Vielleicht ein Abschied

Manchmal erscheint einem alles irgendwie sinnlos. Dinge, die einmal eine Bedeutung hatten, sind plötzlich mechanisch und blutleer. Aus reiner Gewohnheit macht man damit weiter und sagt sich es wird schon vorbeigehen. Weil jeder sagt, dass es schon vorbei gehen wird und jeder hören will, dass man zustimmt, dass es vorbei gehen wird. Nur manchmal geht es eben nicht vorbei. Manchmal kann man das Gesehene nicht ungesehen machen und das Geschehene nicht ungeschehen machen.

Im Moment gähnt mich aus jeder Idee mich in die virtuell-pagane Öffentlichkeit zurückzubewegen die blanke Sinnlosigkeit an. Der Profilierungsdruck, dem man gezwungenermaßen ausgesetzt wird, wenn man dazugehören möchte, ist zu einem Kraftakt geworden, dessen Lohn die Investition nicht annähernd aufwiegt. Man stirbt einen langsamen sozialen Tod in Begleitung der Illusion Zuneigung und Anerkennung zurückzubekommen und trottet letztlich wie der Esel der Karotte an der Angel hinterher bis man verhungert.

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Alles was man sagt oder schreibt muss Zitat-Potential haben, es geht nur noch um populistische politische Themen, egal ob von links oder rechts, und nicht etwa um fruchtbare Diskussionen sondern nur noch darum sich gegenseitig wahlweise die Nazi-, Kommunisten- oder Öko-Hippie-Keule überzuziehen. Parolenhafte Verkündungen die incl. bunter Spruchbildchen ihren vergänglichen Platz auf irgendwelchen Timelines finden, bringen eine halbbewusste bis gern geduldete Selektion des sozialen Umfelds hervor, das irgendwann nur noch aus jenen besteht, die einem sowieso recht geben, so dass jede Parole die melodramatische Präsentation eine Scheinmutes wird in einer Realitätsblase in der man sich sowieso nur positiv reflektieren kann. Meinungen sind soziale Marker wie Baseballcaps, Krawatten und Pentagrammanhänger. Man diskutiert sie nicht, man trägt sie zur Schau damit auch die anderen Cap- und Amulettträger sehen “Schau, schau, einer von uns.” WER sie trägt ist vollkommen unerheblich in der nie enden wollenden Pubertät des WWW. Dabeisein ist alles.

Dazwischen ein paar halbherzige Ritualberichte, die sowieso keiner liest und trotzdem mit einem “Like” versieht und tägliche Schicksale für die es dann ein bewundernd-mitleidvolles “ach, wie Du das alles schaffst!” gibt oder ein paar laientherapeutische Ratschläge aus veralteten Esoterikbüchern, der frühen 90er. Immerhin, auch Schicksale sind irgendwie identitätsstiftend – und zum Glück schnell wieder weggescrollt.

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Und dann macht man den Rechner aus und ist allein. Ich beginne mich ernsthaft zu fragen, warum ich jemals meine Spiritualität mit irgendjemand geteilt habe. Warum ich nicht erkannt habe, dass das was ich mich einmal gewünscht habe, niemals eintreten wird, weil die Voraussetzungen dafür fehlten. Warum ich – in den wenigen Momenten in denen ich es geahnt habe – nicht den Mut hatte Konsequenzen zu ziehen. Und warum ich die Einsamkeit so schlimm empfunden habe, die eigentlich sowieso die ganze Zeit mein Begleiter war. Offenheit, Verbindlichkeit, Vertrauen befriedigt nur den Voyeurismus der anderen, diese Dinge als Vorausinvestition für Nähe und Freundschaft zu sehen, ist bestenfalls naiv. Das was ich denke oder sage macht keinen Unterschied. Es ist genau für die paar Minuten oder möglicherweise Stunden unterhaltsam, solange die Aktualität des Geschriebenen anhält und dann ist es vorbei. Da wächst nichts draus, es entsteht nichts Beständiges, keine Entwicklung, kein Wachstum und schon gar keine Verbindungen. Wenn ich es nicht schreibe, tut’s ein anderer und der Lohn ist die Illusion einer Community anzugehören, die eigentlich keine ist und nie eine war und sich nur dadurch trägt, dass alle in einer ähnlichen Illusion schwelgen.

Seit Jahren mache ich meine täglichen Rituale. Es wäre vermessen zu behaupten, dass ich sie noch mit der gleichen Begeisterung wie am Anfang mache. Ich tue es aber immer noch mit Engagement, vielleicht sogar mehr wie vorher, weil es mich mehr anstrengt und weil ich es als meine Pflicht empfinde nicht einfach aufzuhören den Göttern zu dienen, nur weil die Zeiten hart sind und Illusionen wie Seifenblasen zerplatzen. Viele Dinge von denen ich mal gehofft habe, dass sie eintreten, sind niemals eingetreten. Dinge wie Gemeinschaft, vielleicht eine Art Familie sogar, Heilung, spirituelle Entwicklung, ein günstiges Schicksal… Alles was in meinem Leben geschehen ist, ist eine mehr oder weniger nachvollziehbare Folge aus dem zuvor Geschehenen oder Gemachten mit dem üblichen Anteil an Nichterklärbaren, der so gern ins unermessliche überbewertet wird.

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Als Eremit zu leben widerspricht eigentlich dem spirituellen Weg den ich gewählt habe. Wie folgt man einem sozialen Codex, wenn es keine Gesellschaft gibt, die diesen Codex kennt geschweige denn ihn mitträgt? Viele bedeutsame Dinge der hiesigen Heidenszene könnten für mich sinnloser nicht sein. Weder sind Götter meine Ersatzfreunde oder Ersatzfamilie, noch habe ich das Bedürfnis gegen andere Theologien zu rebellieren. Dazu bin ich inzwischen sowieso zu alt und zu lang allein. Ich bin auch nicht profilneurotisch genug um ein Celebrity der Heidenszene werden, mit meinen magischen Ketten zu rasseln oder meinen “Erleuchtungszustand” bei jeder Gelegenheit mit Glückskekssprüchen für Intelektuelle darzustellen. Die meisten im Rampenlicht sind eher berüchtigt als berühmt und werden aus Gründen die niemand so richtig nachvollziehen kann plötzlich medial interessant, zum Brennpunkt vieler Projektionen und Polarisationen und diese Gründe haben sehr wenig mit Mühe, Können und Werten zu tun, sondern mit Bedürfnissen des heidnischen Mob. Da trifft zufällig Angebot auf Nachfrage und dann beginnt eine Dynamik an der man auch noch unfreiwillig teilnehmen muss, wenn man dieser Gemeinschaft irgendwie folgen will. Und diese ist dann letztlich auch nur ein Spiegelbild der ganz normalen Gesellschaft von der sich jeder so eifrig abgrenzt. Besser kann man sein eigene Durchschnittlichkeit eigentlich nicht unter Beweis stellen, indem man sich stets bemüht sich vom Durchschnitt abzugrenzen.

Ich habe keine Kraft mehr für sowas und eigentlich mag ich Karotten sowieso nicht besonders. Ich bereue, dass ich mich nie angestrengt habe mit den Menschen auszukommen, die mir am nächsten stehen, die ich mitunter langweilig und angepasst fand nur weil ich dachte, dass meine spirituelle Auffassung so eine große Rolle spielt. Das tut sie nicht, keine tut das. Es kommt auf das an, was zwischen Menschen entsteht und da hab ich inzwischen zu viel nachzuholen, dass ich nicht weiss, ob daraus noch etwas wachsen kann. Und damit meine ich Dinge, die Inhalt und Bestand haben und die immer noch da sind, wenn man gemeinsam schweigt. Denn wenn man eins im Internet garantiert nicht kann, dann ist das gemeinsam schweigen. Wer nicht kommuniziert, ist tot, so einfach ist das. Und wer das Falsche kommuniziert wird sozial getötet. Es geht nicht darum, der zu sein, der man ist, sondern der, den die anderen wollen – natürlich unter Beteuerung, dass es keinesfalls so ist.

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Moon ritual – a modern interpretation

There is hardly any other culture that has been associated with sun cults so much like the Ancient Egyptian one. The moon, however, is of lesser importance yet not entirely meaningless. Its cycles formed the ryhtm for the lunar calendar that was still important for a long time even after the solar calendar has come into function in Ancient Egypt.

Animation der Mondphasen, Wikipedia

There was no actual moon cult so this ritual concept is to be understood as a suggestion to perform a modern Kemetic moon ritual and claims in no way to be historically evident.

The moon cycles have been important markers to many important cultic events or offered inspiration for mythological symbolism. The 14 pieces Osiris has been cut into after he was murdered by Seth also refer to one half of the moon cycle and the new moon was associated with new beginning and rebirth.

Moondeities

Der Mondgott Iah, Wikimedia Commons

There are quite a few deities which have been associated with the moon. Most of them are male like Thoth, Osiris, Khonsu, Min and of course Joh who was associated with the moon disc itself and served as a namesake of the moon. Only very few goddesses have been associated with the moon like a nameless female equivalent of Thoth and Isis in the new kingdom while Osiris was associated with the sun and Isis was regarded his lunar counterpart.

Symbol of rejuvenation and renewal

The moon itself was considered a small sun, like a sun of the night. So it is not surprising to find many characteristics of the sun being applied to the moon as well. Like the sun starts to travels through the underworld every evening to rise again rejuvenated the next morning the moon cycles, too, have been associated with the repetitive process of renewal and decay.

The force of the full moon was considered to be a “rutting bull who impregnates the women”. The full moon was said to be supportive to female fertility. Additionally there were quite some associations between the moon and bulls, which is why the feast of the “conjunction of the two bulls” (Sensen-kawy) was celebrated regularly during full moon. The name “bull of the sky” refers to the moon as a master and ruler and expresses the great power of the moon. The idea of two bulls being united is probably caused by the fact that very often the sun and the moon where visible at the sky at full moon.

 

Horusauge, ca. 600-400 v. Chr., Louvre/Paris, Foto: Marie-Lan Nguyen, Wikimedia Commons

The healing of the moon eye

A very important mythological event was the healing of the moon eye. Both the sun and the moon were considered eyes of the sky, the sun the right eye and the moon the left eye. Horus was particularly associated with this event but also Re. The waning moon was considered to be the slow  fading of the eye of Horus, which again would be renewed during waxing moon.

Another myth is the one of the battle between Horus and Seth. Seth knocks out Horus’ eye during the fight, which gets renewed later on. The moon therefore becomes a symbol of the everlasting battle between light and darkness, Horus as the personification of light and Seth as a personification of darkness. The moon eye is healed by Thoth’s touch. The healed eye is called the Udjat eye which becomes a symbol of health and healing of its own.

The ritual

The aforementiioned full moon festival Sensen-kawy is also called “days of purification”. Together with the aspect of rejuvenation and renewal I have chosen it as an inspiration for the following modern kemetic ritual. Similar to the Lamp Festival a lot of lamps and candles have been lit up so any kind of candles and lights go well with this ritual. The moon has been associated with the colors white and silver which is the perfect color for any kind of ritual items like altar cloths, candle holders, candles or even moon symbols. You can set up a temporary shrine or even a steady one if you wish to keep it. Later in time around the New Kingdom two mirrors have served as offerings during moon festivals so you could as well add mirrors to your altar decoration.

Of course you can also include the various moon deities and make offerings to them but in this ritual suggestion I would like to include the inner healing and purification of body and soul.

The best thing is to start the ceremony with a ritual purification which can be performed traditionally with natron and water  or if you do not have natron with salt or soda. It’s very important to purify your entire body carefully. After that you can perform a purification with incense. You can either use the traditional Kyphi or any kind of purifying herbs such as lavender, sage or whatever suits you best. In case you own some white ritual garement you can of course put it on after the purification.

Now you are ready to approach your altar, light up all the candles and if you like further incense and awaken the full moon power. Perhaps you can even set up the moon shrine at a place where you can see the natural monnlight. Basically anything from little prayers to long meditations is possible to focus on the rejuvenating power of the moon and let it fulfill you. Since Thoth has healed the moon eye by stroking over it you could use the same gesture and stroke bodyparts that need magical healing by the power of the moon. Or if you own an Udjat amulet you can simply place it on said body parts. You can do that just by yourself or mutually if you perform the ritual with others.

 

IMG_5759Enjoy your ritual!🙂

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Ma’at – Eine Frage der Selbstreflexion

Die altägyptischen Götter sind faszinierend, geheimnisvoll, vielschichtig und tiefgründig. Es ist nicht schwer sich für sie zu begeistern und ihrer Faszination zu verfallen. Wenn man mit den altägyptischen Göttern arbeitet, dann ist auch immer wieder die Rede von Ma’at. Ma’at eine Göttin, die für die gleichnamige kosmische Ordnung steht, für das Gleichgewicht in der Natur, unter den Göttern und in der Gesellschaft bis hin zum kleinsten sozialen Kreis in dem man täglich lebt.

Man hält die Ma’at, man spricht die Ma’at, man tut die Ma’at. Die Ma’at ist ein ethischer Kodex und ein moralisches Ideal einer funktionierenden und kooperierenden Gesellschaft, die sich nicht auf das blinde Befolgen von Regelwerk stützt, sondern auf tiefer Einsicht dessen basiert, was Menschen im Inneren verbindet, aber auch was sie spaltet. Die Ma’at ist ein ungeschriebener Vertrag zwischen den Menschen, egal welchen Standes, füreinander in ausgewogenem Maße zu sorgen, einander nicht auszubeuten, verbindend und verbindlich zu sein.

“Love’s Labour Lost” von Edwin Long, Wikimedia Commons

Die Fallgrube der Arroganz

Und genau hier beginnt das Problem. Wenn man das erste Mal mit dem Prinzip der Ma’at in Berührung kommt, dann ist es faszinierend und beeindruckend. Es fühlt sich an, als hätte man einer Sache, die man schon immer gespürt hat plötzlich einen Namen verliehen. Als ob die Ahnung vom Guten und Richtigen plötzlich Gestalt angenommen hat, die Gestalt einer allesumfassenden transzendenten Göttin. Begeistert beginnt man sein Leben neu zu betrachten, prüft ob man im Sinne der Ma’at handelt, beginnt zu spüren, dass man einen geschärften Blick für das Gute und Richtige bekommt, bemüht sich gute Dinge zu tun, wohltätiges vielleicht sogar, gemeinschaftliche Rituale, Dienst an den Göttern durch Opferungen, Zeremonien und Gebete, möchte auch andere daran teilhaben lassen. Und ehe man es merkt, schleicht sich ganz allmählich eine leichte Arroganz mit ein, man fühlt sich erhaben, schließlich wähnt man sich in der Gunst der Götter als Diener der Ma’at, sieht sich in das gleiche Netz verwoben wie sie.

Persönlichkeitsentwicklung durch Götter

In enger Verbindung mit Gottheiten zu stehen kann enorme Vorteile bringen, doch es birgt auch gewisse Risiken. Götter färben ab. Fast jeder der eng mit bestimmten Gottheiten arbeiten, merkt über kurz oder lang, dass die Charakteristika der Götter allmählich auf einen übergehen, Lücken schließen, neue Fähigkeiten hervorbringen von denen man gar nicht wusste, dass man sie hatte. Gleichsam aber, können auch Eigenschaften die man vorher hatte geradezu verdrängt werden, Eigenschaften, die einem ebenso nützlich waren. Göttliche Kräfte denen man es gestattet durch einen hindurch zu wirken, haben mitunter mehr Potential als man für den Moment fähig ist zu lenken und zu kontrollieren.

Es kann durchaus zu drastischen Veränderungen kommen. In einem selbst und in der Folge natürlich auch im sozialen Umfeld. Das mag leicht sein bei Eigenschaften, die generell als positiv bertrachtet werden, aber umso schwieriger, wenn es sich um Eigenschaften handelt, die mitunter unangenehm und destruktiv sein können. Denn der gravierende Unterschied zwischen Menschen und Göttern ist, dass Götter die Ma’at sehr viel besser kennen und einhalten können, als Menschen. Menschen verfallen, beflügelt von den ihnen zur Verfügung stehenden Kräften, überaus leicht in einen Narzisssmus, sehen sich plötzlich als Lieblingskind der Götter, wähnen sich in unerschütterlicher Rechtschaffenheit, während sie sich zunehmend ignorant, gleichgültig und arrogant gegenüber ihren Mitmenschen verhalten. Und gerade die letztgenannten Dinge, sind die größten Feinde der Ma’at.

“The Obsequies of an Egyptian Cat” von John Reinhard Weguelin, Wikimedia Commons

Priesterschaft der Ma’at

Der Ma’at würdiger Vertreter zu werden, bedeutet in erster Linie an sich selbst zu arbeiten. Sicher ist es positiv sie wo immer man kann anderen Menschen zugänglich zu machen, doch sobald man die Rolle einer priesterlichen Figur in der Öffentlichkeit einnehmen will und sei es auch nur temporär, geht man eine umso größere Verantwortung ein, ein würdiger Repräsentant dieser kosmischen Ordnung zu werden. Diese Aufgabe ist ebenso groß, wie sie klingt.

Manipulation von Mitmenschen, Gleichgültigkeit gegenüber Unrecht, das Vernachlässigen der Menschen die einem nahestehen, fehlende Selbstreflexion und das Festhalten an schlechten Gewohnheiten, obwohl man es besser wüsste, üble Nachrede, Taubheit gegenüber der Not des anderen… all diese Dinge gehören keinesfalls zu einer Person, die anderen ein heiliges Prinzip vermitteln will. Nicht umsonst wurde die sog. “Kunst der schönen Rede” bei den Altägyptern so hochgelobt und die fortwährende Arbeit im Sinne der Gesellschaft hoch angesehen. Und hier sind keineswegs abstrakte soziale Dynamiken gemeint, die sich in kaum greifbaren Sphären abspielen, sondern der Kreis derer die einem am nächsten stehen, der Freundeskreis, die Familie, der Bekanntenkreis etc.

Jeder, wirklich jeder Mensch, kann zu einem Priester oder einer Priesterin der Ma’at werden. Alles was man dazu tun muss ist die fortwährende Arbeit an sich Selbst, am Guten und Richtigen nicht aufzugeben. Das klingt einfach, ist aber keineswegs leicht. Je länger man dabei ist umso schwerer wird es.

Jeder ist ein König/eine Königin

Wir leben heute nicht mehr in einer theokratischen Monarchie wie im Alten Ägypten, dennoch kann jeder Mensch sich wie ein verantwortungsvoller König in seinem persönlichen sozialen Umfeld verhalten. Und ein König zu sein bedeutet nicht täglich auf seinem Thron Platz zu nehmen und sich bewundern zu lassen, es bedeutet sein Land und dessen Bewohner zu schützen. Es bedeutet die Verantwortung zu übernehmen, wenn Unrecht geschieht, den Mut zu haben, dieses aufzuzeigen und dagegen vorzugehen. Es bedeutet, das was die Menschen verbindet zu schützen, zu pflegen und zu stärken und das was dem entgegenwirkt zu verbannen. Und es bedeutet vor allen Dingen als gutes Beispiel voranzugehen. Jemand, der die Ma’at bringen möchte, tut dies nicht indem er ausschweifende Vorträge hält, sondern indem er es vorlebt.

hand in hand

Nobody is perfect!

Wenn die Ma’at eines weiß, dann dass es Perfektion nicht gibt. Was sie jedoch diktiert, ist das unbeirrte Streben nach dem Richtigen in dem Wissen, dass der Weg zur Ma’at bereits das Ziel ist. “Das Richtige” verändert sich stetig, ist dem gleichen Wandel unterworfen wie man selbst, wird immer Ideal bleiben, doch das sollte einen nicht daran hindern unermüdlich danach zu suchen und ihrer stets aufs Neue würdig zu werden. Eine unvollkommene Ma’at ist besser als jeder unterlassene Versuch sie zu manifestieren.

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Mondritual – Eine moderne Interpretation

Kaum eine Kultur wird so sehr mit dem Sonnenkult verbunden wie die Altägyptische. Der Mond spielt nur eine untergeordnete Rolle, doch so ganz ohne Bedeutung war er nicht. Immerhin war er im Volkskalender noch lange der Taktgeber, als der Staatskalender vom Mondjahr bereits auf das Sonnenjahr umgestellt worden war.

Animation der Mondphasen, Wikipedia

Einen eigenen Mondkult gab es nicht, so soll dieses Ritualkonzept lediglich einen Vorschlag für ein kemetisch inspiriertes Mondritual bieten und beansprucht keineswegs historisch belegt zu sein.

Dennoch markierten die Mondphasen  wichtige kultische Zeitpunkte oder waren Inspiration für verschiedene mythische Motive. So sind die 14 Stücke in die Osiris Leichnam zerlegt und verstreut wurde, dem halben Mondzyklus zuzuschreiben, der Neumond wurde natürlich als Neubeginn und Phase der Geburt verstanden.

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Der Mondgott Iah, Wikimedia Commons

Es gibt eine Reihe von Gottheiten die dem Mond zugeordnet werden. Die meisten von ihnen sind männlich. Dazu gehören Thoth, Osiris, Chons, Min und am ehesten noch mit der Mondscheibe selbst zu identifizieren Iah, welcher auch letztlich der Namensgeber für den Mond ist. Nur sehr wenig weibliche Gottheiten werden in Ägypten im Zusammenhang mit dem Mond genannt, davon ein namenloses weibliches Pendant zu Thoth und später im Neuen Reich die Göttin Isis, die dem Osiris als der Sonne zugehörig eine Entsprechung bildet.

Symbol der Verjüngung und Erneuerung

Den Mond selbst verstand man als ein kleineres Gegenstück zur Sonne, eine Art Nachtsonne. So ist es auch nachvollziehbar, dass sich ähnliche Attribute wie bei der Sonne auch um den Mond finden. So wie die Sonne die allabendliche Verjüngungsreise durch die Unterwelt antritt um am nächsten Morgen gestärkt am östlichen Himmel hervorzugehen, sah man auch in den Zyklen des Mondes den Prozess wiederkehrender Erneuerung.

Der Mondkraft sagte man nach ein “brünstiger Stier zu sein, der die Frauen schwängert”. Der Mond galt als der Fruchtbarkeit besonders günstig, wenn die volle Scheibe am Himmel stand. Überhaupt wurde der Vollmond mit dem Stier assoziiert, denn zum Vollmond wurde auch regelmäßig das “Fest zur Vereinigung der beiden Stiere” (Sensen kawi) gefeiert. Die Bezeichnung “Stier des Himmels” für den Mond, ist als bildhafter Ausdruck für “Herrscher” oder “Gebieter” und als Ausdruck seiner großen Kraft zu verstehen. Die Vereinigung der beiden Stiere ergibt sich aus dem Umstand, dass zum Vollmond die Sonnenscheibe und der Mond häufig gleichzeitig zu sehen waren.

Horusauge, ca. 600-400 v. Chr., Louvre/Paris, Foto: Marie-Lan Nguyen, Wikimedia Commons

Heilung des Mondauges

Das wichtigste mythologische Ereignis ist die Heilung des Mondauges. Sowohl Sonne als auch Mond wurden jeweils als Himmelsaugen verstanden, die Sonne als das rechte und der Mond als das linke. Die damit verbundene Gottheit ist in erster Linie Horus, aber auch Re, so dass die Sonne auch als Auge des Re und der Mond als Horusauge gesehen wird. Der abnehmende Mond wird als das langsame Vergehen des Horusauges betrachtet, das sich in der zunehmenden Phase regeneriert.

Hinzu kommt noch der volkstümliche Mythos vom Kampf zwischen Seth und Horus, in welchem Seth Horus das Auge ausschlägt, dies aber wieder erneuert wird. Der Mond wird dabei zum Symbol des immerwährenden Kampfes zwischen Licht und Finsternis, Horus als Verkörperung des Lichtes und Seth als Symbol der Finsternis. Geheilt wird das Mondauge von Thoth. Das heile Auge wird als Udjatauge bezeichnet, das daher auch zu einem allgemeinen Symbol der Heilung wird.

Das Ritual

Das o.g. Vollmondfest Sensen-kawi wird auch “Tage der Reinigung” genannt. Zusammen mit dem Verjüngungs- Heilungs- und Erneuerungsaspekt, soll dies nun als mythologische Vorlage für dieses moderne kemetische Mondritual dienen. Da zu diesem Fest ähnlich dem Lampenfest zahlreiche Lichter entzündet wurden, eignen sich natürlich auch hier Kerzen und Lichter aller Art. Da der Mond mit der Farbe Weiß und Silber assoziiert wurde, passen hier natürlich silberne und weiße Ritualgegenstände am besten z.B. Altardeckchen, Kerzenhalter, Kerzen oder sogar Mondsymbole. Man kann entweder einen vorübergehenden Altar einrichten, den man hinterher einfach wieder abbaut oder einen dauerhaften. In etwas späterer Zeit opferte man zum Fest der Vereinigung der beiden Stiere auch zwei Spiegel um damit die beiden Himmelslichter Sonne und Mond zu symbolisieren, d.h. es wäre also sehr passend zwei Spiegel in seine Altardekoration zu integrieren.

Natürlich kann man hier auch den mit dem Mond assoziierten Gottheiten, die weiter oben genannt wurden, besondere Aufmerksamkeit schenken und Opferungen darbringen. In diesem Ritualbeispiel soll jedoch auch besonderes Augenmerk auf der Reinigung und Heilung des eigenen Körpers und der eigenen Seele liegen.

Das Ritual beginnt daher am besten mit einer umfassenden Reinigung. Diese erfolgt ganz traditionell mit einer Waschung durch Natronwasser. Eine Anleitung zur Herstellung von Natron findet sich hier. Normales Speisesalz oder/und Küchennatron sind aber ebenso geeignet. Wichtig ist es bei der Waschung wirklich alle Körperteile mit der Wassermischung zu übergießen und vor allem die Körperöffnungen zu reinigen. Anschließend erfolgt eine Räucherung die man über den ganzen Körper aufsteigen lässt. Besonders geeignet ist hier natürlich das traditionelle Kyphi, doch man kann natürlich auch reinigende Kräuter wie Lavandel, Salbei o.ä. einsetzen. Wenn man über weiße Ritualkleidung verfügt kann man diese natürlich ebenfalls anlegen.

Nun entzündet man die Kerzen um auch die Kraft des Mondes zu wecken und ggf. weiteres Räucherwerk am dafür errichteten Mond-Altar. Sofern möglich, kann man diesen so einrichten, dass man dabei das Mondlicht sehen kann. Man kann nun ganz nach Belieben eine kurze Andacht halten, den Aspekten des Mondes nachsinnen oder das Ganze zu einer größeren Meditation ausweiten, sich auf die verjüngende Kraft des Vollmondes fokussieren und sich dabei von ihr durchströmen lassen. Dem Mythos nach hat Thoth das Mondauge geheilt indem er mit seinen Fingern darüber strich. So kann man gleichermaßen bestimmte Körperbereiche, die magischer Heilung bedürfen durch einfaches Darüberstreichen mit der Mondkraft in Verbindung bringen. Oder man legt, sofern vorhanden, kleine Udjat-Amulette auf eben diese Stellen. Dies kann man entweder bei sich selbst oder im Falle eines gemeinschaftlichen Rituals gegenseitig vollziehen.

IMG_5759Gutes Gelingen!🙂

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Selket – Magie, Schutz und Heilkunde

Oft wird im Zusammenhang mit der Heilkunde der Altägypter die Göttin Isis genannt. Dabei gibt es eine Göttin, die etwas unscheinbarer ist als Isis, aber eigentlich noch ein wenig mehr mit der Heilkunde zu tun hat. Die skorpiongestaltige Selket.

Selket wird entweder als menschliche Frau mit einem Skorpion als Kopfschmuck dargestellt oder als Skorpion mit einem Frauenkopf. Ihr Name bedeutet “die (die Kehle) atmen lässt”.

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Göttliche Skorpionin

Selket ist bereits seit der Protodynastik belegt, erste Darstellungen finden sich in der 1. Dynastie, also mehr als 3000 Jahre v.Chr. unter der Regentschaft der Pharaonen Skorpion I und II (“Selk” oder “Weha” auf altägyptisch). Hier tritt Selket als Schutzgöttin des Pharaos auf.

Der Skorpion auf Selkets Kopf wird oft ohne Stachel dargestellt. Ursprünglich nahm man an, dass der um seinen Giftstachel beraubte Skorpion ein Ausdruck von Selkets Gutmütigkeit und Wohlwollen sei, da Skorpione generell ein Symbol für Vergiftung, Gift oder Krankheit waren, jedoch stellte sich heraus, dass es sich um einen völlig anderen Skorpion handelt, nämlich um den Wasserskorpion, der keinen Giftstachel besitzt. Sein Schwanz dient vielmehr als Luftröhre zum atmen für den im Wasser lebenden Skorpion. Damit erklärt sich auch die Bedeutung von Selkets Namen.

Abzeichnung eines Reliefs im Tempel Bet el-Wali, Ägypten von Carl Richard Lepsius (1810–1884), Wikimedia Commons

Selket-Priester – medizinische Spezialisten

Dennoch waren Priester der Selket, die sog. kherepu auf Vergiftungen durch Schlangenbisse oder Skorpionstiche spezialisiert, so dass die Skorpiongöttin mit einen ganze bestimmten Bereich der Heilkunde assoziiert werden kann. Selket wird häufig in magischen Formeln und Sprüchen erwähnt, die bei Verletzungen durch giftige Tiere Anwendung fanden.

Selket als Toten- und Schutzgöttin

Zusammen mit Neith, Isis und Nephthys gehört sie zu den 4 Totengöttinen, die die Kanopen mit den vier Horussöhnen bewachen. Selket ist die Schutzgöttin der Kanope des Kebechsenuef, in der die Gedärme des Verstorbenen aufbewahrt wurden.

Sogar im Zusammenhang mit der dämonischen weltenverschlingenden Schlange A/pophis wird Selket erwähnt, indem sie ihre Kraft verleiht um die Schlange zu bezwingen und damit die Schöpfung vor dem Untergang zu retten.

Das macht Selket zu einer Göttin der Magie sowie zu einer starken Schutzgöttin. Sie ist außerdem eine Göttin der Fruchtbarkeit, der Natur und der Medizin.

Links die Göttin Isis, rechts Selket als Schützerinnen des Kanopenschreins. Ägyptisches Museum Kairo, Wikimedia Commons

Wo das Sonnenlicht entsteht

Eine interessante Korrelation gibt es mit dem Begriff Sereq-hetit, der einem Namen der Selket, nämlich Serqet-hetit sehr ähnlich ist. Sereq-hetit bezeichnet den Ort an dem das Sonnenlicht entsteht. Übersetzt heisst dieser ebenfalls “das die Kehle atmen lässt”. Der Begriff wird oft synonym mit Selkets Namen verwendet, obwohl es sich lt. Nut-Buch um einen Ort und nicht um eine Gottheit handelt. Jedoch werden Licht und Luft in der ägyptischen Mythologie häufig gleichgesetzt, was man z.B. an der Zuordnung des Luftgottes Schu sieht, der ebenfalls auch Lichtgott ist. Man nahm an dass Himmel und Erde sich nicht berührten, sondern durch einen licht- und luftgefüllten Raum – das Reich des Schu – getrennt waren. Quelle des Lichtes war jedoch der Sonnengott Re.

Noch eine Skorpiongöttin

Skorpione tauchen auch in einer weiteren altägyptischen Legende auf, die auf der Metternich Stele aus der 30. Dynastie zu finden ist, allerdings nicht im Zusammenhang mit Selket. Sieben weibliche Skorpione sind Wegbegleiterinnen der mit dem Horuskind schwangeren Göttin Isis, als diese auf der Flucht vor Seth ist, nachdem dieser Osiris getötet hat. Die Skorpione werden sogar namentlich genannt: Tefen und Befen, Mestet und Mestetef, Petet, Thetet und Matet. Isis versteckt sich vor Seth und Thoth hilft der werdenden Mutter indem er ihr die sieben Skorpione schickt, die sie durch das Marschland des Nils geleiten sollen.

Isis sucht Obhut bei menschlichen Frauen und wird zunächst von einer reichen Dame barsch abgewiesen. Eine arme Fischersfrau jedoch nimmt sich ihrer an. Die Skorpione rächen sich daraufhin an der reichen Frau, geben all ihr Gift in einen einzigen der Skorpione, welcher daraufhin das Kind der reichen Frau sticht. Die reiche Frau rennt mit dem vom Gift gepeinigten Kind ins Dorf, doch niemand ist da um ihr zu helfen. Isis ist jedoch voller Mitleid für das Kind und befiehlt dem Skorpiongift aus seinem Körper zu fahren. Das Kind wird somit gerettet. Daraufhin ist die reiche Frau voller Reue gegenüber Isis und gibt ihr gesamtes Hab und Gut der armen Fischersfrau.

Selket als Skorpion mit Frauenkopf, Foto: Khruner, Wikimedia Commons

 

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Lilith – Ein Mythos

Lilith, die göttliche Ikone der emanzipierten, wilden, selbstbestimmten Frau. Egal ob man in die Esoterikszene, die Astrologie oder die Heiden- und Hexenszene schaut Lilith ist das Sinnbild der dunklen Anteile der Weiblichkeit, der Frau, die ihre Sexualität frei lebt und sich vom Mann keine Vorschriften machen lässt.

Lilith, eine Göttin der heiligen Emanzipation aus grauer Vorzeit also? Da gibt es nur ein kleines Problem: Es gibt keine solche Göttin. Bei Lilith handelt es sich um einen modernen Mythos, der in den 1970er Jahren in einer feministischen Strömung des modernen Judentums kreiert wurde. Und vielleicht noch um einen Himmelskörper.

Lilith von John Collier, 1892, Wikimedia Commons

Eine tatsächliche singuläre Lilith taucht erstmals im frühen Mittelalter auf und zwar in einem satirischen Text aus der jüdischen Folklore dem Alphabetum Siracidis, das ungefähr zwischen 700 und 1000 nach Christus verfasst wurde. Hier soll Lilith die erste Frau des Adam gewesen sein und durch ihr aufmüpfiges Verhalten aufgefallen sein. Was nun folgt ist eine Reihe von etymologischen Herleitungen und Assoziationen, die sich als falsch oder unklar herausgestellt haben, so dass man zwar sagen kann, dass mesopotamischen Mythen die Inspiration für die weibliche Figur aus dem jüdischen Text geliefert haben mögen, es jedoch keinerlei “Göttin” im mesopotamischen Raum gibt, die der modernen Figur der Lilith entspricht.

Eine sumerisch-babylonische Göttin?

Aber beginnen wir ganz vorn vorne. Lilith soll angeblich im alten Mesopotamien beheimatet sein. Und tatsächlich findet eine “Lilith” im Gilgamesh-Epos Erwähnung. Im Mythos der Inanna und dem Ḫuluppu-Baum tritt ein löwen-, schlangen- oder drachenartigen Mischwesen (Anzu) namens ki-sikil-lil-la-ke auf, das den Huluppu Baum im Garten Inanas besetzt. Dieses Wesen wurde sehr viel später mit Lilith assoziiert nämlich in dem eingangs erwähnten satirischen Text. Nach neueren Vermutungen handelt es sich sogar nicht nur um eine singuläre Lilith, sondern mehrere Liliths, die sich in den Zweigen des Baumes der Inanna befinden. Heute sind sich aber viel Historiker einig, dass diese Gleichsetzung von ki-sikil-lil-la-ke und der mittelalterlichen Lilith nicht korrekt ist. Zwar gibt es im sumerischen die sog. līlītu, jedoch handelt es sich dabei um sehr bösartige weibliche Dämonen, die möglicherweise für die spätere Lilith die Inspiration geliefert haben. Die Ähnlichkeit des biblischen Baums der Erkenntnis mit Inannas Huluppu-Baum mag dazu geführt habe, dass beide Mythen miteinander vermischt wurden.

Lilith statt Inanna

Interessanterweise ist es aber gerade Inanna welche viele der Eigenschaften aufweist, die dem populären Bild der Lilith entsprechen. Inanna ist die Göttin der geschlechtlichen Liebe, sie konnte männlich wie weiblich auftreten, ist kriegerisch und eine emanzipierte Herrscherin. Inanna hatte den Huluppu-Baum gepflanzt um daraus ihren Thron zu zimmern. Allein dieses mythologische Motiv weist sie als Königin aus, die sich selbst legitimiert und kein männliches Pendant dazu benötigt. Als sie ihn nach 10 Jahren Wachstum fällen will, ist dieser von Lilith(s) besetzt, die sich als Äste des Baumes darstellen. Der Dämon bzw. die Dämonen werden schließlich von Gilgamesch verjagt und der Baum gefällt.

Kindsmörderin aus Mesopotamien

Eine weitere unklare Gleichsetzung erfährt auch die mesopotamische Halbgöttin Lamaštu mit der jüdischen Lilith. Lamaštu besitzt – obwohl göttlich bzw. semigöttlich – wenig wohlwollende Eigenschaften, sondern zählt zu den sogenannten sieben Dämonen, die der Fortpflanzung des menschlichen Geschlechts Einhalt gebieten will. Sie ist ähnlich wie die sogenannten Lilin ein Mischwesen aus Löwe, Vogel oder Esel, hält Schlangen in ihren Händen und reitet auf einem Schwein oder Hund. Sie gilt als jener Dämon, der die bedrohlichen Aspekte der Frauengesundheit verkörpert, nämlich Kindstod, Kindbettfieber oder Fehlgeburt. Zahlreiche Amulette um Lamaštu zu bannen zeigen deutlich, wie sehr dieser weibliche Dämon in der mesopotamischen Kultur gefürchtet wurde. Es hieß sie würde Säuglinge der Mutterbrust entreißen und sie töten. Als Schützer der Schwangeren und Gebärenden tritt der ebenfalls dämonische Gott Pazuzu auf, der einzige der Lamaštu zu bezwingen vermag.

Götter sind keine Engel

Hier muss berücksichtigt werden, dass Gottheiten in Mesopotamien durchaus nicht immer als wohlwollend und rechtschaffen zu betrachten sind. Göttlich bedeutet nicht zwangsläufig gut oder wohlgesinnt. Das ethische Gleichgewicht wird in polytheistischen Traditionen durch das Zusammenwirken mehrerer Gottheiten hergestellt. Da es sich um naturreligiöse oder zumindest naturnahe Traditionen handelt und der Mensch im Gegensatz zu heute den Mächten der Natur hilflos ausgeliefert war, wurden auch die Gottheiten als durchaus bedrohliche Übermacht verstanden, die es zu bezähmen oder sogar zu bezwingen galt.

Auch darf nicht vernachlässigt werden, dass die Begrifflichkeiten von “Gut” und “Böse” im Laufe der Zeit einen grundlegenden Bedeutungswandel erfahren haben. Während die Begriffe im Zusammenhang mit modernen Religionen oft stark moralisiert sind und sich auf soziale Dynamiken beziehen, drehen sich ihre Bedeutungsinhalte in den naturnäheren Religionen des alten Orients und der Levante um das Prinzip der Schöpfung als Lebensgrundlage. Demzufolge ist “böse” was sich dem Prinzip der Schöpfung als Gesamtes entgegenstellt und nicht selten konnte diese destruktive, antischöpferische Kraft auch von göttlichen oder zumindest gottähnlichen Wesen ausgehen. Dieser Definition von “Böse” entspricht z.B. Lamaštu, denn ihr Wirken ist gegen die Menschheit als solches gerichtet.

Das McBurney Relief

Aus der altbabylonischen Zeit stammt das inzwischen sehr bekannte McBurney Relief (ca. 1800 bis 1750 v.Chr.), dass derzeit im British Museum in London zu bewundern ist. Da es zu diesem Relief keine Beschriftung gibt, konnte nie klar festgestellt werden um welche Gottheit es sich bei dieser Darstellung handelt. Häufig wird behauptet, es sei Lilith. Am wahrscheinlichsten ist es jedoch, dass es sich hierbei um Inanna/Ishtar handelt und nicht um Lilith. Letztere kommt allein deswegen schwerlich in Frage, da Lilith ja erst tausende Jahre später als solche auftaucht und in der sumerisch-babylonischer Zeit von mehreren weiblichen “Lilith”-Dämonen auszugehen ist. Die Darstellung des Reliefs hat große Ähnlichkeit mit der “Ishtar Vase” aus dem 2. Jahrtausend v.Chr. welches sich im Louvre in Paris befindet. Auch die weiteren Attribute wie etwa der Löwe, die Ringe oder die halbausgebreiteten Flügeln werden mit Ishtar assoziiert.

McBurney Relief, British Museum, Wikimedia Commons

Die eigentliche Lilith

Im jüdischen Mittelalter soll nun Lilith im Midrasch auftauchen, tatsächlich findet sie aber nur ein einziges Mal im Talmud Erwähnung als weibliches Wesen, das Männer plagt und damit vermutlich auf das Leitmotiv der besagten mesopotamischen Dämonen zurückgreift.

Im 13. Jahrhundert erheben die Schriften des Rabbi Isaac ben Jacob ha-Cohen Lilith zur ersten Frau Adams, die ihn verlässt nachdem sie sich weigert ihm zu gehorchen. Sie verlässt daraufhin das Paradies und verführt den Erzengel Samael. Daraufhin soll Lilith von der fügsamen Eva ersetzt worden sein. Lilith wird in der Folge unterstellt Neugeborene zu entwenden, also ganz nach dem sumerischen Vorbild der Lamaštu.

Neuinterpretation im jüdischen Feminismus

Diese Geschichte diente nun in den frühen 70ern im Rahmen der modernen jüdisch-feministischen Theologie als Sinnbild für die spirituell emanzipierte Frau, die sich dem Göttlichen selbstständig zuwendet und dazu keinen Mann benötigt. Zwar stand der Frau der religiöse Bildungsweg im Judentum grundsätzlich offen, doch war der soziale Druck meist so groß, dass jüdische Frauen sich trotzdem in einer benachteiligten Position in Sachen theologischer Bildung sahen. Die Flucht der Lilith aus dem Paradies wird nun mit der Flucht der Frau vor dem unterdrückerischen patriarchalen System des Judentums interpretiert und die satirische Lilith-Figur wird nun zu einer Ikone weiblicher spiritueller Emanzipation. Eva wird entsprechend zum gehorsamen Weibchen gemacht. Hier ist vor allem die Autorin Judith Plaskows und ihr bekanntes feministisches Midrasch “Das Kommen Liliths” hervorzuheben. Lilith ist also weder eine mesopotamische Göttin, noch eine dämonisierte Frauenfigur der Bibel, wie so gerne behauptet wird. In der Bibel findet sie überhaupt nur einmal Erwähnung auch hier wieder lediglich als Vokabel für einen weiblichen Dämon.

Jesaja 34,14: “Es werden Wildkatzen auf Schakale treffen, ein ziegenbehaarter Dämon wird seine Gefährten rufen und dort wird auch die Lilit verweilen und ihre Behausung finden.”

Lilith – ein moderner Mythos

Heute ist Lilith Namenspatronin für Frauenberatungsstellen, gern verwendeter Nickname in Esoterik- und Hexenkreisen, vielfach verehrte “Göttin” und Symbol der “dunklen” Anteile der Frau, nämlich der Wunsch nach einer freien und selbstbestimmten Sexualität, nach Bildung, nach Gleichberechtigung, nach wilder, ungebremster Emotionalität. Die Kunstfigur Lilith ist zu einem Behältnis aller modernen Ideale weiblicher Emanzipation und Identität geworden. Gerade diese Aspekte sind auch wichtiger Bestandteil weiblicher Spiritualität in alternativ-religiösen Gesellschaften wie dem Heiden- und Hexentum oder der Esoterikwelt. Möglicherweise hat dies zu einer Adaption der jüdisch-feministischen Lilith geführt.

Verwunderlich ist, dass die polytheistischen Traditionen zahlreiche weibliche Göttinnen aufweisen, die ebenfalls äußerst emanzipiert zu Werke gehen, jedoch hat es keine von ihnen zu einem derartigen Erfolg gebracht. Es ist zu vermuten, dass hier das große Bedürfnis alternativ-spiritueller Frauen nach Abgrenzung von einem patriarchalen bzw. patriarchal-religiösen System wie dem Christentum dazu geführt hat, dass gerade die Figur der Lilith in der modernen Auffassung so populär und letztlich sogar vergöttlicht wurde.

Lady Lilith von Dante Gabriel Rosetti, Wikimedia Commons

Lilith – Verehrung heute

In einigen modernen magischen Traditionen ist die Lilith-Verehrung ein zentraler Bestandteil der Praxis geworden, wie z.B. im Wicca, in der Ritualmagie oder auch in der Chaosmagie. Aleister Crowley benannte sogar seine Tochter Jezebel Lilith Crowley nach der göttlichen Feministin. Es stellt sich also die Frage, ob eine Lilith-Verehrung generell als falsch zu werten ist oder ob Mythos auch in einer modernen Welt ein organisch wachsendes Konstrukt spiritueller Gruppendynamiken sein darf und als solches seine Berechtigung erhalten sollte.

Sich auf “uralte Mythen” zu berufen ist hier sicherlich nicht korrekt, doch ist die Verbreitung der modernen Lilith-Figur inzwischen so gediehen, dass man schwerlich von einer undeutenden literarischen Idee sprechen kann. Das Bedürfnis nach einer Göttin der weiblichen Emanzipation und des spirituellen Feminismus ist jedenfalls nicht von der Hand zu weisen.

 

Mit großem Dank an Sedjfaiemitui, Expertin für Altorientalistik,
(Binghamton University in New York State) für ihre Unterstützung!

Zum Blog “Shadows of the Sun” bitte klicken!

Literatur
Raphael Patai, Encyclopedia of Jewish Folklore and Traditions
Lori Hope Lefkovitz, In Scripture: The First Stories of Jewish Sexual Identities
Gabbay, Uri. “A Collection of Pazuzu Objects in Jerusalem,” Revue d’Assyriologie et d’Archaéologie Orientale. 2/2001 (Vol. 94), p. 149 – 54.
Gabbay, Uri / Wayne Horowitz / Filip Vukosavovic. “A Woman of Valor : Jerusalem Ancient Near Eastern Studies

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Miniatur-Schrein für die Göttin Ma’at

maat shrine 0Aus kleinen Holzkästchen, die es sehr günstig in 1€-Läden gibt, lassen sich hübsche kleine Schreine basteln, die man entweder an die Wand hängen kann oder auch als tragbaren Reiseschrein nutzen kann. Ich habe einen gewählt der vorne eine Kunststoffscheibe hat, aber man kann natürlich auch einen verwenden, der ganz aus Holz ist.

Man kann das Motiv entweder frei Hand mit einem weichen Bleistift vorzeichnen oder man druckt sich eine Vorlage aus und überträgt diese mit Blaupapier. Ich habe beides in Kombination genutzt.


Vorzeichnen mit Blaupapier
Sind die Linien übertragen, kann man mit dem ausmalen beginnen. Es empfielt sich mit einem sehr dünnen weichenPinsel zu arbeiten. Evtl. sollte man die Acrylfarben mit etwas Wasser verdünnen, damit kann man sehr feine Linien malen. Zu dünn sollten sie aber auch nicht sein, sonst verlaufen sie in den Holzfasern.

 

maat shrine 2

Für die Feder der Göttin habe ich die Farbe weiß gewählt. Weiß oder auch Silber steht für Reinheit, aber auch für Heiligkeit.

Das Kleid der Göttin ist blaugrün. Es soll für die schöpferische Kraft des Wassers der Urmeere in der altägyptischen Mythologie stehen.

maat shrine 3Mit Gold habe ich nicht gespart. Gold und Gelb stehen im Alten Ägypten für eine starke solare Energie und Lebenskraft. Man nahm an, das die Körper der Götter aus Gold waren, was zumindest in Form von Statuen auch häufig zutraf. Zusammen mit Blau war Gold auch häufig als königliche Farbe anzutreffen.

maat shrineDie Göttin sitzt jetzt auf einem Sockel auf dem das Wort “Ma’at” steht. Das symbolisiert, dass das Prinzip der Ma’at das Fundament allen Lebens ist. Der Untergrund ist schwarz und steht damit für die Fruchtbare Erde “das schwarze Land”, wie auch der Eigenname Altägyptens (“Kemet”) lautet. darüber der blaue Himmel. Dazwischen ist die Leere, die bei den Alten Ägyptern als eigenes MEdium galt und dem Luftgott Schu zugeordnet wurde. Aus der fruchtbaren Erde wachsen zwei Lotosblüten, die ein Symbol für neues Leben und Wiedergeburt sind.

maat shrine 8 maat shrine 9Nun noch eine Lasur für außen, damit der kleine Schrein etwas rustikaler aussieht. Ich habe eine Mahagoni-Lasur gewählt, weil sie die Holzmaserung so schön betont.

Der Schrein ist nun fertig und kann geweiht werden. Um einen Schrein zu aktivieren, sollte man unbedingt eine Mundöffnungszeremonie an dem Bildnis durchführen.

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Dua Ma’at!

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Kräuter im Alten Ägypten

Die Alten Ägypter besaßen eine ausgefeilte Heilkunst, die sehr eng mit der Anwendung von Magie verknüpft war. Neben verschiedenen Materialien der Natur, fanden auch viele Pflanzen Einsatz in der altägyptischen Medizin und Magie. Nicht alle konnten heute zweifelsfrei identifiziert werden und zum Teil nahmen es selbst die Alten Ägypter mit der botanischen Unterscheidung der Pflanzen nicht so genau.

Dennoch kann man heute auf eine umfangreiche Sammlung altägyptischer Medizinpflanzen zurück greifen, die ohne größere Umstände hierzulande erhältlich sind und z.B. für Rituale und magische Aktivitäten genutzt werden können

Foto: Wikimedia Commons

Im Folgenden soll daher ein Überblick über die im Alten Ägypten verwendeten Kräuter und Pflanzen gegeben werden, jeweils mit der Art der Anwendung und sofern überliefert mit der magischen oder mythologischen Bedeutung.


*** Wichtiger Hinweis ***
DIE REZEPTUREN SIND NICHT ZUR NACHAHMUNG EMPFOHLEN!

Die Anwendungshinweise geben lediglich die überlieferten Einsatzgebiete der verschiedenen Pflanzen wieder, stellen aber in keiner Weise eine Therapieempfehlung dar.
Bei Anwendung von Pflanzen oder Pflanzenteilen als Amulett bitte die jeweiligen Richtlinien für geschütze Pflanzen beachten.

Akazie (Nilakazie)
Wundheilung, bei Knochenbrüchen, um die Blutgefäße zu kühlen, Baum der Geburt und des Todes, Verhütungsmittel

Akazie, Foto: Wikimedia Commons

Alant
Wundheilung, um Insekten und Schlangen fern zu halten, um sich Krokodile vom Leib zu halten

Alraune
Gegen Schmerzen, als Betäubungsmittel (z.B. für operative Eingriffe) als Aphrodisiakum
Um einen Alraune zu ernten sollte man zunächst mit einem Schwert drei kreise um die Alraune ziehen, beim ersten Schnitt soll das Gesicht nach Westen gerichtet sein, beim zweiten Schnitt soll man um die Alraune tanzen und die Mysterien der Liebe besingen.

Alraune, Foto: Wikimedia Commons

Basilikum
Aphrodisiakum, um die Geburt zu erleichtern, “königliche Pflanze”

Bohnen
für Priester waren Bohnen tabu, es war ihnen nicht einmal erlaubt sie anzusehen, da sie als unrein galten, als Aphrodisiakum in der Volksmedizin, Arbeiter erhielten Bohnen als Lohn

Dattelpalme, Foto: Wikimedia Commons

 

Dattelpalme
Als Süßigkeit, zur Herstellung von Sirup, Wein, Schnaps und Likör, der Wein wurde getrunken, aber auch zur Waschung der Mumien benutzt, gegen geschwollene Arme und Beine, gegen Husten, als mildes Abführmittel

 

Datteln an einer Dattelpalme, Foto: Wikimdia Commons

 

Feigenbaum
Früchte gegen Verdauungsbeschwerden, zusammen mit Kuhmilch gegen Herzerkrankungen, die durch einen Dämon verursacht wurden, Opfergabe an die Götter, als mildes Abführmittel

Gerste
Als Opfergabe v.a. an Osiris als Symbol der Wiederauferstehung,
als Geburtsorakel: die schwangere Frau musste täglich in zwei Behälter urinieren, einen mit Emmer der andere mit Gerste gefüllt. Wuchs die Gerste würde sie einen Jungen gebären, wuchs der Emmer mehr würde es ein Mädchen werden. Wuchs keines der beiden würde sie kein Kind gebären.

Hanf
Gegen Trübsal und Depression, als Mittel um den Uterus zu kühlen, gegen Entzündungen, Symbol der Seshat, weibliches Pendant des Gottes Thoth, Gottheit der Mathematik, Schreibkunst und Magie

Die Göttin Seshat, Foto: Wikimedia Commons

Henna
Soll Verstorbene wiederbeleben können, als Stimulantium, Haar- und Hautfarbe

Körpermalerei mit Henna, Foto: Wikimedia Commons

Kalmus
Aphrodisiakum, zur Zahn- und Körperreinigung, oft Bestandteil der Räuchermischung Kyphi

Knoblauch
Aphrodisiakum, verleiht Kraft und Ausdauer

Knoblauch, Foto Wikimedia Commons

Koriander
Grabbeigabe, Opferung an die Götter, um den Milchfluss bei Müttern anzuregen, gegen Verdauungsbeschwerden, als Antidote gegen das Gift der “zweiköpfigen Schlange”, gegen Magenbeschwerden

Lattich
heilige Pflanze des Gottes Min und des Gottes Seth, wichtiges Fruchtbarkeitssymbol, Teil des Nahrungstabus für Priester, “Allheilmittel”, als Beruhigungsmittel, gegen Männerleiden

Kopfsalat gehört zu den Lattichgewächsen, Foto: Wikimedia Commons

Myrrhe
Bestandteil der Räuchermischung Kyphi, Harz zur Einbalsamierung bei der Mummifzierung, als Parfüm

Papyrus
Papyrusherstellung, als Baumaterial für heilige Zeremonienboote, Herstellung von Sandalen, Pflanze des Schöpfugsprozesses, die aus dem Urmeer Nun hervorgeht, Symbolpflanze von Unterägypten

Papyruspflanze (mit Katze :) )

Papyruspflanze (mit Katze🙂 )

Safran
Als Schutzamulett um giftige Tiere zu vertreiben, Grabbeigabe

Schlafmohn
Aphrodisiakum, gegen Schmerzen, als Betäubungs- und Schlafmittel, als Stimulantium

Schlafmohn, Foto: Wikimedia Commons

Sellerie
Gegen jede Krankheit, die durch einen Dämon verursacht wurde, Frauengesundheit, zu Kränzen geflochten als Grabbeigabe

Sellerie, Foto: Wikimedia Commons

Süßer Majoran
Pflanze des Krokodilgottes Sobek, gegen Erkrankungen des Ohres, Grabbeigabe, als Bestandteil von Parfüm, um die Menstruation anzuregen, gegen Zahnschmerzen und rheumatische Beschwerden

Wassermelone
Um Krankheitsdämonen zu vertreiben, als Orakel um eine schwangere Frau von einer nicht fruchtbaren Frau zu unterscheiden (die Schwangere übergibt sich nach Einnahme), Fruchtbarkeitspflanze (mit dem Gott Seth assoziiert, aus seinem Samen der auf den Boden fällt erwachsen Wassermelonen)

Weißer Lotos
Gehört zu den beliebtesten Pflanzen im Alten Ägypten, Lebens- und Wiederauferstehungssymbol (weil sich die Blüten nach der aufgehenden Sonne ausrichten), häufige Pflanze auf Opfertischen für die Götter, gegen Erkrankungen des Darms die durch Dämonen verursacht wurden, Regeneration, Aphrodisiakum, einige Lotusarten wurden als Rauschmittel konsumiert, Symbolpflanze Oberägyptens

Weißer Lotos, Foto Wikimedia Commons

Wermut
Gegen Erkrankungen des Anus die durch einen Dämon verursacht wurden, gegen Entzündungen der Haut, gegen Wurmerkrankungen

Wunderbaum
Rizinusöl als Haarwuchsmittel für Frauen, gegen Hauterkrankungen, als Abführmittel

Zwiebeln
Hält Schlangen fern und schützt das Heim, zur inneren Reinigung, bei Atemwegserkrankungen, Grabbeigabe, zur inneren Reinigung

Zwiebel, Foto: Wikimedia Commons

 

Literatur:
Lisa Manniche, An Ancient Egyptian Herbal

 

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Wie mache ich einen Isisknoten?

Geschichtliche Hintergründe

Ein besonderes Schutzsymbol ist der sog. Isisknoten oder auch Tit-Amulett. Es sieht aus wie ein Ankh mit nach unten hängenden Seitenschlaufen. Es handelt sich dabei tatsächlich um ein Knotenamulett, selbst wenn es auch häufig aus Karneol, roter Fayence oder Glas  gefertigt wurde.

Wie der Name schon sagt ist der Isisknoten auf Isis bezogen, steht jedoch auch in engem Zusammenhang mit der Göttin Hathor. Manchmal wurde das Amulett auch mit einem Porträt der beiden Göttinnen versehen.

Isisknoten mit dem Namen des König Sethos I, Ägyptisches Museum in Kairo, Foto: Juan R. Lazaro, Wikimedia Commons

Es war ein Schutzsymbol besonders für Frauen, Schwangere und Gebärende, wurde aber auch Verstorbenen mit ins Grab gelegt. Das macht es natürlich zu einem Lebenssymbol ähnlich dem Ankh. Da Isis auch mit der Heilkunde assoziiert wird, eignet es sich auch sehr gut für Heilmagie.

Wie der Knoten genau gemacht wurde ist heute leider nicht mehr nachvollziehbar. Ich habe daher eine eigene Methode entwickelt, die gut funktioniert und leicht nachzumachen ist.

Herstellung

Ich nehme dafür

ein Stück dicke Baumwoll- oder Leinenschnur
(ca 50cm lang und 0,5cm im Durchmesser)
ein Stück kräftigen Faden
eine lange Nähnadel

Das Knoten ist bereits ein magischer Akt, daher sollte man sich vor der Herstellung ein wenig besinnen, vielleicht meditieren und sich geistig auf den Zweck des Amulettes konzentrieren.

Zunächst mache ich eine einfach Schlaufe in die Mitte der Schnur.

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Dann teil ich zwei weitere Schlaufen ab

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Mit diesen zwei Schlaufen setze ich eine Schleife darunter (wie beim Schnursenkelbinden)

IMG_5179Man könnte den Knoten eigentlich auch schon so lassen, aber um ihm etwas Form zu geben, klappe ich die zwei seitlichen Schlaufen nach unten und ziehe ein paar mal mit einer langen Nähnadel einen Faden quer durch die beiden Schlaufen und Mittelstränge der Schnur. Gegebenenfalls kann man auch die Enden mit etwas Faden umwickeln, damit sie sich nicht aufdröseln.

IMG_5180Nun ist das Amulett fertig und kann seinem Zweck zugeführt werden.

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Aufladen des Amuletts

Aus dem Totenbüchern ist folgender Spruch überliefert

Dein Blut gehört dir, Isis,
deine Zaubermacht gehört dir, Isis,
deine Zauberkraft gehört dir, Isis.
Das Amulett ist der Schutz des Großen und behütet (ihn vor) dem, der Verbrechen an ihm begeht.

Man kann diesen Spruch originalgetreu verwenden oder aber man ändert z.B. den letzten Satz ab und fomuliert ihn dem jeweiligen Zweck entsprechend neu. Wichtig ist, dass man ihn während des Rituals laut sagt oder auf einen Zettel schreibt und beilegt. Das Sprechen oder Schreiben von Sprüchen ist wichtig um den Spruch zur Wirkung zu bringen.

Zusätzlich kann man das Amulett in einem Ritual mit Räucherwerk weihen oder mit etwas Wasser besprengen um es zu aktivieren. Das Amulett kann entweder getrane werden oder an einem besonderen Ort (Schrein, Altar usw.) aufbewahrt werden. Möchte man den Zauber wieder auflösen, reicht es den Knoten einfach wieder aufzumachen.

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Herstellung eines Schmuck-Papyrus

Papyrus

Papyrus wird aus der faserreichen Papyruspflanze hergestellt. Im Alten Ägypten nannte man sie djit oder tjufi. Das Wort Papyrus ist vermutlich eine Variation der Bezeichung “pa-en-per-aa” was soviel Bedeutet wie “das des Pharaos”. Ägypten war ein großes Land, das zentral regiert wurde, daher waren Briefe, Dokumente und Schriftrollen ein wichtiges Kommunikationsmittel, genau wie heutzutage auch. Nur gab es natürlich keine Kopiermaschinen und Drucker, so dass es vor allem die Aufgabe der Schreiber war, wichtige Botschaften zu vervielfältien. Der Beruf des Schreibers war daher sehr hoch angesehen, denn schließlich sorgten sie für die so wichtige Kommunikation im gesamten Ägypten. Es hieß sogar, die Schreiber würden durch ihr Werk unsterblich.

Papyruspflanze (meine Katze findet, dass das ein tolles SPielzeug ist)

Papyruspflanze (meine Katze findet, dass das ein tolles Spielzeug ist)

Ein Papyrus zu zeichnen ist also durchaus ein heiliger Akt. Man darf die Herstellung also ruhig etwas festlicher begehen und vielleicht etwas Räucherwerk und einige Kerzen entzünden und sich mit einer kurzen Meditation auf das Thema des zukünftigen Papyrus einstimmen.

Ich habe für meines eine Darstellung des Gottes Bes gewählt. Er soll künftig in meinem Flur stehen und als Wächter fungieren.

Handelsüblicher Papyrus normal und "antik"

Handelsüblicher Papyrus normal und “antik”

So wirds gemacht!

Papyrus bekommt man heute in fast jedem Bastelgeschäft. Dabei kann man zwischen frischem Papyrus, welches eine hellgelbe Farbe hat, und einem “antik”Papyrus, das einem künstlichen Alterungsprozess unterzogen wurde und eine eher mittelbraune Farbe hat wählen.

Möchte man ein kleinere Stück Papyrus abschneiden, empfiehlt es sich das mit einem scharfen Messer entlang der Papyrusfaser zu tun, damit die natürliche Optik der Ränder nicht verloren geht. Ein einfaches Schneiden mit der Schere sieht viel zu gerade und künstlich aus. Aufgrund der gitterartige Anordnung der Fasern kann man es nicht reißen. Dazu ist auch es viel zu stabil.

Übertragung der Grundlinien mit Blaupapier

Übertragung der Grundlinien mit Blaupapier

Papyrus hat eine raue faserige Oberflächenstruktur, was beim Zeichnen etwas hinderlich sein kann, doch mit einem weichen Bleistift kann man darauf sehr gut vorzeichnen und sogar radieren. Auch der Radiergummi sollte auf keinen Fall zu rauh sein, sonst lösen sich die Fasern beim radieren. Auch kann man mit Blaupapier ein Ornament vom Papier auf das Papyrus übertragen. Im Internet findet man zahlreiche altägyptische Zeichnungen die man ausdrucken und nachfahren kann.

Sind die Grundlinien übertragen, kann man diese zunächst mit schwarzer Farbe und einem dünnen weichen Pinsel nachfahren. Acrylfarben funktionieren hervorragend auf Papyrus. Die meisten käuflichen Papyri sind ebenfalls mit Acryl gemalt.

Ausfüllen der Flächen

Ausfüllen der Flächen

 

Dann beginnt man mit dem Füllen der Flächen. Altägyptische Malereien waren ebenfalls sehr flächig, daher kann man getrost auf Schattierungen verzichten und im Grunde wie in einem Kindermalbuch ausmalen. Acrylfarbe hat auch den Vorteil, dass sie sehr schnell trocknet, lichtecht und sehr gut haltbar ist. Außerdem gibt es gut deckende Goldfarbe, die man gerade bei altägyptischer Kunst ruhig verschwenderisch einsetzen darf.

 

 

Ägyptische Farbenlehre

Ein wenig sollte man mit den Farbbedeutungen vertraut sein.

ROT steht für Blut, Wüste, Negatives, aber auch für sehrt starken Schutz. Es ist eine sehr ambivalente Farbe, mit der man umzugehen bereit sein solle, wenn man sie einsetzen möchte

SCHWARZ ist eine durchweg positive Farbe, denn sie steht für den fruchtbaren Nilschlamm, der die ausgedörrten Böden nach der Trockenperiode schwarz färbte. Was also auf uns Mitteleuropäer eher düster wirkt, ist die Lebensfarbe schlechthin im Alten Ägypten.

GRÜN ist leicht zu verstehen, es steht natürlich für Vegetation, Jugend, neues Wachstum, Wiederbelebung

BLAU steht für die himmlische, göttliche Sphäre und ist besonders in Kombination mit Gold eine Königsfarbe. Es steht auch für das schöpferische Wasser des Urmeers.

WEISS und SILBER stehen für Reinheit, aber auch für Heiligkeit. Man verwendete Weiß oft um die Farbe Silber in Malereien zu ersetzen. Silber war interessanterweise viel seltener als Gold und daher auch wertvoller. Auch im Totenkult spielte weiß oder weiße Kleidung eine große Rolle.

GOLD und GELB stehen für eine starke solare Energie und Lebenskraft. Man nahm an, das die Körper der Götter aus Gold waren, was zumindest in Form von Statuen auch häufig zutraf. Zusammen mit Blau war Gold auch häufig als königliche Farbe anzutreffen.

Jetzt noch den Namen des Bes in hieroglyphischer Schrift darunter gesetzt

Jetzt noch den Namen des Bes in hieroglyphischer Schrift darunter gesetzt

Die Fertigstellung

Ist das Papyrus nun fertig ausgemalt sollte es erstmal gut trocknen. Ein Finish ist nict zwingend nötig, da die Farbe gut auf dem Untergrund haftet, aber wenn man sehr sicher gehen möchte kann man natürlich mit einem herkömmlichen Fixierspray arbeiten.

Nun kann man das fertige Kunstwerk in einen Bilderrrahmen setzen und an die Wand hängen. Ein schlichter Rahmen mit einer Kunststoff- oder Glasscheibe ist ideal um das Papyrus. Das Papyrus sollte auf jeden Fall nicht ungeschützt angebracht werden, da es sonst mit der Zeit sehr trocken und brüchtig wird.

Natürlich kann man ihn auch vorsichtig und locker zusammenrollen und verschenken, nur  sollte es nicht zu lange in gerolltem Zustand bleiben, da sich beim entrollen Risse in der Farbschicht bilden können.

Bes Papyrus

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