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Altägyptische Symbole und ihre Bedeutungen

Die altägyptische Kunst ist voller Symbole mit tiefer magischer und mythischer Bedeutungen. Allein die Gardiner Liste, das Hieroglyphenverzeichnis des Alan Gardiner, umfasst 26 Gruppen mit 763 Zeichen. Viele altägyptische Symbole sind auch in der modernen New-Age- und Esoterikwelt adaptiert worden, teilweise mit abenteuerlichen Interpretationen. Hier sollen die wichtigsten Symbole die im altägyptischen Kult und Alltag Anwendung fanden vorgestellt und erklärt und ihr Bedeutungsspektrum beleuchtet werden. Natürlich ist diese Auflistung beliebig fortzusetzen.

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Auge

In der altägyptischen Symbolik werden zwei Augen unterschieden:

  • das Horusauge auch Mondauge oder Udjatauge genannt
  • das Auge des Re oder auch Sonnenauge genannt

Das Udjatauge ist das von Thoth geheilte Auge des Horus nach seinem Kampf um den Thron mit seinem Onkel Seth. Daher werden diesem Symbol auch heilerische Aspekte zugesprochen. Es wird in Form eines linken Auges dargestellt. Im Zyklus des Mondes sahen die alten Ägypter diesen Mythos ebenfalls verwirklicht, der zunehmende Mond stellte für sie den Heilungsprozess des Auges dar. Da gelegentlich Sonne und Mond gleichzeitig am Himmel zu sehen waren, wurden sowohl Sonne und Mond als Himmelsaugen interpretiert. Der Mond stellt also keinen Gegenpol zur Sonne dar, sondern ist vielmehr eine kleine Sonne. Die einzelnen Bestandteile des Mondauges stellen außerdem altägyptische Volumenmaßeinheiten dar.

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Das Sonnenauge ist ein rechtes Auge. In den Pyramidentexten wird es als “Auge des Re, das in der Nacht empfangen und täglich neu geboren wird”. Dieser Satz nimmt Bezug auf den Sonnenzyklus, die nächtliche Verjüngungsfahrt des Re, der im Westen seine Reise durch die Unterwelt antritt um am nächsten Morgen verjüngt im Osten wieder hervorzukommen. Ein sehr wichtiger Zyklus, dessen Wiederkehr gleichbedeutend mit dem Erhalt der Schöpfung ist. In einem weiteren Mythos erzählt von dem Sonnenauge, dass vor Zorn gegen den Sonnengott von diesem fern bleibt, so dass Thoth zu Hilfe eilt um den Zorn des Sonnenauges zu besänftigen. Das Sonnenauge wird hier mit der löwengestaltigen Tefnut assoziiert. Dieser Mythos hat große Ähnlichkeit mit dem Rachefeldzug der Sachmet, einer weiteren Löwengöttin, die auszieht um die Menschheit vor Zorn zu vernichten, die sich vom Sonnengott abwendet. Tatsächlich werden viele weibliche Gottheiten, die als Töchter des Re bezeichnet werden auch “Auge des Re” Gottheiten genannt und stellen Vollstreckergottheiten des Sonnengottes dar.

Ankh

Um das Ankh ranken sich viele Mythen, nicht alle davon entsprechen wirklich der authentischen Bedeutung dieses vielverwendeten Symbols. In vielen Götterdarstellungen sieht man das Ankh in der Hand der Götter, als Hieroglyphen steht das Ankh schlichtweg für “Leben”.

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Über die Herkunft dieses Symbols gibt es ebenfalls verschiedene Theorien, Alan Gardinder vermutete, dass es sich um Sandalenriemen handelt, da das anlegen der Sandalen und Aufrichten der Mumien nach vollzogenem Totenkult einen zentralen Akt der Wiederauferstehung der Toten darstellt.

Die aktuell wahrscheinlichste Theorien besagt, dass es sich um einen Rückenwirbel eines Stiers handelt. Stiere wurden anlässlich von Totenriten geopfert und man hoffte deren Lebenskraft unmittelbar auf den Verstorbenen übertragen zu können, indem man einen Rinderschenkel abtrennte und die Mumie damit berührte. Später wurden symbolische Ritualwerkzeug dafür verwendet. Die Wirbelsäule galt ebenfalls als tragender Körperteil der Lebendigkeit. Betrachtet man einen Stierwirbel von oben, so erhält man tatsächlich die Form eines Anks. Die Theorie, dass es sich um die symbolhafte Vereinigung von Mann und Frau handeln könnte, ist inzwischen überholt. Eine weitere Vermutung besagt, dass es sich um eine Gürtelschnalle der Isis handeln könnte. Das Ankh ist ein starkes Schutzsymbol aber auch Heilamulett.

Ka

Beim Ka-Symbol handelt es sich um zwei erhobene oder ausgebreitete Arme. Es stellt sowohl eine Umarmung, als auch die sog. Henu-Geste, eine rituelle Geste der Ehrung, dar. Eine Umarmung ist ein Akt des Schützens und ein Ausdruck von Zuneigung, doch für die alten Ägypter war sie noch viel mehr. Eine Umarmung stellte eine Übertragung von Lebenskraft dar. In einigen Mythen wird das Ka von den Göttern durch eine Umarmung verliehen. Dahinter steht ein Bewusstsein, dass die Verbundenheit der Menschen untereinander eine wichtige Lebensgrundlage für den einzelnen ist. Durch eine Umarmung wird also göttliche Kraft verliehen. Eines der schlimmsten Flüche war jemandem zu wünschen, dass sich sein Ka von ihm entferne. Üble Nachrede, übertriebender Liebeskummer, Lüge oder Egoismus galten als überaus schädlich für das Ka.

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Isisknoten

Das Tit-Amulett wird auch Isisknoten oder Isisblut genannt. Aus den Totenbüchern ist folgender Spruch überliefert:

Dein Blut gehört dir, Isis,
deine Zaubermacht gehört dir, Isis,
deine Zauberkraft gehört dir, Isis.

Das Amulett ist der Schutz des Großen und behütet (ihn vor) dem,
der Verbrechen an ihm begeht.

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Es sieht aus wie ein Ankh mit nach unten hängenden Seitenschlaufen. Es handelt sich dabei um ein Knotenamulett, wurde aber auch häufig aus Karneol, roter Fayence oder Glas gefertigt um besonders Frauen, Schwangere und Gebärende zu schützen. Doch auch als Grabbeigabe fand man es. Da Isis mit der Heilkunde assoziiert wurde, gilt es auch ein starkes Heilsymbol. Es steht jedoch auch in engem Zusammenhang mit der Göttin Hathor, die ausgeprägte mütterliche Aspekte besitzt. Manchmal wurde das Amulett auch mit einem Porträt der beiden Göttinnen versehen.

Djet

Der Djet-Pfeiler wird auch als Wirbelsäule des Osiris bezeichnet. Osiris ist das göttliche Idol, der für die Wiederauferstehung in das ewige Leben nach dem Tod steht und jeder Mensch strebte danach es ihm gleichzutun. Die alten Ägypter glaubten daran in der Kraft der Seele des Osiris die gleiche Wiederbelebung wie er erlangen zu können. Das Errichten von Djetpfeilern, also tatsächlichen physischen Pfeilern in Form eines Djets, war ein rituelles Symbol der Wiederauferstehung, ähnlich dem Aufrichten der Mumien nach vollzogenem Totenkult. So ist der Djet ein Symbol der Ewigkeit und des ewigen Lebens. Da der Zustand des Osiris auch als Vollendung betrachtet wurde, besitzt der Djet-Pfeiler im Gegensatz zum Ankh, das ebenfalls für das Leben steht, noch den Aspekt der Vollkommenheit.

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Sa-Schleife

Ähnlich wie das Ankh findet man auch die Sa-Schleife häufig in der Hand von Göttern, besonders Tawaret und Bes. Als Hieroglyphe bedeutet das Sa “Schutz” und dies ist auch die Bedeutung dieses Symbols. Man vermuetet, dass es sich bei der Darstellung um eine zusammengerollte und gefaltete Schilfmatte handelt, die den Menschen in der Wüste nachst Schutz bot. Da Tawaret und Bes vor allem Schützer vor Dämonen waren, ist auch das Sa-Symbol ein besonderes Schutzsymbol vor den Geschöpfen der Dunkelheit, die bevorzugt nachts ihr Unwesen trieben.

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Straußenfeder

Die Straßenfeder ist ein typisches Symbol für die Göttin Ma’at. Ma’at ist die Göttin der gleichnamigen kosmischen Ordnung, die Begriffe wie konnektive Gerechtigkeit, Balance, Weltenordnung und soziale Verbundenheit umfasst und ein Garant für den Erhalt der gesamten Schöpfung ist. Denn ohne die Ma’at zerfällt alles in ihr Gegenprinzip Isfet, das zerstörerische Chaos, die Anti-Existenz schlechthin. Beim Totengericht wurde das Herz des Verstorbenen gegen die Feder der Ma’at aufgewogen, da es alle Taten des Menschen zu Lebzeiten speicherte. Verstieß dieser gegen die Ma’at, war sein Herz schwerer als die Feder und seine Seele wurde der Seelenfresserin Ammit zur ewigen Vernichtung vorgeworfen.

Schlange

Aufgrund ihrer Fähigkeit sich zu häuten wird sie als Sinnbild der Verjüngung und Wiedergeburt verehrt. Doch steht sie aufgrund ihrer Unberechenbarkeit und Gefährlichkeit auch für Tod und Gefahr. Als Stirnschlange steht sie für die Weisheit der Götter und Pharaonen und steht dabei in enger Verbindung mit dem Sonnengott und dessen heimgekehrten Auge, das er aussandte um seine verlorene Tochter zu finden. Jedoch wird auch das antigonistische Prinzip der Ma’at, nämlich Isfet, in Form der dämonischen, allesverschlingenden Schlange A/pophis symbolisiert. Der “Feueratem” ist vermutlich auf die verbrennungsartigen Verletzungen zurückzuführen, die ihr Gift verursachen kann, das macht sie aber gleichsam zu einer starken Schützerin. Feuer erhellt die Nacht, so wurden Bettpfosten mit Schlangen versehen um dunkle Gestalten wie ruhelose Totengeister oder Dämonen fernzuhalten, die Menschen vor allem in ihren Träumen heimsuchten.

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Skarabäus

Aufgrund der Eigenart des Mistkäfers seine Eier in kleinen Dungkugeln abzulegen, aus denen dann neue Mistkäfer schlüpften, wurde dieser zu einem ultimativen Symbol der Wiedergeburt. Aus totem Material (Dung, Mist, etc.) wurde wieder neues Leben. Außerdem stellte man sich vor, dass der Skarabäus die Sonne über den Himmel schob, wie er seine Mistkugeln rollte. Die Sonne stellt die reine Schöpfungskraft dar, was auch den Skarabäus zu einem solaren Wesen machte. Der Gott der mit dem Scarabäus assoziiert wurde heisst Chephre und trägt skurilerweise einen ganzen Mistkäfer als Kopf. Er gilt als eine der drei Gestalten des Re, neben Harachte, der Mittagssonne und Atum der Abendsonne.

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Was

Eines der ältesten Symbole der altägyptischen Mythologie. Das Was-Zepter ist ein Machtsymbol und besteht aus einem Schaft, der manchmal auch spiralförmig ist, einem stilisierten Tierkopf, der vielleicht einmal einen realen Vorläufer gehabt haben mag, sowie einem gegabelten Ende. Letzterer erinnert an einen Hirtenstab und wurde vermutlich benutzt um Schlangen zu fangen und damit die Viehherden zu schützen. Möglich ist auch ein schamanischer Ursprung aus der Prädynastik. Als Hieroglyphe heisst das Was-Zepter “Glück”, das Bezwingen von Schlangen symbolisiert die Macht zu schützen oder negative magische Kräfte zu bezwingen.

Mögliche Verbindungen gibt es auch zum sog. Schlangenhalspanther aus der Frühdynastik. Dabei handelt es sich um ein altägyptisches Fabelwesen, das jedoch auch im alten Mesopotamien Verbreitung fand. Die Bedeutung des Schlangenhalspanthers ist nicht mehr ganz eindeutig, aber man vermutet, dass es sich hier um Verkörperungen von Urgewalten der Natur handelt und um Unterweltswächter bzw. Schützer des Sonnengottes. Das würde auch der Bedeutung des Was-Zepters als “Himmelsstütze” entsprechen, eine sehr wichtiger Aspekt, denn das Herabstürzen des Himmels entsprach einem Weltuntergang.

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Lotos

Ähnlich wie der Skarabäus ist auch der Lotus, bei dem es sich um die himmelblaue Wasserlilie (Nymphaea caerulea) handelt ein Wiederauferstehungs- und Verjüngungssymbol. Dies ist auf die Eigenart der Blüte zurückzuführen sich bei Sonnenaufgang nach der Sonne auszurichten. Manche Darstellungen zeigen auch den Sonnengott als Kind auf einer Lotosblüte sitzend aus deren Inneren er geboren wurde. Dem Gott Nefertem, einem Schutzgott der Salben, Salböle und Düfte ist sie als Attribut zugeordnet, er ist dem Mythos nach aus den Urwassern auf einer Lotosblüte aufgetaucht. Seine zeitweilige Löwengestalt weist auf seine körperliche Kraft hin. Hinzukommt, dass die himmelblaue Wasserlilie berauschende Substanzen enthielt ähnlich dem Schlafmohn oder der Alraune, die vermutlich schon von den Alten Ägyptern genutzt wurden.

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  • Hans Bonnet, Lexikon der Ägyptischen Religionsgeschichte
  • R.T. Rundle-Clark, Myth and Symbol in Ancient Egypt
  • Robert Kriech Ritner, The Mechanics of Ancient Egyptian Magical Practice
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Rezension: “Nefertari’s Tarot”

Divination im Alten Ägypten

Vorweg sollte vielleicht erwähnt werden, dass das Tarot als Divinationsmethode seine Ursprünge im europäischen Mittelalter hat. Zwar gibt es eine Legende nach welcher das Tarot im Alten Ägypten entstanden sein soll, jedoch finden sich dafür keinerlei historische Belege.

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Divination allgemein fand im Alten Ägypten jedoch durchaus Anwendung, teilweise sogar um rechtlich relevante Entscheidungen zu treffen. Es gab verschiedene Orakel sowie im privaten wie auch im offiziellen Staatskult. Ein Beispiel für die Anwendung eines Orakels im Rahmen des Staatskultes ist z.B. das berühmte Amun Orakel der Siwa-Oase, das schließlich Alexander dem Großen zur Regentschaft verhalf. Traumdeutung war ebenfalls von großer Bedeutung, galt doch die Traumsphäre als Grenzbereich zwischen Diesseits und Jenseits. Götter, so glaubte man, erschienen einem bevorzugt im Traum um wichtige Hinweise und Botschaften zu überbringen. Belegt ist auch die Ölwahrsagung, also die Deutung von Öl das auf Wasser geträufelt wird oder die Lampenschau besonders aus der Zeit der Ramessiden.

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Das Nefertari Deck

Die Namenspatronin dieses Tarots ist die königliche Gemahlin Ramses II. aus der 19. Dynastie deren Portrait auch die Verpackung ziert. Berühmt wurde Königin Nefertari aufgrund ihres außerordentlich gut erhaltenen Grabes, das mit beeindruckend schönen Wandmalereien dekoriert ist. Man erkennt auch sofort, dass diese Malereien die Inspiration für die Bilder des Tarotdecks geliefert haben.

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Auch wenn Zukunftsschau im Alten Ägypten auf andere Weise betrieben wurde, ist das Nefertari Tarot durchaus als Divinationsmethode für Ägyptenbegeisterte und Tarot-Fans nutzbar! Die altägyptische Symbolik ist durchdacht und nicht nur Dekoration. Wer also mit dieser Bildsprache ein wenig vertraut ist, wird in diesem Tarot sicherlich weit mehr Deutungstiefe vorfinden als in einem traditionellen Tarot. Doch selbst wer darüber keine Kenntnis besitzt wird sich zumindest an der aufwendigen und schönen Gestaltung des Tarots freuen. Die Karten sind mit hochwertigem Golddruck versehen, der entgegen aller Vermutungen ausgesprochen gut hält – pflegliche Behandlung vorausgesetzt! Die Bilder haben einen leichten Used-Look vermutlich um ihnen ein antikeres Aussehen zu verleihen. Optisch sind die Karten wirklich ein Kunstwerk das Freude macht. Allein sie auf dem Tisch auszubreiten und im Licht schimmern zu sehen sorgt bereits für eine mystische, magische Stimmung.

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Deutung des Decks

Ein nicht unerheblicher Nachteil des Tarots ist, dass es dazu leider keinerlei Literatur zur Deutung gibt. Das Tarotset kommt mit einem kleinen Heftchen, dass nur wenig zu einer tiefergehenden Deutung beiträgt. Es bleibt zu hoffen, dass sich jemand dieser Aufgabe annimmt und ein entsprechendes Deutungswerk verfasst. Bis es soweit ist, kommt man nicht umhin sich mit den Standardwerken anderer Decks zu behelfen oder man geht rein intuitiv vor. Hier ist natürlich die Kenntnis altägyptischer Symbolik von großem Vorteil wie auch eine entsprechende Vorerfahrung mit Tarot allgemein. Ein anfängerfreundliches Deck ist das Nefertari sicher nicht.

Mit 78 Karten – 22 Trümpfe und 56 Karten der kleinen Arkana – ist das Nefertari Taort ähnlich wie das klassische Rider-Waite aufgebaut und mit der Deutungsliteratur dieses Decks lässt sich durchaus gut arbeiten. Die Karten liegen gut in der Hand und haben mit ca. 6x12cm eine angenehme Größe. Für die Hosentasche ist dieses Deck natürlich nichts, was den Karten selbst vermutlich auch nicht gut tun würde, doch für feierliche Legungen bei Kerzenschein sind sie bestens geeignet!

Das wichtigste nochmal in Kürze:

Name: Nefertari’s Tarot
Gestaltung: Silvana Alasia
Herausgegeben von Lo Scarabeo 2000
Zahl der Karten: 78
Große Arkana: 22
Kleine Arkana: 56

Kartengröße 6.60cm x 12.00cm
Sprache der Beschriftung: Englisch, Französisch, Deutsch, Italiensch, Spanisch

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Literatur:

  • Annette Imhausen,Tanja Pommerening, Writings of Early Scholars in the Ancient Near East, Egypt, Rome, and Greece
  • Fischer-Elfert, H.-W, Altägyptische Zaubersprüche
  • Sandra Sandri, Har-Pa-Chered (Harpokrates): Die Genese Eines Agyptischen Gotterkindes
  • Fotos: Sandra Pucher
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Ein altägyptisches Weihnachtsmärchen: Isis sucht Herberge

Die Metternichstele  aus der 30. Dynastie (380-342 v.Chr.) also zur Regierungszeit des Pharaos Nektanebos II, erzählt eine Geschichte der Isis, die auf den Rat des Gottes Thot hin mit ihrem neugeborenen Sohn Horus in die Sümpfe flieht um ihn vor Seth zu schützen. Seth hat zuvor seinen Bruder Osiris, den Vater des jungen Horus, getötet und trachtet nun auch dem Sohn nach dem Leben um den Thron des Osiris zu erben.

Detail der Metternich Stele, Horus, das Kind steht auf einem Krokodil, zwei Schlangen, zwei Skorpione, einen Löwen und eine Oryx-Antilope haltend, Foto: Eb.Hoop, Wikimedia Commons

Detail der Metternich Stele, Horus, das Kind steht auf einem Krokodil, zwei Schlange, einen Löwen und eine Oryx-Antilope haltend, Foto: Eb.Hoop, Wikimedia Commons

Die Geschichte wird in Ich-Form erzählt, es ist also Isis selbst, die berichtet.

<<Ich bin Isis und floh aus dem Spinnhaus, in das mein Bruder Seth mich gesteckt hatte. Aber Thot, der große Gott, das Oberhaupt der Wahrheit im Himmel und auf Erden, hat mir gesagt:
Komm doch, göttliche Isis! Es ist gut zu hören: Der eine lebt, wenn der andere ihn leitet. Verbirg dich mit deinem Sohn, damit er zu uns komme, wenn sein Körper stark ist und seine Kraft voll entwickelt, auf daß man ihn auf seines Vaters Thron setze und ihm das Amt des Herrschers der beiden Länder verleihe.>>

Isis wird von sieben Skorpionen begleitet, allesamt weiblich, wie den Namen zu entnehmen ist. Skorpione galten als Symbol magischer Heilkunst, die Gifte von Skorpionen und Schlangen beherrschen zu können, galt als heilsame Magie. Nicht umsonst trug Isis den Beinamen “die an Zaubern Reiche”.

<<Und so ging ich zur Abendzeit, und sieben Skorpione gingen hinter mir her, und sie dienten mir: Tefun und Befun dicht hinter mir; Mostet und Mostetef unter meiner Sänfte; Pitet, Titet und Matet sicherten mir den Weg. Ich rief ihnen ganz eindringlich zu, und meine Worte drangen in ihre Ohren:
Kennet keinen Schwarzen, begrüßet keinen Roten, machet keinen Unterschied zwischen vornehm und gering! Haltet euer Gesicht nach unten auf dem Weg! Hütet euch, den zu leiten, der mir nachstellt [Seth], bis wir das “Haus des Krokodils” erreichen, die “Stadt der beiden Schwestern” vor dem Sumpfgebiet hinter Buto!>>

Auf ihrem beschwerlichen Weg sucht Isis Unterschlupf bei einer wohlhabenden (“verheirateten”) Frau, die die Göttin nicht erkennt und ihr den Einlaß verweigert. Stattdessen findet Isis aber Schutz bei einer armen Frau, die in den Sümpfen lebt. Die reiche Frau wird nun aber für die unterlassene Hilfeleistung bestraft, indem alle Skorpione ihr Gift sammeln, einem einzige Skorpion eingeben und dieser den Sohn der reichen Frau sticht. Außerdem geht ihr Haus in Flammen auf.

Statue der Isis mit ihrem Sohn Horus

Statue der Isis mit ihrem Sohn Horus

Feuer und Gift tauchen in den Mythen oft sehr eng verbunden auf, so wird vom Schlangengift auch als Feueratem gesprochen. Vermutlich ist dies auf den oft brennenden Schmerz zurückzuführen, der durch Gifte verursacht wird.

<<Endlich erreichte ich die Häuser der verheirateten Frauen. Aber sobald mich eine vornehme Dame von weitem sah, schloss sie ihre Türe vor mir. Das verdroß meine Begleiter[die Skorpione].
Sie berieten sich miteinander über sie und legten ihr Gift zusammen auf den Stachel der Tefun. Da öffnete mir ein [armes] Sumpfmädchen seine Tür, und wir traten in ihre armselige Hütte ein. Tefun war schon unter den Flügeln der [ersten] Tür hineingeschlüpft und hatte den Sohn der Reichen gestochen. Da brach im Hause der Reichen Feuer aus, und es war kein Wasser da, um es zu löschen.>>

Verzweifelt vor Sorge um ihren Sohn läuft die reiche Frau in der Stadt umher und ruft um Hilfe, doch niemand erhört sie. Durch die laute Klage der reichen Frau wird nun aber doch das Mitgefühl der Isis geweckt, die ja selbst bald Mutter wird, ist sie doch auch die einzige die den unschuldigen Jungen von seiner Qual befreien kann. Sie nimmt sich des Kindes an und befiehlt dem Gift aus dem Körper des Jungen zu fließen und rettet ihm somit damit das Leben.

<<Sie rannte unter Wehklagen durch die Stadt, aber keiner kam auf ihren Ruf herbei. Da ward auch mein Herz betrübt um den Kleinen ihretwegen, weil es [das Herz] den Unschuldigen leben lassen wollte. Ich rief zu ihr: Komm zu mir! Siehe, mein Mund hat Lebenssprüche. Ich bin eine Tochter, in ihrer Stadt bekannt, weil sie das giftige Gewürm mit ihrem Spruche austreibt. Mein Vater hat mich die Wissenschaft gelehrt. Denn ich bin seine geliebte, leibliche Tochter.

Dann legte ich meine Arme auf das Kind, um den Verröchelnden zu beleben [und sagte]:
Gift der Tefun, komm, fließe aus zu Boden! Ich bin Isis, die Göttin, die Herrin des Zaubers, die den Zauber ausübt, glänzend im Beschwören. Jedes beißende Gewürm gehorcht mir. Tropfe herab, Gift der Mostet! Sause nicht herum, Gift der Mostetef! Steige nicht auf, Gift der Pitet und der Titet! Wandre nicht herum, Gift der Matet! Falle also ab, Maul des Beißenden! (…)>>

In diesem Moment erkennt die reiche Frau natürlich die göttliche Kraft der Isis. Aus Dankbarkeit über die Rettung ihres Sohnes vermacht sie nun all ihr Hab und Gut der armen Frau im Sumpf.

<<Das Feuer war erloschen und der Himmel wieder still durch den Ausspruch der Isis, der Göttin. Die Reiche kam herbei und brachte mir ihre Habe und füllte auch das Haus des Sumpfmädchens für das Sumpfmädchen, weil es mir seinen hintersten Winkel geöffnet hatte, während die Reiche krank war vor Leid die ganze Nacht hindurch. Sie hatte die Folgen ihrer Worte zu spüren bekommen: Ich Sohn war gebissen worden. Und jetzt brachte sie mir ihre Habe als Buße dafür, dass sie mir nicht geöffnet hatte.>>

Die Geschichte über die Herbergssuche der Isis hat erstaunliche Ähnlichkeit mit der klassischen Geschichte der Weihnachtsnacht. Auch hier wird das Göttliche, das in menschlicher Gestalt um Einlass bittet verkannt und abgelehnt. Ähnlich wie in der Weichnachtsgeschichte soll auch dieses altägyptische Märchen lehren, dass Götter auch im  Mitmenschen in Erscheinung treten können und es daher wichtig ist füreinander zu handeln ungeachtet des sozialen Standes. Dies wird auch in dem Satz ” Der eine lebt, wenn der andere ihn leitet.” zum Ausdruck gebracht. Mit Leiten ist gemeint, dass derjenige der mehr hat, denen geben soll, die weniger haben oder jene die mehr Macht haben, den weniger mächtigen zur Unterstützung moralisch verpflichtet sind. Denn dadurch “lebt” der einzelne, das heißt durch diese Handlungsmaxime der vertikalen Solidarität wird eine Gemeinschaft zur Lebensgrundlage des Einzelnen.

Der erwachsene Horus

Der erwachsene Horus

Bei der Metternich-Stele handelt es sich um eine magische Stele, deren Inschriften davon handeln Gifte und wilde Tiere zu beschwören um Menschen vor ihnen zu schützen bzw. sie davon zu heilen. So darf auch bei diesem Märchen von einem magisch wirksamen Märchen ausgegangen werden, eine Art erzählerischer Zauberspruch. Die Stele wurde durch das Übergießen mit Wasser aktiviert.

Eine weitere Interpretation der Geschichte der Herbergssuche besagt, dass Horus selbst durch Seth mit Skorpiongift vergiftet wurde und Isis ihn heilt. Der Sinn bleibt der gleiche, es geht also letztlich um die Heilung und Rettung des Horus, damit dieser den Thron des Osiris erben kann und somit die Linie der Königsgenerationen weiterführen kann – ein Garant für Frieden und Gerechtigkeit im Alten Ägypten. Von der Kraft des Horus versprach man sich gleichsam magische Heilung von Giften.

Literatur und Zitate:

  • Emma Brunner-Traut, Altägyptische Märchen: Mythen und andere volkstümliche Erzählungen
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Jahresendritual

Wie immer beginnt mein Ritual mit einer Reinigung. Dazu gehört das übergießen mit Wasser, dem vorher Natron zugesetzt wurde. Danach habe ich Ritualkleidung und -schmuck angelegt und erstmal meine Opferungsrunde gemacht, wie ich sie jeden Morgen mache. Wasser und Speisen für alle Götter.

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dsc_0006Nach dem Entzünden einiger Kerzen und des Räucherwerks habe ich den Opferungsaltar vor dem Hauptschrein errichtet und dekoriert. Nun ist der Zeitpunkt für die Öffnungszeremonie des Hauptschreins und das Darbringen der besonderen Opferungen für den heutigen Anlass gekommen. Auch einen kleinen pyramidenförmigen Bergkristall plazierte ich auf dem Altar, er soll später in einen Fluß verbracht werden und mit den Botschaften aufgeladen seine Wirkung entfalten.

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dsc_0010Um mich auf den Anlass nochmal gebührend einzustimmen, meditierte ich um nach den Vorbereitungen erstmal wieder zur Ruhe zu kommen. Bei der Meditation spürte ich wie eine Last auf meinen Schultern, ich war plötzlich traurig, besorgt und mir liefen ein paar Tränen aus den geschlossenen Augen. Ich hatte das Gefühl die bleierne Schwere aller Sorgen jener zu spüren, die mich um Hilfe gebeten haben. Eine verborgene Schwere von der nicht jeder immer das ganze Ausmaß erzählen mag. Es fühlte sich an, also ob gerade sehr viele Menschen Angst hatten, eine Angst, die sich auf größere Dinge bezog als nur die alltäglichen Probleme und Hürden des Lebens.

Was wird auf uns zu kommen? Uns alle?

dsc_0011Die Meditation war anstrengend, obwohl ich darin geübt bin. Ich versuchte immer wieder meinen Fokus auf Ma’at zu richten, was nicht so leicht war. Ja, Ma’at, das Prinzip kosmischer Ordnung, mit Weisheit und Weitblick, verkörpert von einer geflügelten Göttin. Ma’at, Weret Hekau, “die an Zaubern reiche” das konnten wir jetzt sicher alle gut brauchen. Ich eingeschlossen. Ein bisschen mehr füreinander da sein, ein bisschen weniger aggressives Abgegrenze, darin zueinander finden, dass das Leben für niemanden allein einfach ist. Dass es nicht darum geht, wessen Not die größte ist. Dass so viele Dinge mit denen wir uns so glühend identifizieren uns auch nicht helfen werden, wenn wir wirklich in Not sind; wohl aber der nächste Mensch, dessen Meinung wir vielleicht nicht mal mögen, aber der mit anpackt, wenn es Not-wendig ist. Was ist WIRKLICH wichtig, wenn wir in Not sind und wissen, dass wir es nur gemeinsam schaffen?

dsc_0008Ich beendete die Meditation und begrüßte die Götter mit dem traditionellen Henu, das Heben der Arme mit offenen Handflächen. Ich verkündete mein Anliegen, erklärte, dass ich für Menschen vorspreche würde, die die Unterstützung der Götter brauchen. Einzeln verlas ich im Namen jender, die mich angeschrieben hatten, die Bitten und schloß mit einer Bitte auch den Menschen beizustehen, die nicht den Mut gehabt haben sich persönlich an mich zu wenden, aber dennoch der Hilfe bedürfen.

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Die Kerzen werden noch eine Weile brennen und ich schreibe gerade diesen Bericht und bereite die Bilder vor.

Mögen die Götter jedem im neuen Jahr, Lebendigkeit, Wohlstand und Gesundheit schenken.

Ankh, Udja, Seneb!

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Warum “Jahreskreisfeste” im Alten Ägypten keine Rolle spielten

Immer wieder wird im Neuheidentum versucht die Jahreskreisfeste auch der altägyptischen Kultur zuzuordnen. Dass dies wenig sinnvoll ist hat einen sehr einfachen Grund: Ägypten liegt viel näher am Äquator und die Unterschiede in den Tageslängen in Abhängigkeit der Jahreszeit sind in Ägypten kaum spürbar.

Eine “Wiedergeburt des Lichts” gibt es daher ebenso wenig wie “die dunkle Zeit” o.ä. Naturphänomene der nördlichen Regionen. Daher haben die Sonnenwenden, die für den heidnischen Festtagskalender so wichtig sind kaum Bedeutung für den altägyptischen Festkalender.

Sonnenbewegungen in Äquatornähe

In den folgenden Grafiken  ist deutlich zu sehen, dass der Unterschied der Tageszeitlänge über das Jahr z.B. in Berlin bis zu 9 Stunden beträgt. In Kairo dagegen sind es 3,5 Stunden. Das bedeutet, dass die Sonne im Sommer weniger als 2 Stunden früher oder später untergeht als im Winter, während dies in nördlichen Regionen mindestens doppelt so lange dauert. In Skandinavien ist diese Spanne natürlich noch größer.

Tageslänge Kairo

Tageslänge Kairo

Tageslänge Berlin

Tageslänge Berlin

(Quelle: https://www.laenderdaten.info)

Im Alten Ägypten bestand der Tag aus 12. Tagesstunden welchen jeweils bestimmte Gottheiten zugeordnet waren und die Nacht gleichsam aus 12. Nachtstunden über die ebenfalls Götter regierten. Auch hier lässt sich also keinerlei Unterscheidung zwischen “Sommer” und “Winter” nachweisen.

Der nächtliche Sonnenlauf, Abbildung aus der Grabkammer Ramses III., nach Champollion, Wikimedia Commons

Der nächtliche Sonnenlauf, Abbildung aus der Grabkammer Ramses III., nach Champollion, Wikimedia Commons

Die Bedeutung des Nils für die Jahresrechnung

Ein wesentlich prägnanteres Naturereignis war hingegen die alljährlich wiederkehrende Nilflut. Diese wurde von den Monsunregenfällen im äthiopischen Hochland verursacht, die etwa Juni/Juli herrscht und damit eine kalendarische Nähe zur Sommersonnenwende der nördlichen Regionen aufweist. Die Wassermassen gelangten über das äthiopische Ursprungsgebiet des Nils in den ägyptischen Nil, verursachten weitläufige Überschwemmungen, die fruchtbaren Schlamm brachten und damit das Ende der Trockenperiode bestimmten. Demzufolge orientierte sich auch der altägyptische Kalender an den drei natürlichen Jahresphasen der Überschwemmung, der Zeit der Aussat und der Trockenheit und benannte die drei Jahreszeiten danach:  Achet, Peret und Schemu. Die meisten Festtage drehten sich auch um den Jahresbeginn, der mit dem Eintreffen der Nilflut zeitlich gleichgesetzt wurde.

AchetPeretSchemu

Die folgende Grafik zeigt die Verteilung der jährlichen Niederschlagsmenge in Äthiopien die nahezu identisch mit den Jahreszeiten des altägyptischen Kalenders ist. Der dunkelblaue Teil entspricht der Flutzeit, der gestrichelte der Zeit der Aussat und der gelbe Teil der Trockenperiode. Je nach Nilgebiet traf die Flutwelle früher oder später ein und damit verschob sich jeweils auch der Kalender.

Jahresdiagramm Niederschlagsmenge Äthiopien

Jahresdiagramm Niederschlagsmenge Äthiopien

Etwas später orientierte man sich am Aufgang des Sirius, der ungefähr zeitgleich mit der Nilflut eintrat. Ein weiterer Unterschied zu nördlich gelegenen Ländern, denn dort geht der Sirius gar nicht mehr unter und folglich auch nicht auf. Sternzyklen der sog. Baktiu-Sterne bildeten schließlich auch die Grundlage für die Sternuhren, die noch vor dem Anfang des Mittleren Reiches belegt sind. Die Baktiu-Sterne markierten jeweils die Dekane, also die 10-tägigen Wochen der altägyptischen Zeitrechnung. Das Jahr enthielt daher 36 Dekane – jede davon mit einem eigenen Dekan-Stern – und die 5 verbleibenden Tage zum Sonnenjahr galten als Heriu-renpet Tage, also als Tage “zwischen den Jahren”, die wiederrum im Juni/Juli zum Jahreswechsel datiert waren.

Diagonalsternuhr in Särgen des Mittleren Reiches im Alten Ägypten, Foto: NebMaatRa, Wikimedia Commons

Diagonalsternuhr in Särgen des Mittleren Reiches im Alten Ägypten, Foto: NebMaatRa, Wikimedia Commons

Feste wie die Tages-und Nachtgleiche oder die Sonnenwenden  finden also keinerlei thematische Entsprechnung im altägyptischen Kalender. Es gibt jedoch derart viele Festtage im altägyptischen Kalender, dass man mit etwas Kreativität einen persönlichen Kalender für die eigene hiesige Praxis festlegen kann, der mit dem üblichen heidnischen einigermaßen übereinstimmt. So steht auch gemeinsamen Festen mit anderen Heiden nichts mehr im Wege. Jedoch muss einem dabei klar, sein, dass es sich hierbei um eine rein neuzeitliche Adaption handelt und keineswegs um authentische Tradition.

 

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Horus = Jesus?

Alle Jahre wieder, etwa um die Weihnachtszeit, kursieren im Internet verschiedene Bilder, Textbeträge und Videos die Jesus von Nazareth mit dem ägyptischen Gott Horus gleichsetzen. Grundlage dieser Behauptung ist eine von Peter Joseph produzierte Filmserie mit dem Titel “Zeitgeist” die zwischen 2001 und 2007 veröffentlicht wurde. Die Serie bedient sich stilistischer Mittel des Dokumentarfilm und stellt eine Vielzahl an Verschwörungstheorien um das Christentum auf. Der Serie folgte immerhin eine ganze Bewegung (“Zeitgeist Movement”) die unterschiedliche alternative wirtschaftliche und politische Konzepte propagiert.

Internet-Meme zum Jesus-Horus-Vergleich

Internet-Meme zum Jesus-Horus-Vergleich

Neben der ägyptischen Mythologie müssen sich auch andere Traditionen des Altertums einiges an Verzerrungen gefallen lassen, hier soll jedoch nur auf den altägyptischen Teil Bezug genommen werden. Der Film stellt Behauptungen auf, die keinerlei historische Grundlage haben und die einer überaus detaillierten und gut erforschten Überlieferung zu widersprechen versuchen.


Im Folgenden möchte ich beispielhaft einige dieser Thesen herausgreifen und erläutern warum es sich hier um die schlichte Verbreitung von Unwahrheiten handelt.

“Horus ist der Sonnengott”

Das ist schlichtweg falsch. Es gibt in Ägypten einige Gottheiten, die als solare Gottheiten bezeichnet werden, darunter männliche wie weibliche Gottheiten. Das hat in erster Linie damit zu tun, dass die Sonne bzw. das Sonnenlicht als Schöpfungskraft verstanden wird und die Gottheiten natürlich auch Lenker dieser Kraft sind.

Die Gottheiten, die unmittelbar der Sonne zugeordnet werden sind Ra, Atum oder Chepre. Die Sonnenscheibe selbst wird von Aton verkörpert. Horus ist wie z.B. auch Schu ein Himmelsgott und hat damit einen Bezug zu Luft und Licht -insbesondere in seiner Unterform als Harachte- aber ein Sonnengott im eigentlichen Sinne ist er damit nicht.

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Außerdem gibt es nicht nur einen Horus, sondern neun verschiedene voneinander unabhängige Gottheiten, die Horus heißen. Meist aber wird mit Horus, Hor-sa-Aset also “Horus, Sohn der Isis” gemeint.

“Isis ist eine Jungfrau”

Es gibt keinerlei historischen Beleg dafür, dass Isis eine Jungfrau war. Isis zeugt Horus in einem ganz natürlichen geschlechtlichen Akt mit ihrem Gatten Osiris, den sie von den Toten erweckt hat. Sie verleiht ihm zu diesem Zwecke sogar noch einen neuen Phallus, der bei der Zerstückelung durch Seth verloren ging. Der Phallus wurde von Fischen verschluckt, die später innerhalb des altägyptischen Fischkults verehrt wurden. Es gibt aber auch Mythen die Hathor als Mutter des Horus ausweisen. Isis hat also absolut keine Alleinstellung als Mutter des Horus, wenn es auch der bekannteste Mythos sein mag.

Statue der Isis lactans

Statue der Isis lactans

Oft werden die Darstellungen der stillenden Isis mit den Darstellungen der stillenden Maria als “Beweis” für eine Übereinstimmung angeführt, jedoch dürften Darstellungen von stillenden Müttern sich grundsätzlich ähneln, so dass die Stichhaltigkeit dieses Arguments sehr fragwürdig ist. Selbst wenn die christliche Mythologie sich von den altägyptischen Darstellungen hat inspirieren lassen, wäre es äußerst gewagt zu schlußfolgern, dass Isis und Maria identisch sind.

“Anubis der Täufer”

Es gibt keinerlei historische Hinweise auf einen Akt der Taufe in der altägyptischen Religion. Selbst die vielzitierten “Einweihungen” sind aus historischer Sicht haltlos. Vielmehr ist die christliche Taufe von einem alltäglichen Reinigungsritual der Priesterschaften abgekupfert, welches regelmäßig vollzogen wurde ehe die Priester die Heiligtümer betraten. Dieses fand in der Regel durch einfaches Übergießen mit Wasser statt, dem Natron zugesetzt wurde und hatte den Zweck die Heiligtümer, die als Wohnstatt der Götter verstanden wurden, nicht zu verunreinigen.

Anubis ist ein Totengott, der die erste Mumifizierung vorgenommen hat, nämlich am Leichnam für Osiris. Er ist daher eine der Schlüsselfiguren im Mythos, der für den gesamten ägyptischen Totenkult als Vorbild dient. Er wird als Versorger der Toten verstanden und assistiert bei der Herzenswägung beim Totengericht.

“Horus wurde am 25. Dezember geboren”

Zunächst einmal gibt es keinen 25. Dezember im altägyptischen Kalender. Der altägyptische Kalender besteht aus 3 Jahreszeiten, nämlich Achet, Peret und Schemu. Diese werden wiederrum in jeweils vier Monate untergliedert. Da sich der Kalender nach natürlichen Rhythmen, wie die Nilflut oder der Aufgang des Sirius richtete, sind die Zeitpunkte dieser Jahresmarker je nach geographischer Lage unterschiedlich. Im Nildelta traf die Flut z.B. sehr viel später ein, als im Ursprungsgebiet, so dass sich auch der Kalender verschob.

Hinzu kommt, dass zum Teil mehrere Kalender im Alten Ägypten gleichzeitig Anwendung fanden. Der bürgerliche Kalender war am Mond orientiert und der Verwaltungskalender eher am Sonnenjahr. Durch die Anpassung von Mond- auf Sonnenkalender blieben am Jahresende 5 Tage im Mondjahr übrig, die als sog. Epagomenen bzw. Heriu-renpet (“Tage zwischen den Jahren”) bezeichnet werden. Diese wurden im Zuge der Kalenderangleichung zu Göttergeburtstagen erklärt, unter anderem auch für Horus. Die Epagomenen sind aber lediglich Teil des bürgerlichen Kalenders und tauchen im offiziellen Kultkalender überhaupt nicht auf. Der zweite Zusatztag wird als Geburtstag Horus zugeorndet und ist je nach geografischer Lage etwa Mitte Juni.

“Horus wird gekreuzigt”

Horus wird zu keiner Zeit in keinem einzigen Mythos gekreuzigt, nicht einmal getötet. Kreuzigungen waren zwar eine im altorientalischen Raum verbreitete Art der Hinrichtung und wurde von den Römern übernommen, doch es gibt nicht den geringsten Nachweis für eine Tötung des Horus. Auch nicht für die verbleibenden acht Gottheiten, die als Horus bezeichnet werden.

“Seth (Typhon) ist der Widersacher des Horus”

Das ist eine grobe Verzerrung der Mythologie. Seth ist kein Widersacher, er ist ein Gott wie jeder andere auch, der mit einer wichtigen Aufgabe betraut ist, nämlich die Schöpfung vor dem Untergang zu retten, indem er deren Widersacher, die dämonische Schlange A/pophis bekämpft. Er ist also keineswegs mit dem christlichen Satan gleichzusetzen. Der Konflikt zwischen Horus und Seth hat mit der Thronfolge zu tun. Seth erhebt Anspruch auf den Thron seines Bruders Osiris, den er ermordet hat, doch Horus besiegt Seth, so dass die Thronfolge auf die nächste Generation übergehen kann.

Seth vs. A/ophis

Seth vs. A/ophis

Der Kampf hat also eher den Charakter einer Reifeprüfung zwischen zwei Rivalen für den jungen Horus und betont die Bedeutung der Erbschaftslinie bzw. der physischen Tauglichkeit des Königs. Die Tatsache dass Horus Seth die Hoden abschlägt untermauert den phyischen Aspekt der Königswürde. Dieser Mythos, der erst im mittleren Reich auftaucht hatte vor allem einen politischen Hintergrund und war die mythologische Grundlage für die Königsfolge. Die Bezeichnung “Typhon” erhält Seth außerdem erst in der graeco-romanischen Periode, wo er in der Tat dämonisiert wird, was aber nicht seiner authentischen mythologischen Funktion entspricht.

“Horus hatte 12 Apostel”

Horus hatte keinerlei Gefolgschaft. Es gibt ein Göttergremium von 42 Göttern, die als Totengericht fungieren, doch diese unterstehen Osiris. Zwar hat Horus in Form des Pharaos einen menschlichen Bezug, da man den König teilweise auch als “Horus” bezeichnete, dies ist jedoch rein auf den Kult beschränkt und weist Horus als Königsgott aus. Der König selbst wird als lebendiger Horus verstanden und das Ka des Horus offenbart sich im König, was für die priesterlichen Aufgaben des Königs von Bedeutung war. Der König war ja nicht nur politisches sondern auch religiöses Oberhaupt des Staates, also ähnlich wie der Pabst für die Katholiken.

“Horus ist 3 Tage nach seinem Tod wieder auferstanden”

Da Horus nicht gestorben ist, ist er auch nicht wiederauferstanden. Der einzige Gott der eine Wiederauferstehung durchlaufen hat ist Osiris, nachdem Isis ihn wieder zusammengesetzt und magisch neu belebt hat. Damit wird er zum Vorbild für alle Toten, welchen mittels Mumifizierung und Totenkult zur Wiederauferstehung verholfen werden soll. Sicherlich mag der Wiederauferstehungsgedanke der Ägypter Inspiriation für das Wiederauferstehungsmotiv der Christen gewesen sein, jedoch hat Horus damit nichts zu tun. Er übernimmt lediglich die irdischen Aufgaben seines Vaters Osiris als König und schließt mit diesem einen Vertrag, dass dieser im Totenreich verbleiben und dort regieren möge.


Es gibt noch viele Behauptungen dieser Filmserie, die aus mythologischer und historischer Sicht jeglicher Grundlage entbehren, doch die o.a. Beispiele sollten reichen um zu zeigen, dass es sich bei den Inhalten dieser Filme um reine Fiktion handelt.

Sicherlich gibt es in der modernen Religionsforschung Hinweise, dass die semitische und die spätere christliche Theologie Motive und Rituale der altorientalischen und altlevantischen Kulte übernommen hat, doch davon auf eine Gleichsetzung zweier von über 1500 belegten altägyptischen Gottheiten mit den Schlüsselfiguren der christlichen Theologie zu schließen ist mehr als vermessen und gegenüber der jeweiligen Tradition auch ein wenig respektlos.

Literatur:

  • Jan Assmann, Tod und Jenseits im Alten Ägypten
  • Jan Assmann, Ma’at. Gerechtigkeit und Unsterblichkeit im Alten Ägypten
  • Hans Bonnet, Lexikon der ägyptischen Religionsgeschichte
  • R. T. Rundle Clark, Myth and Symbol in Ancient Egypt
  • G. A. Wainwright, The Origin of Storm-Gods –
  • Philip John Turner, Seth – A Misrepresented God In The Ancient Egyptian Pantheon?
  • Jeremy Naydler – Shamanic Wisdom in the Pyramid Texts: The Mystical Tradition of Ancient Egypt
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Kemetismus für Anfänger in 5 Schritten

Bevor Ihr loslegt, Kemeten zu werden, sei Euch folgender Artikel als Entscheidungshilfe empfohlen:

Kemetismus – ist das was für mich?

Was den eigentlichen Kemetismus vom reinen Faible für ägyptische Gottheiten unterscheidet, ist der Fokus auf die Orthopraxie.

Orthopraxie kommt aus dem Griechischen von orthos=richtig und praxis=Tun bedeutet also “das richtige Handeln”. Gemeint ist damit das Handeln im Sinne einer religiösen Praxis.

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Im Folgenden ein einfaches Schema in 5 Schritten, wie man am besten mit der kemetischen Praxis beginnt um überhaupt einen Einstieg zu finden.


1. Reinigung
Das klingt zunächst banal und unspektakulär, aber nahezu alle altägyptischen Rituale drehen sich entweder um eine Form der Reinigung oder enthalten kultische Reinigungsgesten. Im Rahmen von kemetischen Ritualen ruft der Mensch die Götter nicht zu sich herab, er steigt vielmehr zu ihnen auf und dieser Prozess des Aufsteigens wird durch den Ritus erreicht. Dazu gehört auch, dass man zumindest vorübergehend alles allzu menschliche abstreift, sich davon reinigt ehe man in Kontakt mit den Göttern tritt, denen man zwar mit großem Respekt, aber dennoch auf Augenhöhe begegnen darf.

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Traditionell reinigten sich die Priester im Alten Ägypten durch das Übergießen mit Wasser, dem zu vor Natron hinzugesetzt wurde. Auf ähnliche Weise kann man sich mit einer Mischung aus Wasser und etwas Salz oder noch besser Natron (dessen Herstellung hier beschrieben wird) übergießen. Wichtig ist dabei besonders auch alle Körperöffnungen zu reinigen, da sie als Eintrittspforten für schlechte Energien gelten. Es empfiehlt sich auch den Mund ausspülen, denn alles was durch den Mund tritt, und zwar nicht nur Speisen, sondern auch so manch negatives Wort, dass man sagt, hinterlässt Spuren und soll fortgewaschen werden. Im Anschluss an die Reinigung sollte man bewusst frische Kleidung anlegen, sofern vorhanden auch Ritualkleidung, und wenn man möchte kann man den Körper auch nochmal mit reinigenden Kräutern (Salbei, Lavendel, etc.) abräuchern. Empfehlenswert ist diese Reinigung fürs erste monatlich oder sogar wöchentlich durchzuführen.

2. Schrein

Der nächste wichtige Schritt ist einen heiligen Ort einzurichten, der den Göttern geweiht ist. Wer in seinem Lebensraum keinen Platz für einen heiligen Ort hat, wird ihn schwerlich auch in seinem Herzen finden. Der Schrein bzw. Altar ist also Symbol für den Platz, den man den Göttern in seinem Leben gibt.

Er muss keineswegs kostspielig und prunkvoll sein, wichtig ist vielmehr, dass er mit Liebe arrangiert wurde und sauber gehalten wird. Ein Schrein der zusätzlich als Ablage für Schlüssel, Taschentücher und Fernbedienungen dient wird schnell an Heiligkeit verlieren. Im Alten Ägypten wurde der Schrein auch “das Innere des Himmels” genannt, es ist also ein tatsächliches Stück Göttersphäre in der Welt der Menschen und sollte auch die entsprechende Pflege erfahren.

Sokar Schrein

Ein Bild, eine Figur, ein Kerzenhalter, ein Räuchergefäß und vielleicht eine schöne Unterlage reichen für’s Erste völlig aus. Man kann den Schrein entweder offen wie einen Altar errichten oder verschließbar in einem Schrank oder einer Holzschatuelle vor fremden Blicken geschützt. Ganz wie man es will.

Auch muss der Schrein keineswegs gleich einer bestimmten Gottheit geweiht sein, er kann auch ganz allgemein “den Göttern” geweiht sein.

3. Regelmäßige Rituale

Ist der Schrein errichtet, kann man zur eigentlichen Praxis übergehen und damit beginnen regelmäßige Rituale durchzuführen. Am beliebtesten und authentischsten sind tägliche Speise- und Trankopfer. Dazu kann man kleine Schälchen oder Gläser verwenden, die man mit unterschiedlichen Opfergaben füllt. Trockenobst wie Datteln, Feigen, Rosinen, aber auch Süßigkeiten und frisches Obst und Gemüse, Kräuter, Brotstückchen, Sämereien, Nüsse eigenen sich sehr gut als Opfergaben. Man kann sogar ein wenig von seinem eigenen zubereiteten Essen auf kleine Tellerchen arrangieren und opfern. Als Trankopfer eignet sich ganz schlicht klares kaltes Wasser. Es wurde bereits im Alten Ägypten den Göttern zur Erfrischung dargebracht. Aber auch Bier, Wein, Liköre, Fruchtsäfte, Tee, Kaffee können ebenfalls geopfert werden. Als Faustregel gilt, alles was man selbst essen würde, kann auch geopfert werden. Auf keinen Fall sollte man Küchenabfälle, verdorbene Speisen oder ähnliches opfern!

Auch ein Gebet oder ein Lied kann eine Opferung sein! Man kann also z.B. jeden Morgen einen Gruß an die Götter sprechen, ein Lied singen oder spielen oder die gleich mit der Speise- und Trankopferung verbinden um es besonders feierlich zu gestalten. Manche Opfern auch Schmuck, Bilder, Duftöle, Dekofiguren usw. Der Phantasie sind hier kaum Grenzen gesetzt, solange die Opferungen mit Liebe und Respekt erfolgen. Nach und nach wird man vielleicht auch die eine oder andere Vorliebe einzelner Gottheiten für bestimmte Opfergaben entdecken.

Opferungen für Bastet

Opferungen für Bastet

Man muss sich also keineswegs in Unkosten stürzen, sondern einfach ein wenig von dem was man hat abgeben. Wichtig ist auch, die Opferungen werden nicht weggeworfen! Es war im Alten Ägypten üblich, dass die Opfergaben an die Götter später von der Priesterschaft verzehrt wurden. Manche Opferungen wurden sogar recycled, indem man sie weniger bedeutenden Gottheiten darbrachte nachdem man sie den großen Gottheiten geopfert hatte. Dieser Zyklus hat auch seinen Sinn, denn es versinnbildlicht, dass es auch zwischen Göttern und Menschen ein Geben und Nehmen gibt. Wir opfern den Göttern, aber wir erhalten auch von den Göttern.

Meine Empfehlung ist nicht gleich alles auf einmal zu versuchen zu wollen, sondern lieber 2-3 tägliche Handlungen festzulegen und die erst einmal für mindestens 3 Monate durchzuhalten um einen eigenen Rhythmus zu finden. Mutet man sich zu viel zu, kann es sein, dass man reduzieren muss um die tägliche Regelmäßigkeit aufrecht erhalten zu können. Merkt man nach einer Weile, dass man durchaus mehr schafft, kann man weitere Handlungen hinzufügen. Wichtig ist nicht der Umfang der täglichen Praxis zählt, sondern ihre Regelmäßigkeit, denn darin zeigt sich die wahre Hingabe. Sie sollte gerade große genug sein, damit Verbindung zu den Göttern entstehen kann, aber klein genug, dass sie in den Alltag zu integrieren ist. 10-15 Minuten Zeitaufwand täglich sind hier ein guter Richtwert.

4. Studium der Götter und Mythen

Eins kann man versprechen geschichtsinteressierten Leseratten wird es im Kemetismus niemals langweilig. Das Informationsangebot aus dem Bereich der Ägyptologie ist riesig, aber auch sehr anspruchsvoll. Etwas schwieriger wird es mit dem Kemetismus als solches, denn die dazugehörige Literatur ist meist auf Englisch.

Viele fokussieren sich am Anfang vollkommen auf eine bestimmte Gottheit, was sehr schade ist, denn an einer einzige Gottheit lässt sich das hochinteressante mythologische Zusammenspiel der vielen ägyptischen Götter und Göttinen kaum erkennen. Daher ist es überaus lohnend, sich auch mit den anderen Götter zu befassen und so unterschiedliche Mythen wie möglich zu lesen. Dazu muss man noch nicht einmal in die Buchhandlung gehen. Es gibt sehr gut recherchierte Seiten im Internet die über die altägyptischen Mythologie Auskunft geben und in diesem Fall kann man auch Wikipedia ohne schlechtes Gewissen empfehlen. Es ist absolut ausreichend um sich erst einmal einen guten Überblick zu verschaffen und zudem noch gut verständlich geschrieben.

Relief im Innenraum des Hathor-Tempels von Deir el-Medina („Kloster der Stadt“), altägyptisch Set Maat („Platz der Wahrheit“), in Theben-West bei Luxor, Ägypten, Wikimedia Commons, Foto: Ralf Roleček

Relief im Innenraum des Hathor-Tempels von Deir el-Medina („Kloster der Stadt“), altägyptisch Set Maat („Platz der Wahrheit“), in Theben-West bei Luxor, Ägypten, Wikimedia Commons, Foto: Ralf Roleček

Ähnlich wie bei den täglichen Ritualen ist es sinnvoll auch hier eine Regelmäßigkeit anzustreben. Man kann z.B. täglich ein paar Seiten lesen oder sich wochenweise ein bestimmtes Thema vornehmen um mit dem mythologischen Selbststudium voranzukommen.

Gerade die verschiedenen Schöpfungsmythen, der Tod des Osiris, der Kampf des Horus gegen Seth oder der Mythos der Himmelskuh etc. sind wichtige Themen, die über das altägyptische Weltbild Auskunft geben. Zusätzlich kann man auch ein Tagebuch anlegen, in dem man eigene Gedanken und Eingebungen zu den verschiedenen Mythen notiert. Auch selbstkreierte Poesie wie Gedichte, Geschichten oder Gebete, kann eine schöne kreative Art des Umgangs mit den Mythen sein

5. Austausch mit anderen Kemeten

cauldronDer letzte Punkt gestaltet sich äußerst schwierig im deutschsprachigen Raum, da es leider immer noch sehr wenige Kemeten gibt. Der Erfahrungsaustausch mit anderen Kemeten ist aber gerade in der Anfangsphase besonders nützlich. Wer also das Glück hat andere zu kennen oder sich sogar auf den englischen Internetplattformen zu Hause fühlt, sollte diese Möglichkeiten unbedingt nutzen verschiedene Sichtweisen und Herangehensweisen kennenzulernen. Auch die täglichen Rituale gemeinsam zu begehen und hinterher zu reflektieren, kann zu einem noch tieferen Verständnis der kemetischen Ritualistik beitragen.

facebook-groupManchmal sind auch Anhänger anderer Traditionen durchaus tolerant gegenüber kemetisch Praktizierenden, so dass man sich auch traditionsübergreifend über Rituale und Erfahrungen austauschen kann. Auch ist natürlich niemand gezwungen sich ausschließlich auf die ägyptischen Götter zu beschränken. Es gibt genügend Kemeten, die auch Götter aus anderen Traditionen verehren.


Die altägyptische Religion wie auch der Kemetismus, also seine moderne Rekonstruktion, basieren vor allem auf dem regelmäßigen Tun und weniger auf der Rezitation von Schriften. Denn obwohl es eine schier unerschöpfliche altägyptische Überlieferung in Form von Tempelinschriften, Totenbüchern, Papyris usw. gibt ist die Religion der Altägypter keine Buchreligion. Weder gibt es eine Konfession zu der man sich bekennen müsste, noch gibt es starres Regelwerk dem man sich zu unterwerfen hat. Das Ziel der regelmäßigen Praxis begleitet von einem Studium der Grundinhalte der altägyptischen Philosophie ist ein tägliches Einüben und Vergegenwärtigen der wichtigen Inhalte bis die altägyptische Weltsicht ein ganz natürlicher Bestandteil der eigenen wird.

Auch wenn die täglichen Rituale am Anfang mühsam erscheinen oder sich keine überwältigenden Erlebnisse einstellen, baut man damit nach und nach eine solide Verbindung zu den Göttern auf, die gerade in Krisenzeiten unglaublich viel Halt geben kann, das sollte man nicht unterschätzen. Und es bildet ein gutes Grundgerüst um später einmal zu den großen Riten und der magische Praxis übergehen zu können.

hand in hand

In diesem Sinne,

em hotep, Willkommen in Frieden
und
dua netjeru, Ehre sei den Göttern!

 

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Altes Ägypten – was war vorher?

Die Zeit am Nil vor Beginn der Dynastien ist geprägt vom Auftauchen und Vergehen verschiedener teils seßhafter und teils nomadischer Kulturen. Um etwa 7500-3500 v.Chr. herrschte das Neolithische Subpluvial (=Neolithische Regenzeit), das die Sahara zu einer grünen und fruchtbaren Savanne mit zahlreichen transsaharischen Reiserouten machte. Als das nordafrikanische Grünland zunehmend austrocknete und sich zur Wüste entwickelte, wurden die nomadischen Jäger-und-Sammler-Völker vermehrt seßhaft und zogen sich an die Küstengebiete sowie an die fruchtbare Niloase zurück.

Nilflut an den Pyramiden von Gizeh, Wikimedia Commons

Nilflut an den Pyramiden von Gizeh, Wikimedia Commons

Haflan-Kultur

Von ca. 18.000 bis 12.000 v.Chr. siedelte die Haflan Kultur am Nil im Gebiet Ägyptens und Nubien. Erste Siedlungen lassen sich jedoch schon bis 24.000 v.Chr. zurückdatieren. Sie lebten teils nomadisch, es lassen sich aber auch Nachweise längerer Aufenthalte an einigen Orten finden. Zu den Artefakten dieser Kultur zählen Steinwerkzeuge und Malereien. Gelebt haben sie von der Jagd und der Fischerei, es gibt aber auch Hinweise auf die Haltung von Herdentieren.

Qadan-Kultur

Etwa 13.000 bis 9.000 v.Chr. besiedelt die Qadan Kultur das spätere Oberägypten. Sie lebten vorwiegend von der Jagd und sammelten bestimmte Wildgräser und Wildgetreide, die sie zubereiteten und konservierten. Auch sie hinterließen eine Reihe von Steinwerkzeugen zu denen auch Waffenteile wie Speer- und Pfeilspitzen gehörten. Auch weist diese Kultur Spuren ritueller Begräbnisse auf.

Harifian-Kultur

In der Negev Wüste im heutigen Iran ist die Harifian-Kultur von 8.800 – 8.000 v.Chr. belegt. Typisch für diese Kultur sind halb in den Boden eingelassene Wohnstätten. Sie lebten von der Jagd und ihre steinzeitliche Waffentechnik war bereits etwas entwickelter als die ihrer Vorläuferkulturen. Sie stehen in enger Verbindung mit der Fayum-Kultur, die zu den vorgeschichtlichen Kulturen des späteren Ägyptens zählen.

Nabta-Playa

Hier handelt es sich nicht um eine Kultur sondern um einen besonderen Ort von prähistorischer Bedeutung, der sich etwa 800km südlich von Kairo und 100km westlich von Abu Simbel befand, nämlich Nabta-Playa. Es handelt sich dabei um eine Salztonebene in der Nubischen Wüste.

Playas sind meist aus ganzjährig gefüllten Paläoseen entstanden, von denen es in der  Sahara mehrere gab. Zu den vier größten gehören Mega-Tschad  mit ca. 1,95 Millionen km² (also das 5-fache des Kaspischen Meers), der Darfur-Megasee (ca. 30.000 km²) und der Mega-Fezzan (ca. 150.000 km²). Das zunächst aride, also trockene Klima der Sahara hielt noch bis ca. 12.000 Jahre v.Chr. an, bis es sich ca. 7.000 allmählich zum Monsunklima entwickelte mit den typischen langanhaltenden Regenfällen, Überschwemmungsphasen und ausgedehnten Trockenperioden, die für die Grüne-Sahara-Periode sorgten. Diese Klimabschnitte bestimmen später die drei Jahreszeiten des altägyptischen Kalenders Achet (“Überschwemmung”), Peret (“Hervorkommen der Saat, Wachstum”) und Schemu (“Zeit der Hitze”) und werden zum mythologischen Thema unterschiedlichster kultischer Feste.

Skizze von Nabta Playa, Wikimedia Commons

Skizze von Nabta Playa, Wikimedia Commons

Bekannt ist Nabta-Playa vor allem für seine archäoastronomischen Monumente aus der Jungsteinzeit. Es handelt sich dabei um einen Steinkreis der noch 1000 Jahre älter als Stonehenge ist. Vermutlich war das Areal nur zeitweise besiedelt und diente als Sommerquartier für Halbnomaden. Die Zeitbestimmung war daher ein wichtiger Aspekt. Die ersten Keramikfunde in Nabta Playa können bis ca. 6000 v.Chr. zurückdatiert werden. Auch Spuren eines Rinderkults lassen sich nachweisen, aus dem sich der spätere in Ägypten so berühmte Hathor-Kult entwickelt haben könnte.

Nabta Playa Kalender Monument (Rekonstruktion im Aswan Nubia museum), Wikimedia Commons, Foto: Raymbetz

Nabta Playa Kalender Monument (Rekonstruktion im Aswan Nubia museum), Wikimedia Commons, Foto: Raymbetz

Fayum-Kultur

Zwischen 9.000 und 6.000 v.Chr. gibt es sehr wenig Funde, die auf eine Besiedelung hinweisen. Um 6.000 v.Chr. tauchen dann aber wiederrum Siedlungsspuren auf, die der Fayum-A-Kultur zugeordnet werden. Die Fayum-Kultur und wird in der Archäologie in Fayum A und Fayum B eingeteilt. Ihre Blütezeit herrscht um 4.500 v. Chr.

Die Fayummenschen lebten vor allem von der Jagd, Viehzucht, Fischerei und vereinzeltem Getreideanbau. Der Name Fayum stammt von der Gegend in der diese Kultur gefunden wurde, nämlich das Fayum-Becken eine große sumpfige Niederung im Niltal, die im Gegensatz zu ihrer Umgebung eine beachtliche Vegetation aufweist.

Die Fayyum Oase, Wikimedia Commons, Foto: cynic zagor (Zorbey Tunçer)

Die Fayyum Oase, Wikimedia Commons, Foto: cynic zagor (Zorbey Tunçer)

Über den Stand der Fortschrittlichkeit dieser Kultur geben unterschiedliche Funde Auskunft, so fand man unterschiedliches Werkzeug wie Beile, Bohrer, Kratzwerkzeug und Stichel. Darüber hinaus auch Sicheln, Messer (aus Stein) und Pfeilspitzen (zur Jagd und Verteidigung). Die Keramik ist typischerweise kugelförmig mit einem zylinderförmigen Hals. Auch Spuren der Webkunst sind zu entdecken.

In den Siedlungen finden sich Vorratsgruben außerhalb des Schwemmgebietes des Nils mit Feuerplätzen und Plätzen zur Verarbeitung des Jagdgutes. Dort fanden sich auch Überreste von Rindern, Nilpferden, Fischen, Schafen und Ziegen, die als Nahrungsquelle für die Fayummenschen gedient haben. Außerdem lassen sich schon typische landwirtschaftliche Zyklen erkennen. In der Feuchtperiode wurde Getreide ausgesät in der Trockenzeit wurde das geerntete Getreide mit Mahlsteinen verarbeitet.

Interessanterweise bleibt das Fayum-Becken auch in moderner Zeit der “Gemüsegarten Kairos”. Von den Königen Amenemhet II. und Sesostris II ist belegt, dass sie die Sümpfe trockengelegt und landwirtschaftlich erschlossen haben. Fayum wird später auch ein großer Kulktort für den Krokodilgott Sobek,

Merimde-Kultur

Ein wenig später, also ca. 5.000 bis 4.000 v.Chr. entwickelte sich die Merimde-Kultur, benannt nach ihrem Fundort Merimde ab, der etwa 45km nordwestlich des heutigen Kairos also nicht allzuweit weg vom Fayum-Becken liegt. Bei dieser Kultur wird eine Urkultur, eine mittlere Merimde-Kultur und eine jüngere Merimde-Kultur unterschieden. Es gab auch Beziehungen zur Fayum-Kultur.

Die Merimde-Kultur ist der Fayum-Kultur nicht unähnlich, besitzt aber auch einige Eigenheiten. So ist z.B. die Verwendung von Muscheln als Schmuck oder Pfeilspitzen oder die mit Fischgrätmuster dekorierte Keramik zunächst rotpoliert, später sogar auch grau- und schwarzpoliert ein typisches Merkmal dieser Kultur. Unter Polieren versteht man die Verdichtung und Glättung der keramischen Oberfläche, da noch keine Glasuren verwendet wurden. Die Keramik ist teller- und schalenförmig. Besonders interessant ist eine spezielle Kultkeramik nämlich zylinderförmige Becken die auf ringförmigen Sockeln stehen und vermutlich als kleine Altäre gedient haben.

Auch fand man kleine Kunstobjekte wie menschliche Figürchen und Figuren von Tieren wie z.B. Stiere um die sich ja später in dynastischer Zeit ein großer Kult entwickeln wird. Straußeneier dienten ähnlich wie die Muscheln als Schmuckmaterial. Roter Ocker diente vermutlich als Körperfarbe.

In der mittleren Merimde-Kultur geschieht ein enormer Entwicklungsschritt, der sich vor allem bei Waffen und den Werkzeugen bemerkbar macht. Lange Bohrer, komplexe Pfeilspitzen mit langen Flügeln, verschiedene Beilformen und Sicheln sind typische Artefakte.

Querschneider Pfeilspitze, Wikimedia Commons, Foto: 3Toumai

Querschneider Pfeilspitze, Wikimedia Commons, Foto: 3Toumai

Die jüngere Merimde-Kultur weist bereits eine hohe Siedlungsdichte auf. Ihre Keramik besteht aus ähnlichen Formen wie ihre Vorgängerkultur und umfasst zusätzlich kugelförmige Gefäße. Auch Standplatten und -ringe wurden gefunden.

Neben einer deutlichen Tendenz zum Getreideanbau zeichnet sich die Merimde-Kultur durch ihren jagdlichen Bezug zum Wasser aus. Nilpferde, Muscheln, Krokodile, Schildkröten und Fische standen hauptsächlich auf dem Speiseplan der Kultur, Landtiere dagegen kaum.

Omari-Kultur

Auf die Merimde-Kultur folgt die Omari-Kultur, die für etwa 200 Jahre in der Mitte des 5 Jahrtausends v. Chr. ihre Blütezeit hat. Sie liegt noch etwas näher beim heutigen Kairo, wie einige Fundorte zeigen. Die Omari-Kultur war vor allem landwirtschaftlich orientiert, hielt Ziegen, Schafe, Rinder und Schweine und baute Emmer und Weizen an. Gelegentlich wurden auch Nilpferde bejagt.

Die Bestattung der Toten verlief relativ schmucklos mit wenig Beigaben jedoch lässt sich eine Ausrichtung des Kopfes nach Süden feststellen. Die Gleichförmigkeit der Gräber und der Beigaben lassen auf eine fehlende Hierarchisierung und kaum vorhandene soziale Unterschiede dieser Kultur schließen.

(Buto-)Maadi-Kultur

4000 bis 3500 v. Chr. erblüht die Maadi-Kultur, benannt nach dem heutigen Vorort im Süden Kairos. Die Maadi-Kultur ist deswegen so bedeutend, weil sie die erste Kultur ist der Kupferfunde zugeordnet werden können. Mit ihr beginnt also die Kupferzeit. Zum Teil existieren auch Funde derselben Kultur von anderen Orten, wie etwa Buto, einer Stadt im Alten Ägypten, die vor allem für die Verehrung der schlangengestaltigen Wadjet, des Horus, der Bastet und der berühmten Isis bekannt ist. Daher der gelegentliche Namenszusatz “Buto-“.

Im Gegensatz zur Keramik der Merimde-Kultur ist die der Maadi-Kultur sehr einfach und zierdelos gehalten. Neben Keramikgefäßen gab es auch Gefäße aus schwarzem Basaltgestein. Zu den Kupferfunden gehören Beile und Kleinwerkzeug wie z.B. Angelhaken. Die Menschen der Maadi-Kultur betrieben Viehzucht mit Rindern, Schafen, Ziegen und Schweinen, also ähnlich wie die Merimde-Kultur, erste Nachweise finden sich auch von Eseln, möglicherweise als landwirtschaftliche Arbeitstiere oder Transporttiere, denn auch der Anbau verschiedener Getreidesorte ist für die Kultur belegt. Der Esel wird später zu einem der Tierarten, die dem Wüstengott Seth zugeordnet werden.

Die Maadi lebten in Hütten aus Holz und Stroh und abseits der Siedlungen befanden sich Friedhöfe. Die Toten wurden in Hockstellung bestattet mit nur spärlichen Beigaben, so dass man auch hier von einer kaum vorhandenen sozialen Differenzierung ausgehen kann.

Badari-Kultur

Mit der Badari-Kultur, die etwa 4000 v.Chr. herrschte beginnt die sog. Prädynastik. Auch diese kennt natürlich Kupfer zur Fertigung verschiedener Nutzgegenstände und erstmals taucht nun auch die Fayence auf, also die für das alte Ägypten so berühmte Keramik aus Quarzsand mit der typischen türkisen Glasur, die sich in dieser Kultur vor allem in Form von Schmuckperlen findet. Die altägyptische Bezeichnung für Fayence ist “tjehenet” was so viel bedeutet wie “glänzend” oder “funkelnd”. Bis dato wurde Keramik nur durch Polieren abgedichtet.

Eine Besonderheit der Badari-Kultur ist ihr Rinderkult, der zuvor schon in Nabta Playa entdeckt wurde. Rinder wurden geopfert und in steinbedeckten Kammern bestattet. Man vermutet darin den Ursprung des Hathor-Kultes.

Für die Badari-Zeit gibt es auch erste Spuren der Mumifizierung. Die Toten wurden mit in Harz getränkten Leinenbinden umwickelt, die durch ihre keimtötende Wirkung vor Verwesung schützten. Das Übrige übernahm der trockene Wüstensand. Auch kleine Grabfiguren konnten gefunden werden.

Badari Figur aus Nilpferd-Knochen, Wikimedia Commons, Foto: Jon Bodsworth

Badari Figur aus Nilpferd-Knochen, Wikimedia Commons, Foto: Jon Bodsworth

Naqada-Kultur

Fast parallel zur Badari-Kultur folgt die Naqada-Kultur (ca. 4.000-3.200 v.Chr.) die nun als unmittelbarer Vorläufer des dynastischen Ägyptens gilt. Die Naqada-Kultur, benannt nach der Stadt Naqada 45km nördlich von Luxor, wird in drei Abschnitte unterteilt, nämlich Naqada I, II und III. Für diese Kultur ist sogar die Verwendung unabhängiger Schriftzeichen belegt, die eine gewisse Ähnlichkeit mit sumerischen Schriftzeichen hat, aber dennoch genügend eigene Merkmale. Die Naqada-Menschen leben von der Jagd, der Tierhaltung und dem Ackerbau.

Die Keramik ist ausgefeilt in unterschiedlichsten Tönungen und neben geometrischem Dekor findet sich auch eine detaillierte Darstellung von Jagdszenen, Kampfszenen und sogar Kultszenen. Auch männliche und weibliche Tonfiguren wurden hergestellt. Überhaupt nimmt nun die Darstellung von Menschen stark zu.

Die Bestattungen weisen deutliche soziale Unterschiede auf. Es gibt eine Elite deren Grabbeigaben ungleich reichhaltiger und wertvoller sind. In Hierakonpolis (altägyptisch „Nechen“) zeichnet sich eine Art politisches Zentrum ab, das möglicherweise den Grundstein für das spätere Königtum Altägyptens lieferte. Hierakonpolis wird später Hauptstadt des 3. Oberägyptischen Gaues und ein bedeutendes oberägyptisches Handelszentrum. Auch der älteste nachgewiesene Fund der Bierbrauerei findet sich im Rahmen der Naqada Kultur.

In Naqada III finden sich schließlich erstmals hieroglyphische Inschriften auf Keramik, wie z.B. im Grab des Regenten Skorpion I. der zum dritten Abschnitt der Naqada-Kultur gezählt wird und damit Ägyptens erster Pharaos ist. Skorpion I. wurde aufwendig bestattet mit einem 12-teiligen Grab, das insgesamt 8m auf 10m misst und reich mit Beigaben gefüllt war. Sein Regierungsgebiet erstreckte sich über Abydos, Naqada, Hierakonpolis sowie Elephantine, Orte die in der späteren ägyptischen Hochkultur wichtige Zentren des Kultes, des Staatsweses und der Wirtschaft bildeten.

Artefakte der Naqada Kultur, Wikimedia Commons

Artefakte der Naqada Kultur, Wikimedia Commons

Die Mumie von Uan Muhuggiag

Keine Kultur aber ein faszinierender Fund gelang dem italienischen Archäologen Prof. Fabrizio Mori im Acacus Gebirge in der libyischen Wüste. Er fand die Mumie eines kleinen Jungen, der mit hochentwickelten Mumifizierungstechniken einbalsamiert und bestattet worden war. Der Junge, der nach seinem Fundort Uan Muhuggiag benannt wurde, gehörte einem nomadischen Stamm von Rinderhirten an, die in der grünen Savanne der heutigen Sahara lebten.

Steinzeichnungen in Tadrat Acacus (Gebirge), Wikimedia Commons, Foto: Roberto D'Angelo (roberdan)

Steinzeichnungen in Tadrat Acacus (Gebirge), Wikimedia Commons, Foto: Roberto D’Angelo (roberdan)

Mori fand eine Höhle mit aufwändigen Zeichnungen von schakalköpfigen Menschen, die sehr der späteren Darstellung des Schakalgottes Anubis und ähnelten. Im weichen Sandboden entdeckte er ein in Ziegenleder geschlagenes Bündel, dass die Mumie des Jungen enthielt. Seine Eingeweide waren entfernt und getrennt aufbewahrt sowie mit Wildkräutern konserviert worden. Mit 5500 Jahren ist diese Mumie deutlich älter als alle vergleichbaren altägyptischen Mumien. Das Kind selbst war bei seiner Bestattung ca. 3 Jahre alt.

Altes Ägypten – Natur als kulturelle Basis

Sämtliche vorgeschichtliche und prädynastische Kulturen eint die enge Verbundenheit mit den Zyklen der Natur und die Abhängigkeit von topographischen und klimatischen Gegebenheiten. Diese Aspekte verlieren in der gesamten altägyptischen Hochkultur, die über 4000 Jahre anhält, niemals ihre Bedeutung. Sie bilden Grundstein der altägyptischen Spiritualität und sind lebensbestimmend für jeden Menschen vom einfachen Hirten bis hin zum gottgleichen Pharao.

Die regelmäßigen Überschwemmungen des Nils, die von den Monsunregenfällen des äthiopischen Hochlands verursacht wurden, lieferten bis zu drei reichhaltige Ernten im Jahr. Den dort lebenden Menschen wurde bald bewusst, dass sie nur durch organisierte Zusammenarbeit diese Fruchtbarkeit maximal erschließen konnten. Die Altägypter betrieben von Anfang an eine Politik der Inklusion. Statt die Gesellschaft auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zu einen, durfte eine bunte Gesellschaft mit zahlreichen Gottheiten und unterschiedlichsten kulturellen Merkmalen organisch heranwachsen, die über die Jahrtausende hinweg stabil blieb und sich in einer Religion manifestierte, die Beständigkeit und soziales Miteinander heiligt und die Natur als Lebensgrundlage ehrt. Dieser Geist ist bezeichnend für die gesamte altägyptische Religion, Kultur und Gesellschaft und mündet in ein allesumfassendes heiliges Konzept, dem Prinzip der Ma’at.

Dua Ma’at!

Der Nil bei Assuan, Wikimedia Commons, Foto: Tbachner

Der Nil bei Assuan, Wikimedia Commons, Foto: Tbachner

Weiterführende Links:

http://www.archaeology.org
http://www.hierakonpolis-online.org/
https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4dynastik_(%C3%84gypten)

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Kemetismus – ist das was für mich?

Es ist schwer sich für einen Weg zu entscheiden, über den man zumeist nur rudimentäre Kenntnisse hat. Das Augenscheinliche der altägyptischen Kultur und des kemetischen Kults mag noch so attraktiv erscheinen, viele wenden sich nach kurzer Zeit wieder von diesem Weg ab und sind enttäuscht, weil sie völlig andere Erwartungen hatten. Dieser Artikel soll eine Entscheidungshilfe bieten, die natürlich rein subjektiv ist, sich aber dennoch auf die geteilten Erfahrungen anderer Kemeten beruft. Wenn Ihr also nach dem Lesen dieser Worte immer noch beherzt “ja” zum Kemetismus sagen könnt, dann seid ihr hier vermutlich genau richtig. Wenn Ihr einen anderen Weg als den Euren anseht, ist dieser nicht weniger richtig und vielleicht kann Euch der Kemetismus dann zumindest die ein oder andere wertvolle Inspiration bieten. Denn die Entscheidung zu diesem Weg liegt letztlich bei jedem selbst. Es gibt weder ein verbindliches Glaubensbekenntnis noch eine Verpflichtung ihn zu gehen. Die Entscheidung ihn zu gehen fällt jeder ganz allein für sich und täglich aufs Neue.

Pyramiden von Gizeh, Wikimedia Commons, Foto: Ricardo Liberato

Pyramiden von Gizeh, Wikimedia Commons, Foto: Ricardo Liberato

Anfänge

Die Gründe, warum Menschen plötzlich den Wunsch haben Kemetismus zu praktizieren sind sehr unterschiedlich. Sehr häufig ist es eine der bekannteren ägyptischen Gottheiten wie Isis, Horus oder Ra, die einen in ihren Bann gezogen haben. Oder es ist einfach die Faszination für die altägyptische Kultur an sich. Viele Leute finden auch über die stark ägyptophile Ritualmagie ihren Weg in den Kemetismus.

Ehe man beginnt, sollte man sich mit einigen wichtigen Merkmalen der altägyptischen Religion und der kemetischen Praxis befassen und sich ausreichend Zeit nehmen zu prüfen, ob man wirklich bereit ist diesen Weg zu gehen.

Unterschiede zum mitteleuropäischen Heidentum

Was den Kemetismus von anderen heidnischen und neuheidnischen Traditionen besonders hier in Mitteleuropa unterscheidet ist das unglaublich dichte Informationsspektrum. Während man im nordischen Heidentum mühsam seinen spirituellen bzw. religiösen Weg aus wenigen Quellen heraus interpretieren muss, ist die altägyptische Kultur äußerst gut und umfangreich belegt. Möchte man einigermaßen authentisch praktizieren, fehlt also im Gegensatz zum hiesigen Heidentum ein ganz entscheidendes Merkmal, das vielen spirituell interessierten eigentlich am Herzen liegt: der Raum für die eigene Intuition und Kreativität. Gerade zu Beginn des kemetischen Weges kann es sinnvoll sein die eigene Interpretation hinsichtlich Weltanschauung oder Ritualistik äußerst sparsam einzusetzen um erst einmal ein Gefühl für die authentische überlieferte Tradition und deren Inhalte als solche zu entwickeln und so eine solide Basis bestehend aus mythologischem Wissen und kultischen Grundlagen zu festigen. Kemetismus ist traditionell, das liegt nicht jedem, vor allem dann nicht, wenn man auf der Suche nach einer spirituellen Praxis ist, die flexibel und frei interpretierbar ist.

Christ Church Library, Oxford, Wikimedia Commons, Foto: -JvL-

Christ Church Library, Oxford, Wikimedia Commons, Foto: -JvL-

Freud und Leid der Literatur

Eine weitere Herausforderung stellt die Art der Literatur über das alte Ägypten dar. Zusammenfassend kann man sagen, dass sie äußerst gespalten ist. Auf der einen Seite finden sich leicht zu lesende ausschweifende und passionierte Werke, die hauptsächlich im Bereich des New Age und der Esoterik anzusiedeln sind. Von Theorien über die außerirdische Herkunft der altägyptischen Götter, über Channeling Botschaften und Einweihungen verschiedener Gottheiten bis hin zu einem phantasieriechen Göttinnenkult um Isis finden sich eine Menge blumige Schriftwerke mit leider sehr dünnem und teilweise fehlerhaftem sachlichem Inhalt.

Auf der anderen Seite bietet die ägyptologische Fachliteratur sehr wenig Informationen für den Laien an und schon gar nicht für religiös Praktizierende, man muss also schon fast ein halbes Ägyptologiestudium auf sich nehmen um sich einen einigermaßen authentischen Überblick zu verschaffen und praktikable Rituale abzuleiten. Literatur zum eigentlichen Kemetismus ist weitestgehend auf Englisch, da die amerikanische Szene in dieser Hinsicht um einiges ausgeprägter ist und bereits seit den 80er Jahren in stetiger Entwicklung ist. Neben Büchern, stehen zahlreiche Blogs, Websites und social media Gemeinschaften zur Verfügung, die einen großen, dynamischen und diskussionsfreudigen Pool an unterschiedlichsten Infos bieten. Englische Sprachkenntnisse sind daher von großem Vorteil. Inzwischen gibt es im deutschen Sprachraum wenige hochwertige virtuelle Informationsquellen zum Thema Kemetismus. Dies hat sich u.a. auch diese Seite zum Ziel gemacht.

Tägliche Kultpraxis

Über eines sollte man sich als im Klaren sein, wenn man sich dem Kemetismus widmen möchte: für diesen Weg braucht man Zeit, Geduld und Beständigkeit. Ein typisches Merkmal der kemetischen Praxis ist ihre Regelmäßigkeit und weniger ihre prunkvollen Rituale. An dieser Beständigkeit scheitern sehr viele. Wenn man erwähnt, dass tägliche Opferrituale keine Seltenheit sind, dann kommt schon mal die verwunderte Gegenfrage “Wirklich jeden Tag?”. Ja, wirklich jeden Tag.

Der altägyptische Kult hatte eine sehr wichtige mythologische Bedeutung. Er war darauf ausgerichtet die vielen verschiedenen ineinandergreifenden Zyklen der Schöpfung in Gang zu halten. Den Lauf der Sonne, die jährliche Wiederkehr der Nilflut, die Zyklen der Landwirtschaft, den Wechsel von Nacht und Tag usw. Durch den Ritus bindet sich der Mensch als spirituelles und natürliches Wesen in diesen Lauf der Schöpfung mit ein, nimmt daran Teil und bewirkt ihn letztlich. Der Kult ist also nicht nur Dienst an den Göttern und Ausdruck ihrer Verehrung, es ist auch eine praktische Bewusstseinsschule um sich auf die kemetische Weltanschauung auch im täglichen Leben ganz und gar einzulassen.

Der tägliche Aufwand muss nicht übermässßg groß, aber dennoch regelmäßig sein. Man tut also gut daran ein tägliches Maß zu finden, dass man einigermaßen leicht über mehrere Monate hinweg durchhalten kann.

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Das Kalenderproblem

Hinzu kommen eine schier unerschöpfliche Zahl an Feiertagen und Festen, deren korrekter Zeitpunkt heutzutage nur noch schwer zu rekonstruieren ist, weil der altägyptische Kalender zum einen anders strukturiert ist und sich aufgrund der zeitlichen Ferne der altägyptischen Kultur Zeitrechnungsfehler eingeschlichen haben, die zu einer nicht unerheblichen Verschiebung der Feiertage geführt habe. Auch die geographische Lage Ägyptens im Gegensatz zu der in Mitteleuropa spielt eine große Rolle bei der Berechnung verschiedener astronomischer Ereignisse. Wikipedia liefert aber trotz allem einen relativ guten Überblick über die verschiedenen Festtage und größere Tempel in USA verfügen teilweise über einen eigenen Kalenderlauf, der auch für freie Kemeten erhältlich ist.

Canis Major, Canis Minor, Orion & Lepus (animiert), Wikimedia Commons, Bild: Michelet B

Canis Major, Canis Minor, Orion & Lepus (animiert), Wikimedia Commons, Bild: Michelet B

Göttinnen und Götter

Die Göttin Isis, der Sonnengott Re, die musikalische Hathor, der falkengestaltige Horus oder die Katzengöttin Bastet sind weit über die altägyptische Tradition hinaus bekannt. Häufig werden sie auch innerhalb völlig anderer Traditionen verehrt. Viele die sich für den Kemetismus zu interessieren beginnen, finden über diese Gottheiten ihren Weg. Die altägyptische Kultur hat aber unendlich viele Gottheiten, mindestens 1.500 sind namentlich belegt, die teilweise natürlich nicht minder wichtig sind als die allseits beliebten und bekannten. Es ist sehr lohnend sich auch mit den weniger bekannten zu beschäftigen, ehe man sich einer bestimmten zuwendet, da sie oft tragende Rollen in der Mythologie spielen und es wichtig ist ihre kosmologische Aufgabe zu verstehen. Dennoch wird man natürlich schwerlich alle kennenlernen können. Die meisten Kemeten enden bei etwa 2-3 Gottheiten um die sie einen intensiveren Kult praktizieren und vielleicht 4-5 weitere für die sie eine sporadische Praxis betreiben und schätzungsweise weitere 10 die eher unter die Kategorie “bekannt” fallen ohne explizite Praxis. Natürlich wird man dafür abermals viel Zeit, Geduld und Motivation aufbringen müssen.

Egyptische Götter und Göttinnen, Wikimedia Commons, Foto: Gryffindor

Egyptische Götter und Göttinnen, Wikimedia Commons, Foto: Gryffindor

Der Erhalt der Ma’at

Auch steht der Götterkult im Kemetismus durchaus nicht so stark im Vordergrund wie es scheint. Der wichtigste Aspekt ist die Einhaltung eines ungeschriebenen ethischen Codex, die gleichbedeutend mit der kosmischen Weltenordnung ist, nämlich die sogenannte Ma’at. Dabei handelt es sich um ein gesellschaftliches Ideal gegenseitiger Unterstützung und sozialen Bewusstseins, dass die eigentliche Grundlage des Kemetismus bildet. Ein soziales Prinzip geradzu altruistischer Ideale in einer Welt der Ellbogenmentalität zu leben, deren Erfolgskonzept der blanke Narzissmus ist, kann zu einer psychischen Zerreißprobe werden. Dessen sollte man sich unbedingt bewusst sein.

Außenseiter und manchmal Feindbild

Ein leidiges Thema, dass hier bereits mehrfach angedeutet wurde, ist die Situation für den Kemetismus in Deutschland. Er ist bis auf wenige einzelne Ausnahmen so gut wie nicht vorhanden. Das hiesige Heidentum versteht sich in erster Linie als Wiederbelebung der prächristlichen deutschen Religionsgeschichte, die daher meist das Germanentum und zum Teil vielleicht das Keltentum umfasst. Verschiedene neopagane Strömungen wie Wicca, Hexentum oder Schamanentum stehen oft in enger Verwandtschaft zu den nordischen Traditionen, so dass man sich als Verehrer der altägyptischen Götter auf eine wahrhafte Exotenrolle einstellen darf. Auch gibt es vereinzelt durchaus Feindseligkeiten gegenüber der zivilisierten Hochkultur der Ägypter, die mit ihrem schillernden Pharaonentum, dem ausgefeilten Staatswesen und den beeindruckenden Prunkbauten in starkem Kontrast zu der naturnahen Tradition nordischer und germanischer Völker steht. Die Parallelen der altägyptischen Theologie zur frühchristlichen, die sich insbesondere im koptischen Christentum manifestiert, sorgt vereinzelt auch dafür, dass man als Kemet zum “Heidenfeind” und “Christenfreund” erklärt wird und damit der kollektiven Christentumsverdrossenheit der mittel- und nordeuropäischen Heiden widerspricht. Man muss sich also wohl oder übel auf einen einsamen Weg gefasst machen, der mitunter auch von Anfeindungen geprägt sein kann.

Immer noch interessiert?

Wer also mit einer weitgehend selbstständigen Praxis, die Literaturrecherche, Hingabe und eine gewisse Akribie erfordert gut zurecht kommt, erfüllt schon mal die wichtigsten Voraussetzungen Kemetismus zu praktizieren. Wer auf die Enthüllung abenteuerlicher Weltengeheimnisse und Verschwörungstheorien hofft und sich nach göttlich-magischen Einweihungen sehnt wird jedoch sicher bald enttäuscht sein.

Eins kann man getrost versprechen, es wird sicher nie langweilig und es gibt immer wieder neues und beeindruckendes zu erfahren. Die altägyptischen Religion ist trotz ihres Prunks und ihrer hochentwickelten Ritualistik immer noch im Kern eine Natur- und naturverehrende Religion mit animistischen Grundzügen, die die täglich erlebte Welt tief zu verzaubern vermag. Die täglichen Rituale werden schnell zur Gewohnheit und ermöglichen ein intensives Erleben kosmischen Eingebundenseins ganz ohne die notwendige Bodenhaftung zu verlieren. Sie sind ein starkes Band zu unseren Göttern die dadurch sehr präsent und unmittelbar erfahrbar werden.

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