diesseits/Jenseits Thematik erkennen, die möglicherweise auch Bestandteil des Sed Festes war.

Darstellung eines Tekenu

Darstellung eines Tekenu

Die Grenzen zwischen dem Diesseits und Jenseits überschreiten und sogar auflösen zu können, mit den drüberen Wesenheiten in Kontakt zu treten ist eine wichtige Aufgabe der Schamanen vieler Kulturen. Weiters gibt es ein Element des ägyptischen Totenkultes bei dem der sog. “Tekenu” den Verstorbenen auf der Barke zu seinem Haus der Ewigkeit begleitet. Der Tekenu taucht in den Darstellungen als ein in Tierhäute gewickelter Haufen auf, mit einem menschlichen Gesicht. Einige Interpretationen vermuten eine Art “Ersatzkörper” mit Köderfunktion, die negative Energien auf sich ziehen und vom Verstorbenen fernhalten soll, andere Historiker sehen aber die Möglichkeit, dass es sich dabei um den oben erwähnten Sem handeln könnte, der in Tierhäute gehüllt und damit für die Jenseitsreise gewappnet, die Reise des Verstorbenen auch von jenseitiger Perspektive überwachte. Das Kleiden in Tierfelle ist aus vielen schamanischen Kulturen bekannt und stellt häufig eine rituelle Verschmelzung mit einem andersweltlichen Wesen oder/und eines Tiergeistes dar oder dient einfach als Schutz. Die Parallele zum Pantherfell, dem schützenden Geist des Himmelspanthers, der bezeichnenderweise wie eine “Umarmung” mit den Fellpfoten getragen wird, ist hier offensichtlich.

Sistrum, Britisches Museum, Wikimedia Commons

Forscht man noch weiter so entdeckt man noch mehr Hinweise auf die einst schamanische Rolle des Pharaos. Eines seiner Machtsymbole, das Sechem-Zepter (sechem=Macht), ist identisch mit einem Sistrum, einem Rasselinstrument bestehend aus einem Metallbügel und Metallscheiben, welches in der Frühzeit zusammen mit dem dem Pantherfell, zur Ausrüstung des Königs gehörten. Vom Sistrum wird angenommen, dass es in der Prädynastik als kultisches Instrument diente um mit Ahnenseelen Kontakt aufzunehmen und somit in seiner Form als Zepter die Fähigkeit demonstrierte, die Grenze zum Jenseits zu überschreiten. Rasselinstrumente sind neben Trommeln als schamanische Werkzeuge in vielen Traditionen üblich.

Das Sistrum ist auch eine wichtige Insignie für eine weitere Gottheit nämlich, Sachmet, “die Mächtige” und löwengestaltige Göttin die einen weiteren Hinweis auf schamanische Elemente liefert, nämlich den veränderten Bewusstseinszustand.

Rausch, Trance, Ekstase

Sachmet zu Ehren hielt man nämlich ein Fest des heiligen Rausches ab, das Fest der Trunkenheit, dessen Name Programm ist. Das heisst, es wurde in der Tat exzessiv Alkohol getrunken. Sich den Riten zu entziehen wurde schwer mißbilligt, Kontrollverlust galt als unschicklich, jedoch war es völlig akzeptabel sich bis zum Erbrechen zu betrinken.

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Allerdings liegt dem ein Mythos zu Grunde, der deutlich weniger amüsant ist, als es das feuchtfröhliche Fest vermuten lässt. Der Mythos berichtet vom Aufstand der Menschen gegen die Götter insbesondere gegen den inzwischen alterschwachen Sonnengott Re. Manche planen sogar ihn zu töten und verweigern Opfergaben.

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Sachmet, Ägyptisches Museum München

Re beschließt die Menschheit zu vernichten und beauftragt nach einem Götterrat, Sachmet mit dieser Mission zu betrauen, während er sich auf dem Rücken der Himmelskuh in Sicherheit brachte.

Sachmet gerät in einen Blutrausch und kurz bevor sie die gesamte Menschheit ausrottet, überkommt Re Reue und er bittet Thoth um Hilfe. Dieser färbt zusammen mit Re Bier mit rotem Ocker und schüttet es auf die Erde. Sachmet merkte in ihrem Rausch nicht, dass es sich um Bier handelte und trinkt gierig bis sie sturzbetrunken einschläft. Sie erwacht als sanftmütige Hathor, die Göttin des Festes, der Musik und der Trunkenheit. Und das Sistrum ist einer der wichtigsten Hathor Insignien überhaupt.

 

 

Schamanismus und moderne kemetische Praxis

Die Suche nach Schamanismus in Ägypten bleibt sicherlich eine Suche nach Indizien, jedoch lohnt es sich als kemetisch Praktizierender diesen Sprung ins Mutmaßliche zu wagen. Viele Lücken in der Kultpraxis lassen sich auf diese Weise überraschend gut schließen, kulturgeschichtliche  Fragestellungen, die für die kemetische Praxis von historischer Seite meist nur unbefriedigend beantwortet werden können, finden hier spannende und vor allem praktikable Ergänzungen. Die ägyptische Religion, so überwältigend, kulturell entwickelt und prunkvoll sie auch wirken mag, bleibt im Kern doch eine Naturreligion für deren Beständigkeit der einfache Ägypter und seine selbstbewusste mystisch-magische Auseinandersetzung mit den natürlichen Gegebenheiten über Jahrtausende hinweg sorgte.

 

Literatur:
Hartwig Altenmüller – die Wandlungen des Sem Priesters
Sabine Neureiter – Schamanismus im Alten Ägypten
Jeremy Naydler – Schamanic Wisdom in the Pyramid Texts
Jan Assmann – Tod und Jenseits im Alten Ägypten
Erik Hornung – Der Eine und die Vielen: Altägyptische Götterwelt

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Seth und die Frauen

Seth der “Über”mann

Wenn man Seth verehrt, wird man sehr schnell in die Ecke neurotischer Teufelsanbeter gestellt, die ihre empfundenen Unzulänglichkeiten mit einem inszenierten “evil image” auszuschmücken suchen. Dabei ist Seth alles andere als “der Böse” mit dem man weißgewandeten Engelsmedien und batikberockten Liebespriesterinnen Angst einjagen kann.

Betrachtet man Seths Mythologie und deren Entwicklung im Verlauf der Dynastien, so zeigt sich eher das Bild eines Antihelden, ja fast Sündenbocks, eines Mannes der mehrmals zu Fall gebracht und gedemütigt wird um schlußendlich mit einem mehr schlechten als rechten Lohn abgespeist zu werden, ja sogar seiner einstigen Heldentaten gänzlich beraubt und dämonisiert zu werden.

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Obwohl Seth mit Hypermaskulinität, roher Kraft, aktiver ja fast aggressiver Sexualität assoziiert wird, so verkörpert er dennoch die Unfruchtbarkeit schlechthin, denn er ist der Herr des unfruchtbaren Landes, der Wüste. Auch sind ihm in den Mythen keine Nachkommen beschert und später verliert er im Kampf gegen Horus, mit dem ihn auch eine sexuelle Episode verbindet, auch noch seine Hoden. Lediglich die Krokodilgottheit Sobek taucht manchmal mit dem Beinamen “Sohn des Seth auf”.

Seth und Göttinnen

Zwar werden Seth einige Partnerinnen zugeschrieben, jedoch ist ihm auch da nur wenig Glück beschert. Seine Schwestergattin Nephthys, die in der Neunheit von Heliopolis zunächst an seiner Seite steht, kehrt ihm nach dem Brudermord an Osiris den Rücken und unterstützt ihre Schwester Isis gegen Seth, deren Bemühung natürlich ausschließlich ihrem verstorbenen Gatten Osiris dienen und später dem gemeinsamen Sohn Horus, der ebenfalls zu Seths Rivalen wird. In Isis trifft Seth auf seine bedeutendste weibliche Gegnerin, den im Kampf um die Thronfolge und die Wiederherstellung der Königswürde des Osiris mit Horus, mischt Isis mit ihrer sprichtwörtlichen Listigkeit ordentlich mit, führt Seth mit ihren Tricks vor dem Göttergericht vor und bringt ihn schließlich zu Fall.

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Ramses III zwischen Horus (l.) und Seth (r.), Ägyptisches Museum in Kairo

 

Trotz alledem findet man Seth und Horus später gemeinsam an der Seite des Königs als dessen Schutzbeauftragte. Seth ist ein aufrechter Verlierer, mag man ihm auch allzu oft Eifersucht, Eigensinn und Impulsivität unterstellt haben. Doch betrachtet man die Mythen im Kontext des lebenserhaltenden Zyklischen der Natur, so muss man anerkennen, das Seth beinahe heroisch die undankbare Rolle des notwendigen Zerstörers übernimmt und – obwohl mit all seiner Wucht handelnd – dabei niemals unkoordiniert und blind-wütend ist. Seth muss mehrmals, fast über die Gebühr für den Mord an seinem Bruder büßen, wird gedemütigt und bestraft, verliert aber erstaunlicherweise dennoch nicht seine Mächtigkeit. Die Tatsache, dass er im Neuen Reich nach dem Aufleben des Osiris-Mythos dämonisiert wird, zeigt ja durchaus, dass man ihm seine Kraft trotz Beinah-Entmannung noch lange nicht abspricht. Sie wir nur ins Böse verkehrt – was zynischer nicht sein könnte, denn der ursprüngliche Seth aus dem Alten Reich ist jener der den Sonnengott vor dem ultimativ Bösen, der dämonischen, lebensvernichtenden Schlange Apophis beschützt.

Eine Partnerin von seinem Kaliber findet Seth am ehesten noch in der altsyrischen/altägyptischen Göttin Anat, mit der er mythologisch verbandelt wird, nachdem man ihm im Streit um den Thron die dürre Wüste überlassen hat. Anat gilt als androgyn und aggressiv, trägt Männerkleidung und verweigert sich der Mutterschaft und bildet damit ein weibliches Komplementär zu Seths Bisexualität. Im Ugaritischen ist Anat gleichzeitig Kriegs- und Liebesgöttin und verliert dabei nie ihre Jungfräulichkeit. Eine interessante Parallele zur Zerstückelung des Osiris durch Seth bildet die Tötung des Totengottes Mot durch Anat, die ihn mit einer Sense zerhackt nachdem dieser ihren Bruder Ba’al in die Unterwelt gelockt hat und dort sterben ließ. Ba’al wird durch Anats Tun jedoch wieder lebendig, was der Rolle der Isis erstaunlich ähnelt, denn sie ist es ja die ihren Brudergatten Osiris wieder zusammensetzt und neu belebt. Und der mythologische Kreis schließt sich hier passenderweise in der Gleichsetzung des Ba’al mit Seth.

Anat

Seth und ich

Eine Frau an der Seite von Seth zu sein bedeutet das Prinzip Weiblichkeit bis ins kleinste Detail zu hinterfragen und sich in aller Aufrichtigkeit zu reflektieren. Liebgewonnene Rollenspiele zerschellen ebenso schnell wie trickreiche Koketterie, verinnerlichte soziale Erwartungen entpuppen sich schnell als Selbsttäuschung. Was bleibt ist die Frage, was Weiblichkeit jenseits aller sozialen Konstruktionen ist, ob es sie dann überhaupt noch gibt und wie beständig sie dann noch ist.

Seth ist nicht jene Art von männlich, die sich durch typisch weiblichen Manipulation, Koketterie und List beeinflussen ließe. Krokodilstränen rühren ihn wenig, emotionales Drama lässt ihn kalt, Umgarnungen und List weckt viel eher Abscheu und Aggression in ihm. Er ist ein Gott des aufrichtigen Kampfes und nicht der Tricks, der ehrlichen Konfrontation und nicht der Manipulation – völlig egal ob man ihm als Mann oder Frau begegnet. Das einzig Weibliche das ihn wirklich anzuziehen vermag ist eine offene und ehrliche Sexualität und man tut gut daran als Frau darin so selbstbestimmt wie möglich zu sein. Da ist kein Platz für alten Schmerz, der immer noch Gehör finden will oder verschleierte infantile Liebesbedürftigkeit, die im Erwachsenenkostüm daherkommt und sich mit Pseudoernsthaftigkeit aufplustert. Wer gelernt hat Sexualität zu instrumentalisieren um sich damit Bindung zu erkaufen, belügt ich selbst und trägt allein die schmerzlichen Konsequenzen des Betrugs. Seth lässt sich nicht betrügen, zumindest nicht ohne Konsequenzen zu ziehen.

Lässt man sich jedoch auf seine Rohheit ein, die in sich schon eine niederschmetternde Erfahrung sein kann, lernt man in ihr bald echte Bindung ja sogar Zuneigung zu erkennen. Die Vermutung, dass es sich vielleicht auch nur um ein Stockholm Syndrom handeln könnte, hat man zurecht, genauso wie den Verdacht, das Liebe an sich nichts anderes als eine wohlwollende Geiselnahme sein könnte. Nur weil Liebe roh und impulsiv ist, ist sie nicht minder ehrlich, sondern aufrichtig und unverfälscht, so wie alles andere an ihm. Tröstendes Gestreichel und liebliche Worte erwartet man von ihm vergeblich, vielmehr ist man gezwungen sich die Frage zu stellen, warum man dies überhaupt braucht und welches Bedürfnis tatsächlich dahinter steht. Geht es um die reine Selbstaufwertung, kann man sich bald auf einen harten Fall gefasst machen, will man sich in kindlich-emotionalen bedürftigen Mustern ergehen, tut man gut daran sich am Riemen zu reißen und erwachsen zu werden, sucht man Anlehnung und Halt, findet man diese in seiner Loyalität und Beständigkeit und nicht in romantischer Verzärtelung.

Eine Frau an Seths Seite zu sein erfordert emotionale Eigenständigkeit, den Mut verletzbar zu bleiben und Schmerz zu ertragen, geistige Navigationsfähigkeit und Hingabe. Das wertvollste Geschenk, das er einem dafür geben kann ist Kraft, inneres Wachstum und unerschütterliche Beständigkeit.

Eine Frau an der Seite eines Gottes wie Seth zu sein bedeutet auch keine Frau mehr nach akzeptierten sozialen Maßstäben sein zu können. Vielleicht auch an weiblicher Attraktivität zu verlieren. Man wird zwangsläufig zur Verräterin, weil man die sozialen Spiele, die man einmal mitgespielt hat, nicht mehr spielen kann und will, sie dafür aber umso mehr durchschaut und manchmal unweigerlich entlarvt. Es wird zunehmend zum Kraftakt der Selbstverleugnung die von gesellschaftlichen Idealen geformten weiblichen Identitätskonstrukte zu respektieren, vor allem wenn es sich dabei um Randgruppengesellschaften handelt, deren Spielregeln meist schnell durchschaut sind.

Ich hab mich mein Leben lang danach gesehnt zu jemandem zu gehören. Sei es zu einer Familie, zu einem Partner, zu einer Community. Funktioniert hat es nie und noch immer versuche ich mich an mein Nichtdazugehören zu gewöhnen und der Freiheit etwas Positives abzugewinnen. Rückblickend muss ich sagen, die Chancen des Dazugehörens standen vor einigen Jahren vermutlich weit besser, denn meine Anpassungsfähigkeit hat deutlich nachgelassen. Seth hat mich verändert. Ich habe alles, was mich ausmacht so oft in Frage gestellt, bis es mir nicht mehr wichtig war. Ich habe mich ihm gegeben wie ein Stück Knetmasse und habe gesagt “Hier, mach daraus was immer Du möchtest.” Und das hat er getan. Und ob ich es will oder nicht, ich gehöre ihm.

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Autistische Spiritualität

Ich hab heute darüber nachgedacht, warum Esoterik-Fans und spirituelle Leute oft solche Schwierigkeiten mit Aspies haben. Zuerst wollte ich einfach nur ein paar Sätze auf Facebook posten, doch dann wurde der Text immer länger und inzwischen habe ich mich entschieden einen Blogpost daraus zu machen.

psychopath

Ich kenne inzwischen eine ganze Menge Menschen die irgendwo auf dem Spektrum liegen, sowohl Asperger als auch HFA (high functioning autism) und fast alle haben große Probleme mit Leuten die sich als “spirituell” bezeichnen, sehen aber in dieser Szene oft noch den einzigen sozialen Rahmen, wo sie bestehen können.

Es folgen also einige natürlich rein subjektive Punkte, die man sicherlich beliebig erweitern kann. Ich hoffe, aber es reicht um vielleicht ein bisschen besser zu verstehen, wie es ist ein Aspie auf einem spirituellen Weg zu sein.

Kommunikation

Aspies sind sehr direkt, haben wenig Gespür für “den richtigen Moment” etwas Bestimmtes zu sagen, sie verstehen Ironie oft nicht und empfinden “diplomatische” Formulierungen meist als verwirrend und verschleiernd. Ich denke, dass das sehr oft mit dem Chargon der spirituellen Szene kollidiert, die sich gern besonders “lieb” und “achtsam” ausdrücken wollen, selbst wenn dahinter Groll und kleine fiese Seitenhiebe verborgen werden. Aspies merken sowas durchaus und es entsteht eine für sie verwirrende und unauthentische Kommunikation auf zwei Ebenen, nämlich der oberflächlichen Scheinfreundlichkeit und die subtilen Botschaften der Feindseligkeit. In der Regel tun Aspies sich schwer auf diese Art von Kommunikation einzugehen und bleiben direkt bis unverblümt, was dann von Gesprächspartnern, die den sanften Eso-Slang gewohnt sind, als unangemessen aggressiv erlebt wird, auch wenn der Aspie einfach nur ehrlich ist.

what feelGefühle

Aspies haben mitunter sehr intensive Gefühle, aber haben oft Schwierigkeiten sie non-verbal auszudrücken. Ein Grund warum das Asperger Syndrom auch als Behinderung gilt (was ich falsch finde) ist die Tatsache, dass Aspies manchmal so heftige Emotionsschübe haben können, dass sie vollkommen handlungsunfähig werden (die sog. “melt downs”). Melt downs sind extrem anstrengend und erfordern oft viel Verständnis und Toleranz von engen Freunden und Familienmitgliedern.

Die Unfähigkeit Gefühle zu zeigen wird aber oft als Gefühllosigkeit interpretiert, so dass Aspies irrtütmlich als eiskalte, unsensible Klötze wahrgenommen werden. Manche haben gelernt ihre Emotionen zu rationalisieren, vor allem auch um mit melt downs besser umgehen zu können. Melt downs sind nicht behebbar, man kann nur lernen mit ihnen umzugehen und man muss sein Leben entsprechend managen und lernen “red flags” zu meiden. Esos erklären einem dann gern, dass man “alles annehmen müsse”, was in diesem Fall wirklich fatal wäre. Den “Gefühlen zu folgen” oder “Gefühle einfach mal fließen zu lassen” ist ein geradezu gefährlicher Rat für einen Aspie. Die meisten sind froh, wenn die Gefühle mal nicht über sie hereinbrechen. Zum Glück wissen die meist selber, was gut für sie ist.

Daher wirkt auch der Umgang mit Gefühlen oft sehr sachlich. Aspies müssen auch oft genau nachfragen, wie der andere sich fühlt um den anderen emotional nachvollziehen zu können. Gefühlsausbrüche ohne Erklärung sind verwirrend. Subtile, zweideutige oder bewusst schwammige Botschaften werden nicht oder nur teilweise verstanden. Dieses Nachfragen wird von vielen als übergriffig und “kontrollierend” empfunden. Aussagen wie “fühl doch mal rein” oder “versuch es mit dem Herzen zu verstehen” sind für einen Aspie irreführend und unlogisch.

 Lost and Confused SignpostSozialverhalten

Aspies können zwar soziales Rollenverhalten meist sehr gut kopieren, aber sie spielen praktisch permanent eine Rolle, die aber nur anderen den sozialen Umgang erleichtert. Sie selbst müssen sich dahinter zwangsweise verstecken und fühlen sich daher nie richtig gesehen. Das führt oft dazu, dass Autisten die ganze Zeit wie hinter einer Glasscheibe leben und nie richtig Verbindung zu anderen aufnehmen können, was die Leute gelegentlich auch merken und sich manchmal gekränkt fühlen. In der Esoszene wird schnell nach Nähe und Zugewandtheit gesucht, die ein Aspie selten bieten kann. Im Gegenteil, Aspies fühlen sich oft bedrängt und befremdet von dieser für sie meist überaschenden und überschwänglichen Zuneigungsbekundung. Auch wird der autistische Zwang zur Ehrlichkeit oft als “Nähebedürfnis” misinterpretiert.

Ab und zu wage ich es an Veranstaltungen teilzunehmen und der schlimmste Moment sind für mich die Begrüßungs- und Abschiedsrituale. Ein einfacher Handschlag scheint für die meisten spirituellen Menschen schon fast eine Beleidigung zu sein. Für mich aber sind Umarmungen von nahezu fremden Menschen jedesmal ein kleiner Horrortrip. Während mir bewusst ist, wie freundlich und wohlwollend diese Umarmungen gemeint sind, fühle ich mich extrem bedrängt davon und sehe ich mich in dem Zwiespalt so tun zu müssen, als freue ich mich über diese Zuneigungsbekundung um niemanden zu verletzen, während ich den Stress des innerlichen Widerstands stoisch etragen muss.

 Projektionen

Das ständige Rollenverhalten ist extrem anstrengend, so dass soziale Interaktion schnell ermüdend ist und mitunter lange Pausen nach sich zieht, oder aber eine distanzierte und dosierbare Kommunikationsform gewählt wird (z.B. Internet). Internet hat außerdem den Vorteil dass der Teil der Kommunikation für uns wegfällt, den wir sowieso schlecht bis gar nicht lesen können bzw. selbst nur unter Anstrengung kopieren können, nämlich Körpersprache, Mimik, Tonfall etc. Das führt dazu, dass Aspies fast immer sehr viel anders gesehen werden, als sie eigentlich sind. Sie werden schnell zur Projektionsfläche und man unterstellt ihnen Charakteristika, die sie mitunter gar nicht haben. Schon allein, weil es für einen neurotypischen Menschen nicht möglich ist, sich in ein autistisches Hirn hineinzudenken. Überraschenderweise, fällt dies z.B. zwischen Autisten völlig weg, weil ihre Gehirne ähnlich strukturiert sind.

Gerade in der Esoszene haben viele Leute therapeutische Ambitionen. Sie sind recht schnell mit Annahmen über ihr Gegenüber und sparen nicht mit Ratschlägen und ungefragten Analysen über die andere Person. Nur für einen Aspie trifft 99% davon ganz sicher nicht im Geringsten zu. Nachdem sie sich sowieso schon ständiger Fehldeutungen erwehren müssen, kommt jetzt noch “concern trolling” dazu, sprich, viele meinen Kraft ihrer “spirituellen Weisheit” zu wissen, was gut für den anderen ist, ohne die leiseste Ahnung, wie es ist mit einem autistischen Hirn zu leben.

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Aspies sind unglaubliche Nerds. Das heisst, sie wollen Dingen auf den Grund wissen, alles ganz genau wissen und legen Wert auf korrekte Infos. Darin unterscheiden sie sich leider für den neurotypischen Spiritualitätsbegeisterten nur sehr wenig von sich profilierenden Klugscheißern und nicht selten fangen Aspies aus reiner Frustration an mit dieser Rolle zu kokettieren, den es ist sicherlich ein die sie dank ihrer geistigen Begabung recht gut ausfüllen können. Und schließlich wird man ja auch ständig so gefeedbackt. Dabei geht’s Aspies nicht wirklich darum sich zu profilieren, wir haben einfach Spaß an Bildung, Wissen und Forschung schließlich ist es das, was an uns am besten funktioniert. Wir haben soziale Schwierigkeiten, heftige emotionale Krisen, sind einsam und banale Alltagssituationen stellen oft große Hindernisse dar, aber unser Gehirn funktioniert fast immer und überall, und das hält uns über Wasser und macht unser Leben trotz allem lebenswert. Das ist auch der Grund, warum die meisten Aspies gar nicht anders sein wollen als sie sind. Dieser Blick auf die Welt, das Verknüpfen können von einer Unzahl von gespeicherten Infos, das Verarbeiten von neuen Informationswellen ist einfach großartig und die meisten Aspies wollen das einfach nur teilen oder können nicht verstehen, wie man dieses Drang zu lernen und zu forschen nicht haben kann.

 Freaks

Aspies sind natürlich seltsam. Manchmal haben sie “Quirks”, also komische ritualisierte Verhaltensweisen oder Ticks, die sie aber brauchen, weil es sie emotional stabilisiert. Ihr Hirn ist ein wie eine Hochleistungsmaschine, die einem um die Ohren fliegen kann, wenn man sie falsch bedient. Dazu braucht man Sicherheitseinstellungen und viele der seltsamen Rituale sind genau das. Einem Aspie zu raten “etwas anders zu machen” oder “die Komfortzone zu verlassen” – etwas, dass die meisten in der spirituellen Szene geradezu suchen – ist grundfalsch. Viele Aspies sind einfach in der Eso-Spiri-Szene, weil sie Außenseiter sind und Ihresgleichen suchen. Oder sich einfach mal weniger seltsam fühlen wollen. Aber sie lieben ihre Routinen und brauchen sie um zu funktionieren.

Das “alles und jeden annehmen wollen” das sich die Eso-Szene gern auf die Fahnen schreibt, ist natürlich verlockend für jemanden der sich nur als Außenseiter erlebt und auch nicht anders kann. Aspies leben in einer Innenwelt, die nach Außen nicht sichtbar ist. Das ist gut vergleichbar mit jemandem der spirituell und religiös ist und eine ähnliche unsichtbare Welt in sich trägt. Zwar sind viele Aspies Atheisten, aber durchaus nicht alle und die die es nicht sind, haben meist eine große Hingabe an ihre rituelle/spirituelle/religiöse Praxis. Sie lernen, forschen, lesen und kennen sich meist hervorragend in ihrem Bereich aus. Diese “Innenweltleben” ist das was Aspies mit spirituellen Menschen gemeinsam haben und deshalb passen sie unterm Strich vergleichsweise gut in diese Szene und werden von ihr am wenigsten angenommen.

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Danke für’s Lesen :)

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Träume und Schlaf im Alten Ägypten

Träume aus der Sicht der Psychologie

“Ein Traum ist eine psychische Aktivität während des Schlafes. Er wird als besondere Form des Erlebens im Schlaf charakterisiert, das häufig von lebhaften Bildern begleitet und mit intensiven Gefühlen verbunden ist. Der Träumende kann sich nach dem Erwachen meist nur teilweise oder gar nicht erinnern.” (Definition Wikipedia)

In der modernen Psychologie werden Träume ausschließlich als Erscheinungen des individuellen Bewusstseins betrachtet. Alltagseindrücke, Ereignisse der Vergangenheit, einschneidende Erlebnisse, aber auch Erkrankungen psychischer wie physischer Art führen zu verschiedensten bildhaften und fühlbaren Erscheinungen während des Schlafes. Lediglich psychoaktive Substanzen oder andere pharmakologische Präparate finden als äußere Einflüsse die Akzeptanz der modernen Psychologie und Neurologie. Träume sind dabei das komplexe Resultat dessen, was das individuelle Gehirn mit all seinen Prägungen, bewussten und unbewussten Erinnerungen, Wissensspeichern und Emotionen aus den Sinneseindrücken des Wachzustandes geformt hat. In gewisser Weise entspricht damit der Traum auch dem was der gängigen Definition nach Mythos ist, nämlich die Verknüpfung von Fakten, Erlebtem und Empfundenem und individuell Interpretiertem und Erdachtem, ohne näher bestimmen zu wollen was Faktum und was Erscheinung des Geistes ist. Wie viele der modernen Ansätze geschieht dies auf der Grundlage des Descart’schen Modells einer dualen Körper-Geist-Trennung. Alles Reale ist physisch greifbar oder zumindest meßbar, alles Geistige ist höchstens erahnbar und nur eingeschränkt bis gar nicht verifizierbar.

Der Albtraum (18./19. Jh. unbekannter Künstler) Wikimedia Commons

Innen oder Außen, Eigenes oder Fremdes?

Die Annahme, dass alles Surreale eine Erscheinung des eigenen Geistes darstellt, ist tröstlich, impliziert es doch auch eine grundsätzliche Kontrollierbarkeit der Erscheinungen. Erst wenn der Geist außer Kontrolle gerät und sich deren Auswirkungen auch in der physischen Welt manifestieren, gerät dieKontrollierbarkeit ins Wanken. Die Grenze zum Pathologischen ist damit überschritten und es werden Mittel und Wege gesucht die Kontrolle wieder zu erlangen. Dennoch bleibt das Szenario auf das individuelle Körper-Seele-Kontinuum beschränkt. Das Problem ist ein Individuelles, selten findet es wie beispielsweise in systemischer oder soziopsychologischer Arbeit auch eine kollektive Dimension. Auch in der modernen Spiritualität wird immer noch gern an dem Grundsatz festgehalten, dass alle geistigen Erscheinungen die eigenen sind. Die Jungianische Archeytpenlehre bietet sich da geradezu als Denkmodell an und die Verbandelung von Mythologie, einer großen Begeisterung für’s Übersinnliche und noch junger medizinischer Forschung an der Seele sind letztlich auch der Stoff aus dem Jungs Theorien gestrickt sind. Um jedoch den altägyptischen Wirklichkeitsbegriff zu verstehen muss man ein wenig weiter zurück gehen als bis zur vorletzten Jahrhundertwende und die klassische Leib-Seele-Einteilung verlassen um sich einem Weltbild des Allesbeseelten zuzuwenden.

Wandel des Wirklichkeitsbegriffs

Man muss sogar weiter als bis zu jener Zeit zurückgehen, die Karl Jaspers als “Achsenzeit” bezeichnet und die von einer globalen philosophischen und spirituellen Selbstreflexion und zunehmendem religiösen Individualismus geprägt war. Zwar ist der Begriff der Achsenzeit eher ein sehr theorethisches und durchaus kritisierbares Denkmodell, dennoch ist es hilfreich um sich das andere Realitätsbewusstsein naturnaher und Natur-deifizierender Völker zugänglich zu machen. Der altägyptische Wirklichkeitsbegriff spielt sich in einer Zeit ab, in der die Notwendigkeit der Gemeinschaft als Überlebensgarant noch in aller Menschen Bewusstsein ist und die vor der Schwelle zum Jenseitigen oder Göttlichen keineswegs Halt macht. Soziale und spirituelle Realität ist geprägt von fortwährender Interaktion mit Menschen, Göttern und Geistern. Denn diese Dinge sind es, die für den Altägypter kultur- und nicht zu letzt identitätsbildend sind, anstatt – wie es heute oft der Fall ist – die ständige psychosoziale und spirituelle Selbstbeschau, die nicht selten bis hin zur Selbstmystifizierung geht.

Ägyptische Kosmologie – Detail aus dem Greenfield Papyrus (Totenbuch des Nesitanebtashru). Der Luftgott Schu und der widderköfpige Gott Heh deities halten die Göttin des Himmelsgewölbes Nut , während sich der Erdgott Geb unter ihr ausbreitet (ca. 950 V. Chr. aufgenommen im British Museum, London) – Wikimedia Commons

So ist es nicht verwunderlich, dass im Alten Ägypten viele Erscheinungen des Bewusstseins ganz natürlich im Außen verortet wurden, jedoch weitaus weniger mystifiziert als man nach heutigem Verständnis von Mystik annehmen mag. Die Begegnung mit dem Anders- und Überweltlichen war vielmehr normaler Alltag und erforderte einen ebenso koordinierten und pragmatischen Umgang wie mit den alltäglich Herausforderungen des Diesseitigen. Das altägyptische Weltbild kann seine animistischen Wurzeln hier nicht verbergen, alles ist beseelt, wenn nicht sogar vergöttlicht, was in den zahlreichen als “netjer”(=Gott) bezeichneten Phänomenen zum Ausdruck kommt, egal ob es sich dabei um einen Frosch, einen Fluss oder die aufgehende Sonne handelt.

Schlaf als Zwischenwelt

Träume galten als Übergangswelt zwischen dem Jenseits und dem Diesseits, der Schlaf als Zone zwischen Leben und Tod, was ihn zu einem recht ambivalenten Gebiet machte. Tatsächlich war der Tod auch physischer Ort, denn das Westufer des Nils, dem Standort vieler Nekropolen war im Grunde schon Totenreich. Dort wo die grüne Oase des Nils aufhörte und die Wüste begann, war auch die Grenze zum Nichtkontrollierbaren für den Menschen, das Reich des Geheimnisvollen und nur noch Erahnbaren, dass sich im flimmernden Horizont ins Unendliche verlor. So sind auch gerade viele Gottheiten, die der Wüste zugeordnet werden, meist sehr ambivalente Gottheiten, die grausam und zerstörerisch, aber auch schützend und kriegerisch sein können. Die wohl bekannteste aller Wüstengottheiten ist der Gott Seth, der den Sonnengott Re auf seiner Verjüngungsfahrt durch die Unterwelt vor der dämonischen Schlange Apophis schützt, die diesen zu verschlingen droht. Doch auch Hasen, Löwen, Schlangen, Falken tauchen in ihrer vergöttlichten Form als typische Götter der Wüste auf.

Tod, des Schlafes Bruder

Der Tod an sich war in Ägypten geradezu unaussprechlich, ein Tabu also, was ungewöhnlich erscheinen mag, da die gesamte altägyptische Kultur auf den Tod ausgerichtet zu sein scheint. Tatsächlich aber zielt der ausschweifende Kult auf eine Überwindung des Todes ab, der ebenfalls als eine Art Schlafzustand interpretiert wurde, aus dem man erweckt werden konnte. Nicht etwa um als Mensch wieder ins Diesseits in das gewohnte Leben zurückzukehren, wie heutige Reinkarnationsideen häufig beschaffen sind, sondern um ein transfigurierter sog. “verklärter” Ahnengeist zu werden, der den Göttern gleich zwischen Unterwelt, Diesseits und Welt der Götter ungehindert umher wandeln konnte. Die Welt der Toten, Duat genannt, war ein wenig einladender Ort und man war bemüht die Verstorbenen mittels Totenkult schnell von ihrem dortigen Dasein als “ungerechtfertigter Ahnengeist” zu erlösen. Dennoch wusste man wiederrum, dass die Durchquerung der Duat auch notwendig war, der Prozess des Todes durchlaufen werden musste um – gleich dem Sonnengott – am Ende der Reise verjüngt wieder in das nun ewige Leben zu treten. Die alten Ägypter waren sich der wunderbaren, aber auch gefährlichen Aspekte von Tod und Geburt durchaus bewusst und sahen darin keinen Widerspruch. Die verschiedenen Unterweltsbücher stellen den wichtigsten Teil der Totenliteratur dar und waren eine Art Reiseführer, die den Toten zusammen mit vielen Amuletten und magischen Schutzformeln mit auf den Weg ins Jenseits gegeben wurden.

Mache dein Haus im Westen trefflich
statte reichlich aus Deinen Sitz in der Nekropole
Nimm dies an, denn gering gilt uns der Tod,
nimm dies an, denn hoch steht uns das Leben.
Aber das Haus des Todes dient ja dem Leben.
(Lehre des Hordjedef, Sohn des Cheops, 4. Dynastie)

Feindselige Totengeister als Verursacher von Albträumen

Jene ungerechtfertigten Totengeister waren es, die man für Albträume zur Verantwortung zog. In Träumen, so glaubte man, war der Mensch in der Lage in die Duat einzutreten. Zeigten sich ihm dort Götter, galt dies als etwas positives, obgleich auch durchaus nicht alle Götter ein stets freundliches und wohlwollendes Wesen besaßen. Jedoch konnte sich dem Träumenden auch gleichermaßen feindseligen Ahnengeister zeigen, ihm den erholsamen Schlaf rauben und ihn sogar bis in den Tag verfolgen und im schlimmsten Fall auch dort für Unglück sorgen. So erklärt sich, dass man sehr bemüht war die Rechtfertigung der Totenseelen vor dem Göttergericht in die Wege zu leiten, selbst wenn es dafür nötig war in Grabmalereien und -schriften ein wenig zu flunkern und den Lebenswandel des Verstorbenen arg zu beschönigen. Hier zeigt sich auch deutlich der Unterschied von einem Totenkult zum Ahnenkult. Im Allgemeinen war man beruhigter, wenn die Toten dort blieben, wo sie hingehörten: im Jenseits.

Totenkult oder Ahnenkult?

Lediglich im Neuen Reich manifestierte sich ganz untypisch für die vorhergehende Zeit im Alten und Mittleren Reich geradezu ein echter Ahnenkult und man war sogar darum bestrebt den Verstorbenen das sog. Herausgehen am Tag so angenehm wie möglich zu gestalten, gerade um sie zu besänftigen, aber auch um sich ihre Hilfe im Jenseits zu Nutze zu machen. Regelmäßige Opferungen an den Grabstätten, das Einrichten von Scheintüren an den Grabdenkmälern und sogar das Pflanzen von ganzen Gärten mit kultspezifischen Pflanzen, die die Ahnengeister zum Verweilen einluden waren allgemeiner Usus im neuen Reich. Die wohlwollenden und gerechtfertigten Ahnengeister, die “Akhu”, wurden als Berater und Helfer in andersweltlichen Belangen herangezogen, gerade wenn es Konflikte mit böswilligen Ahnengeistern gab oder auch als Mediatoren im Dialog mit den Göttern selbst. Unzählige Briefe von Lebenden an die Verstorbenen zeugen noch heute davon.

Die Duat (“Binsengefilde”) Pap. Ani (ca. 1275 v. Chr.) Wikimedia Commons

Praktischer Umgang mit dem Andersweltlichen

Die Traumwelt wurde also als eine Welt gesehen, die vom Träumenden nicht unmittelbar kontrollierbar war, also mussten Umwege und indirekte Maßnahmen ergriffen werden um sich vor den negativen Erscheinungen der Duat zu schützen, die sich unter Anderem in Form von Albträumen zeigten. Die Inhalte von Albträumen sind kaum oder nur vage angedeutet überliefert, denn genau wie der Tod selbst, waren auch Albträume tabuisiert. Das Tabu hat nichts mit einer Form der kollektiven Verdrängung zu tun, sondern ist bereits eine Art magische Intervention und wie eine Art damnatio memoriae zu verstehen. Das Aussprechen, Benennen und insbesondere das Aufschreiben von Dingen galt bereits als magisch-manifestierender Akt, den man hier natürlich so gut wie möglich zu verhindern suchte.

Interessanterweise gab es auch keine Gottheit, die für Träume zuständig war. Weder als Verursacher noch als Beschützer. Jedoch wurden unterschiedliche Gottheiten in diesen Belangen um Hilfe gebeten und typische Volksgottheiten wie Bes oder Tawaret, die in Hausschreinen verehrt wurden, waren auch mit der Aufgabe betraut Dämonen und böse Geister von Heim und Familie fernzuhalten. Vor allem um Schwangere und Kinder sorgte man sich dabei. Weitere Nachtwächter konnten auch in Gestalt von Krokodilen, Löwen, Panthern, Nilpferden und sogar Seth in seiner Tierform auftauchen.

Faience-Figur der Göttin Tawaret mit Uräusschlange aus der Spätzeit, British Museum, Wikimedia Commons

Das Feuer galt als äußerst wirksam gegen nächtliche Heimsuchungen, zum einen da es die Nacht erhellen konnte und zum anderen weil Feuer das Bannungselement nach altägyptischem Verständnis schlechthin ist, da es in der Mythologie vielfach dazu dient die Feinde der Ma’at, der kosmischen Ordnung, zu bekämpfen. So wird nachvollziehbar, warum Bettpfosten und Bettpanelen häufig Schlangensymbolik zierte, da Kobras zum einen ein Symbol kosmischer Ordnung waren wie die Uräusschlange, Schutzgottheiten wie die Kronengöttin Wadjet und außerdem durch ihren “Feueratem” in der Lage waren Feinde zu bekämpfen. Der Feueratem der Schlangen ist auf das brennende Gift der Schlangen zurückzuführen, welches Kobras auch über beachtliche Entfernungen ausspeien können. Die altägyptische Form von “Traumfängern” waren aus Ton geformte Uräen mit denen Schlafräume ausgestattet wurden.

Grün glasiertes Kobra-Amulett aus Keramik, Neues Reich, Harrogate Museums and Arts, Wikimedia Commons

Aus einer Totenklage im Grab eines Nefersecheru zur Zeit Ramses’ II

Das Haus derer im Westen,
es ist tief und dunkel
Keine Tür, kein Fenster ist in ihm,
kein Licht zum Erhellen
kein Nordwind, das Herz zu erfrischen.
Die Sonne geht dort nicht auf.
Sie werden allzeit im Schlafe liegen
wegen der Finsternis auch bei Tage.

Die Nachtwächter in Form von Panthern sind besonders interessant, da das Pantherfell zur traditionellen Ausstattung des sog. Sem Priesters gehörte, der damit seine Fähigkeit zwischen dem Diesseits und dem Jenseits zu wandeln demonstrierte. Der Sem Priester kommt in seiner kultischen Aufgabe den Schamanen der Prädynastik am nächsten, den er bedient sich auch als einziger eines meditativen- oder tranceartigen Zustandes um in die Duat zu reisen und dort die Seelen der Verstorbenen während des Totenrituals einzufangen, zu geleiten und in ihren ewigen Wohnsitz als verklärter Ahnengeist zu überführen. Man nennt diesen Abschnitt des Totenkultes auch den “Schlaf des Sem”, dessen Ursprünge weit in das Alte Reich, evtl. sogar in die Prädynastik zurückreichen. Das Pantherfell steht auch in Verbindung mit einer Gottheit des Alten Reiches, nämlich der Himmelspanther, auch verehrt als die Duatgottheit Mafdet, deren Wirken als lebenserhaltend, die Toten schützend aber durchaus auch rächend und richtend galt.

Der Schlaf als Schwelle und kultisches Element

Der leitende Priester spricht im Verlauf des Totenrituals zum Sem:

“Verhüte, dass er [der Verstorbene] umherirre. Daß keine Störung mit ihm sei.”

Und der Sem spricht stellvertretend als Sohn des Verstorbenem zu diesem:

“Ich bin gekommen Dich zu suchen/umarmen, ich bin Horus. Ich habe Dir deinen Mund eingefügt, ich bin Dein Sohn der Dich liebt.”

Danach legt der Sem das Pantherfell an und projiziert den Geist des Verstorbenen in eine Statue, die in einer Prozession unter Schutz und Aufsicht des Sem und der Priesterschaft zum Grabmal getragen wird.

Sem Priester mit Pantherfell der eine Wasservase hoch hält, Ausschnitt aus einer Totenstele ca. 1400 – 1350 v. Chr., Walters Arts Museum, Wikimedia Commons

An der Sphäre des Traumes wird deutlich wie fließend die Grenze zwischen dem Diesseitigen und dem Jenseitigen für die Alten Ägypter war. Vielmehr ergibt sich eine Dynamik parallel erscheinender interagierender Seinszustände des Individuums, die auch an der altägyptischen Seelenmatrix in Erscheinung tritt. Ohnmacht, Bewusstlosigkeit, Schlaf sind Zustände die dem Tode ähneln und potentiell bedrohlich sind, aber auch den Übertritt in die Welt der Götter ermöglichen und natürlicher Bestandteil des Lebens sind. Der Kontakt mit den Göttern und Geistern, war daher durchaus nicht nur dem Klerus und dem Pharao vorbehalten, er war lediglich in den Tempeln institutionalisiert und organisiert um den Göttern den Aufenthalt unter den Menschen angenehm zu gestalten und zu verhindern, dass sie sich entfernten und der Staatspolitik den religiösen Überbau zu verleihen. Zahlreiche religiöse Fetische aus dem Bereich der Volksmagie zeigen, dass auch der einfache Ägypter den Göttern nicht fern war und ihre Präsenz zu seiner alltäglichen Wirklichkeit gehörte. Letztlich ist auch dies ein Hauptfaktor für die erstaunliche Beständigkeit des Polytheismus in Ägypten, denn wie auch immer der Staatskult gerade beschaffen war, welche Gottheit auch immer gerade oberste Staatsgottheit war, die Ägypter waren emanzipiert genug in ihrer persönlichen Spiritualität, dass sie mit den Geistern und Göttern selbst zu interagieren wussten.

Literatur:

Die Wandlungen des Sem-Priesters im Mundöffnungsritual. Hartwig Altenmüller
Tod und Jenseits im Alten Ägypten, Jan Assmann
Nightmares in Ancient Egypt, Kasia Szpakowska
Die Unterweltsbücher der Ägypter, Erik Hornung

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Wiederherstellung der Ma’at – ein Exorzismus

Verwünschungsmagie und Fluchrituale sind ein ganz natürlicher Bestandteil im Heka, der altägyptischen magischen Praxis. Ma’at, die kosmische Ordnung, wird nach altägyptischem Verständnis erhalten indem man ihr Gegenprinzip, Isfet, unermüdlich bekämpft, tötet und zerstört.

Gut und Böse?

Es kursiert hin und wieder die Ansicht, dass es in alten naturnahen Traditionen kein Gut und Böse gäbe, was leider keineswegs der historischen Realität entspricht und eher auf die Jung’sche Archetypenlehre zurückzuführen ist, die immer noch den allgemeinen Konsens in der Magieszene bestimmt. Das ultimativ Böse in der altäygptischen Mythologie ist weder ein moralisches Prinzip oder “Zerstörung”, sondern die Vernichtung jeglicher Existenz und allen Lebens. In einer Kultur in der die Erhaltung der Schöpfung das höchste und wichtigste Gut ist, ist alles was sie bedroht das Böse schlechthin. “Isfet”, wie es altägyptisch heisst, ist dabei also das Anti-Prinzip zu aller Schöpfung und allem Sein. Auch ist es nicht der Tod, denn dieser wird als notwendiger Bestandteil des Lebens betrachtet, wenn dieser auch durchaus einen erschütternden Eingriff in die Kontinuität des Lebens darstellen mag.

"Das Erschlagen der Schlange" by Sati

“Das Erschlagen der Schlange” by Sati

Am besten betrachtet man Isfet vor dem Hintergrund eines animistischen Weltbildes aus dem plötzlich alle Beseelung und damit alle Lebendigkeit herausfließt. Dieses Prinzip wird mit der dämonischen Schlange Apophis gleichgesetzt, die oft auch als das absolute Chaos gesehen wird. Allerdings besteht ein Unterschied zwischen dem Urchaos, die der Schöpfung zuvor geht, und Apophis. Das chaotische jedoch schöpferische Urwesen, das sehr furchteinflößende, chaotische und durchaus zerstörerische Aspekte hat ist das Urmeer Nun. Nun ist das absolute Abyss, die unendliche Dunkelheit und wurde als sehr bedrohlich, chaotisch und alles verschlingend erlebt. Diesem Abyss entspringen in einem der Schöpfungsmythen die “Chaos-Götter” der Achtheit von Hermopolis (alle frosch- oder reptilgestaltig). Dazu gehört unter anderem Amun, der einen sehr destruktiven fast bösen Aspekt hat in Gestalt einer Schlange, die die Schöpfung beinahe wieder zerstört. Das hat große Ähnlichkeit mit Apophis und ist möglicherweise eine Art Vorläuferform. Diese Schlange ist deutlich ambivalenter als Apophis, denn sie hat immer noch schöpferische Aspekte. Es ist das der Schöpfung von Anbeginn immanente Zerstörungspotential. Schöpfung ist in der altägyptischen Auffassung eher ein Akt der mit sehr viel Schrecken und Kampf der Kräfte einhergeht und alles andere als nur “schön” und “ein herrliches Werk”. Wer eine Geburt erlebt hat, weiss dass dieser Vorgang schmerzhaft, erschöpfend und mitunter sogar lebendbedrohlich sein kann.

Im Schöpfungsmythos von Heliopolis (wo Atum als Schöpfergott auftritt) taucht Apophis erst im Mittleren Reich als ewiger Widersacher von (Atum-)Re auf und schwimmt ebenfalls im Urmeer. Der Gott Seth ist der, der Re vor Apophis schützt und die Schlange mit seinem Speer tötet. Er ist der Bezwinger von Apophis und aufgrund seiner ihm eigenen Rauhigkeit und maskulinen Kraft dazu in der Lage. Dies macht ihn zu einem großen Beschützer der Schöpfungskraft, die sich in der solaren Energie des Re ausdrückt.

Das Ritual

Bei diesem Ritual arbeiteten sowohl mein Ritualpartner als auch ich mit Seth. Als Hauptfokus des Rituals wählten wir Folgendes:

Fast jeder kennt diese Menschen, die ständig versuchen, ihre Nase in Dinge zu stecken die sie nichts angehen und damit das Leben anderer empfindlich stören. Ganz gleich, ob man versucht mit ihnen geduldig, streng, freundlich, diplomatisch oder sogar aggressiv zu kommunizieren, sie begreifen es einfach nicht und hören nicht auf lebensnotwendige soziale Netze einer heftigen Zerreißprobe zu unterziehen. Einfach weil sie ignorante und egozentrische Kontrollfreaks sind, von Neid, Gier und Mißgunst getrieben, die nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind und es nicht ertragen, wenn andere etwas haben, dass sie auch gern hätten, aber nicht bereit sind dafür Opfer zu bringen.

Also Ritual-Choreographie wählten wir das “Zerschlagen der roten Töpfe”. Ein Ritual das bereits aus dem Alten Reich überliefert ist und regelmäßig zur Verrnichtung der Feinde des Königs praktiziert wurde. Unzählige Tonscherben zeugen heute noch davon. Die roten Töpfe (dšr.wt) galten als Stellvertreter für die Feinde die dabei rituell zerstört wurden. Das Zerschlagen konnte auf verschiedene Art durchgeführt werden.

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– die Gefäße wurden, mit einem Stößel zerschlagen
– es wurden zwei von ihnen gegeneinander geschmettert
– sie wurden einfach auf den Boden geschleudert

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Die Tongefäße konnten mit Ächtungstexten beschriftet sein, die meisten davon jedoch waren unbeschrieben und erfüllten allein durch ihre Farbe ihren Zweck, denn Rot galt als Farbe des Seth. Mein Tongefäß wurde Außen mit Hieroglyphen der Zerstörung beschriftet und innen mit der dämonischen Schlange Apophis, als Symbol für Isfet.

Über Facebook benachrichtigen wir alle unsere Freunde und luden sie ein für sie diesen Auftrag zu erledigen und die Ma’at wieder herzustellen. Ich war sehr überrascht über die vielen Namen die ich erhielt. Ich erfuhr unglaublich leidvolle und haarsrträubende Lebensgeschichten von Menschen die einfach nur den “Fehler” begangen hatten einmal zu viel zu verzeihen oder die schlichtweg so sehr an das Gute in Menschen glauben wollten, dass sie den Mißbrauch erst bemerkten als es zu spät war und sie bereits tief verletzt waren. Ich hätte gern jedem einzelnen von ihren Peinigern eine Lektion erteilt, doch ich sammelte diese Aggression und bündelte sie bis zum Moment des Rituals.

DSC_0214 Ich wachte früh auf. Ich benachrichtigte meinen Ritualpartner, dass ich nun beginnen würde. Ich beschriftete ein rotes Stück Papier mit allen Namen der zu verwünschenden Personen und rollte es zusammen. Für Verwünschungen benutze ich nie einen festen Altar, sondern baue einen, der hinterher wieder aufgelöst wird, damit nichts von den dunklen Kräften hängenbleibt. Ich entzündete eine Flamme im Tontopf und setzte die Papierschlange in Brand die sofort hohe Flammen spuckte. Während das Feuer brannt, began mein Ritualpartner mit seinem Teil der Arbeit.

Die erste Reise: Seth

Nachfolgend ein paar Auszüge aus dem Reisebericht  meines Ritualpartners, den ich gern so unverfälscht wie möglich wiedergeben möchte. Ich bitte zu bedenken, dass es sich hier um schamanische Reisen handelt, wie sie sich für uns – und nur für uns -darstellten.


Nur wenige meiner Verbündeten wollten das begleiten. Ich komme zu einem Kessel aus dem üble Schwaden dampfen. Der Kessel und die Schwaden stehen für die einzelnen Verwünschungen. Die Schwaden füllen eine ballonartige Lederkugel, die wie lebendig aussieht, ich packe sie und trage sie weiter. Seth ist auch da. Die Grenze der Maat zeigt sich als eine Art Mauer, die kreisrund um ein riesiges Gebiet geht. Dahinter ist Wüste. Seth zeigt mir, dass dies das Niemandsland sei, zwischen der Maat und allem was dahinter ist. Es sei der Platz ist um die Schwaden freizulassen.

Einige Gestalten erkenn ich sogar und einige drohen die Grenze zu überschreiten, was mich wütend macht. Seth beginnt zu laufen. Er ist unglaublich schwer als wären seine Knochen aus Stahl oder Eisen gemacht, er rennt wie ein rasendes Seth-Tier, knallt mit unglaublicher Energie durch Felsen usw. Ich sehe, dass er mit dem Speer durch die schlierige Grenzmauer sticht. Seth gibt mir zu verstehen, DAS ist Isfet.


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Zerstörung und Erneuerung

Nachdem ich also kurz Gelegenheit hatte mich zu erholen, beginnt nun wieder mein Part. Das Feuer ist erloschen und ich nehme einen großen schweren Hammer und zerschlage den Tontopf in kleine Scherben. Er bricht schon beim ersten Schlag in viele kleine Teile. Ich schlage weiter und spüre wie mich jeder Schlag erleichtert und etwas frei wird.

DSC_0222Dann beginne ich mit einem umfassenden Transformationsritual. Ich lege meine Kleidung ab und übergieße mich mit Tierblut. Ich bekomme jedesmal weiche Knie, wenn ich das tue. Ich spüre deutlich, wie viel Lebenskraft in Blut steckt, aber auch, dass es nur durch Schmerz und Leid zu gewinnen ist. Das Blut läuft über meinen Körper, mein Badezimmer sieht aus wie ein Schlachtraum. Für einen Moment spüre ich die Leute die bluten mussten, die verletzt und gedemütigt wurden. Mir ist fast nach Weinen zu Mute, ich habe einen kloß im Hals, aber ich mache weiter. Das Blut läuft mir fast in die Augen, es gerinnt und trocknet auf meiner Haut ein und spannt bei jeder Bewegung. Meine Füsse stehen in einer Blutlache und ich muss aufpassen, dass ich nicht ausrutsche. Mir fällt das Blutgefäß aus der Hand und zerbricht. Ich sammele rasch die Scherben auf, damit ich nicht hineintrete. Ich fühle mich schmutzig und sehne mich nach dem Moment alles herunterzuwaschen. Dann endlich drehe ich das Wasser auf, wasche die Blutkruste von meiner Haut und sehe zu, wie auch das letzte Rot im Ausguss verschwindet. Ich mache eine Reinigung mit Natron, einer Lavendelräucherung und Wasser und fühle mich erschöpft aber befreit. Ich lege frische Kleidung an und öffne meine Schreine. Nach den Opferhandlungen begebe mich auf eine Reise zu meiner Patronsgöttin Ma’at.

Die zweite Reise: Ma’at

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Ma’at kommt sofort zu mir runter geschwebt. Sie sieht durchsichtig aus und fühlt sich an wie ein Windhauch. Sie umarmt mich, ich scheine mich in ihr aufzulösen. Das ist nicht neu für mich. Wind kommt auf, die Flut setzt ein und die Furchen in dem trockenen dürren Boden füllen sich mit Wasser. Irgendwo weit weg sehe ich die Göttin der Flut Anuket über dem Wasser schweben. Das Wasser steigt, meine Füße stehen im Wasser, ich breite die Arme aus und der Wind fängt sich in meinen Haaren, Ma’at dringt in meinen Körper ein, zieht mich an wie ein Kleidungsstück, ich weiche ihr völlig in mir und überlasse ihr meine Form. Überall stehen vereinzelt die Leute für die wir gearbeitet haben im Wasser. Erschöpft, traurig, auf den Boden starrend, in sich versunken. Ein paar kenn ich, ein paar nicht. “Missbrauch von Gutmütigkeit” das Thema schwebt irgendwie über allem. Keine naive, leichtgläubige Gutmütigkeit, sondern eine hoffende. Aus der Sehnsucht heraus ein gutes Netz zu schaffen, das trägt, damit auch die eigenen Verletzungen endlich heilen können, Kraft geschöpft werden kann. Und immer wieder die, die jedes Entstehen von guter Vernetzung sofort zerreißen müssen. Aus reiner Gier nach Bewunderung und Selbstaufwertung. Ma’at geht zu jedem einzelnen hin und umarmt sie. “Ma’at wird von innen zerstört nicht von außen. Isfet ist ein Gift, dass durch die Ma’at hindurchsickert” erfahre ich. Die Sonne geht auf, der Wind ist sanft und kühlend, Ma’at hat ihre Flügel ausgebreitet, ich stehe unter ihr auf dem Boden. Die Leute die herumstehen wachen plötzlich auf, schauen einander an, wirken erleichtert. Das Wasser sinkt und plötzlich beginnt überall grünes Gras zu sprießen. Ma’at gibt mir zu verstehen, dass ich jetzt gehen kann, wenn ich möchte also kehre ich zurück.


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Neubeginn

Das Ritual ist zu Ende alles fühlt sich neu, klar und rein an. Ich habe Hunger und fühle mich leicht euphorisch. Ich benachrichtige meinen Ritualpartner und wir sind beide zufrieden mit unserer Arbeit. Wir haben unser Bestes getan um die Ma’at wieder herzustellen.

Dua netjeru, dua Ma’at! :)

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Zaunkönig Schamanismus

Mein ganz besonderer Dank gilt natürlich meinem Mit-Kemetic Sa-Setem.
Ohne ihn wäre das ganze nicht möglich gewesen.

Nekhtet!!

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